Luhmanns System funktioniert nur dann, wenn er eine Weltgesellschaft annimmt. Er peilt also die Zivilisation an. Aber gleichzeitig soll das soziale Gedächtnis eine kulturelle Größe sein? Dann gäbe es ja unzählige soziale Gedächtnisse, eben für jede Kutur eines. Aber das steht in Widerspruch zu seinem Weltgesellschafts-Postulat.
Auf einer anderen Ebene liegt ein Problem in Folgendem:
Ich denke, dass das soziale Gedächtnis ein Hybrid ist. Es ist kein ganzes technisches Gedächtnis und kein ganzes Kollektivgedächtnis. Al dieses soziale Gedächtnis vollzieht es aber im eigentlichen Sinne keine Speicheraufgaben. Es ist nicht so zu begreifen, wie Kittler den Menschen auf die technische Klaviatur reduziert.
Aber es koppelt das Subjekt und die Tradition, die als Kulturbegriff dann Gedächtnis dadurch prägt, dass es die Situation für sich vereinnahmt. Das Gedächtnis scheint als soziales Gedächtnis den vollständigen Raum der Vorstellung zu terminieren. Es gibt dann keinen "unmarked Space", da die Klaviatur der Technik, die subjektive Erinnerung und das Wissen um die faktische Kraft der Normen und Werte, dem sozialen Gedächtnis die Gesamtheit des eigenen, individuellen Denkraumes zur Verfügung stellt.
Mein Problem damit liegt darin, dass Luhmann in gewisser Weise das technische Gedächtnis übersieht. Anders gesagt: Die Information wird zu schnell digitalisiert, wodurch der Unterschied zwischen absolutem Geist und objektivem Geist aufgelöst wird, ohne aber gleichzeitig den Weltgeist abzuschaffen.
Entweder der Mensch denkt bei Luhmann als Roboter - oder er ist ein körperloses Subjekt. Das ist problematisch selbst dann, wenn er sagt, der Mensch sei Umwelt. Nur unter der Bedingung, dass der Mensch sich als Denkender in die kybernetische Denkweise transformiert, gelingt es ihm, das soziale Gedächtnis zu denken. Aber dabei geht m.e. verloren, dass soziale Systeme und psychische Systeme zwar durchaus Sinnsysteme sind. Aber die Information der Systeme hat gänzlich unterschiedliche Speicherstrukturen.
Es gibt sozusagen psychische, soziale, technische Speicher. Luhmann vermischt die sozialen und die technischen Speicher. Es wird ihm umstandslos gleichgültig, ob sein Denken zur Gänze digital ist oder nicht. Und das ist problematisch, da man m.e. dann keine Leib/Körper Differenz anwesen kann.