Zum Verstandeskapitel ist mir bei der nach Hilfe suchenden, unsystematisch betriebenen Recherche aufgefallen, daß dieses Kapitel entweder äußerst knapp abgehandelt, mehr übergangen als bearbeitet wird (so wie auch Gehring verfährt) oder aber mehr oder weniger in Hegels Terminologie nach"erzählt" wird. Wobei die Schwierigkeiten mit den vielfachen Verflechtungen bestehen bleiben, weil sie eigentlich nur wiederholt werden. Aus diesem Grund hatte ich mich gestern dann für das Original entschieden. Weil ich bei dem ersten Versuch, mir Satz für Satz und Abschnitt für Abschnitt einen Weg zu bahnen, grandios gescheitert bin, bin ich in einem zweiten Anlauf so vorgegangen, daß ich den Text flüchtig gelesen habe. So, als würde ich aus weiter Entfernung einen Blick drauf werfen. Was ich dabei meine verstanden zu haben .. oder richtiger, was ich als Extrakt rausgeholt habe ist folgendes:
Auf der dritten Bewußtseinsstufe oder "Wendung" (wie Gehring es nennt) kommt das Bewußtsein zu Verstand und erfährt die Gegenstände in einem ersten Schritt als der Materie zugehörige Gegenstände. Die Materie ihrerseits ist durch das Prinzip der Kraft bestimmt, das sich in physikalischen Gesetzen manifestiert. Der Verstand hat allerdings zunächst noch eine falsche Auffassung von diesen Gesetzen, weil er sie als einzelne, d.h. unabängig voneinander bestehenden Gesetzen begreift, die in einem statischen Verhältnis zueinander stehen. Die Erfahrung, die das Bewußtsein mit dem Verstand macht, daß die -materiellen- Gegenstände durch viele, sich womöglich sogar einander ausschließende Gesetze bestimmt wird, bringt das Bewußtsein dazu, eine andere Auffassung von den Gesetzen herauszubilden: Sie sind einander negierende Teile eines Ganzen, die durch das Verhältnis, das sie zueinander und zum Ganzen haben.
Außerdem erfährt das Bewußtsein bei dem Versuch, die Gegenstände als Materie zu begreifen und durch das Prinzip der Kraft bestimmt zu sehen, daß es Gegenstände gibt, die diesem Prinzip nicht entsprechen. Das sind die Gegenstände des Lebendigen und des Geistigen. Damit erkennt das Bewußtsein, daß es neben der Kraft noch zwei weitere Prinzipien gibt, die die Gegenstände bestimmen. Das Leben und die Vernunft. Das Prinzip der Kraft ist dadurch charakterisiert, das sie dem von ihm bestimmten -materiellen- Gegenstand nicht an sich selbst zukommt, sondern daß das Bewußtsein sie im Gegenstand erkennt. Im Unterschied dazu ist das Prinzip des Lebens in dem von ihm bestimmten -lebendigen- Gegenstand selbst vorhanden. Der Gegenstand als Lebendiges bringt sich selbst als Begriff hervor. Wenn das Bewußsein ihn als Begriff erkennt, dann erkennt es somit den Gegenstand, wie er an sich ist. Der durch das Prinzip der Vernunft bestimmte Gegenstand – das ist der Geist – der nun erkennt sich sogar selbst als Begriff (jetzt wird es spannend [Blocked Image: https://www.cosgan.de/images/smilie/verschiedene/k060.gif]). Womit die Stufe zum Selbst-Bewußtsein erreicht ist.
Nachdem ich das Verstandeskapitel gelesen habe, ist mir weniger klar als vorher, an welcher Stelle Hegel eigentlich die Vermittlung durch das Begriffliche einsetzen läßt. Jetzt scheint es mir fast so, als würde er nicht nur die sinnliche Gewißheit, sondern auch noch die Wahrnehmung als unvermittelte Verhältnisse begreifen, und erst der Verstand würde die Vermittelheit über den Begriff ins Bewußtsein treten lassen. Vielleicht ist meine Schwierigkeit aber auch darin begründet, daß ich zu wenig berücksichtige, daß die einzelnen Entwicklungsphasen einen ineinanderübergehenden Prozeß darstellen.
Was ich noch gar nicht aufdröseln kann, das ist der Status im ontologischen und/oder begrifflichen (beides gerät mir sowieso leicht durcheinander) System, den das Wort "Prinzip" hat und damit zusammenhängend, wie Hegel sich das Verhältnis von Geist und Vernunft denkt. Vertrauter hingegen wird mir allmählich die Bedeutung des Wortes "Gegenstand". Gegenstand scheint ungefähr alles zu sein, was "es gibt" (Vernunft, Geist, Begriff!, Sachverhalte, materielle Gegenstände zum Anfassen).