Posts by Gloox

    Luhmann zumindest hat, in seiner Systemtheorie, zu Vernunft und Wahrheit ein -ich sags mal vorsichtig- reduziertes Verhältnis.

    Laut Luhmann sollten Vernunft und Wahrheit neu, und zwar funktional, definiert werden.

    Die Begriffe Vernunft und Wahrheit sind Prägungen aus einer vergangenen Zeit. Damals war die Wahrheit noch Sache menschlicher Vernunft. Für unsere hochkomplexe Gesellschaft ist dieser Ansatz unrealistisch geworden. Der Wahrheitsbegriff wird heutzutage als moralischer Mythos mitgeschleppt oder dient als Definitionsgrundlage für logische Theorien.

    Wahrheit könnte heutzutage vielleicht als Code von Regeln, nach denen Erlebnisreduktionen von einem zum andern übertragen werden, betrachtet werden.

    meinte Luhmann, sehr abstrakt, wenn ich mich nicht irre

    das erscheint mir auch einleuchtend. Wenn man den ganzen metaphysischen Ballast des Wahrheitsbegriffes einmal ausser acht läßt, was bleibt dann? Welche Funktion hat die Wahrheitsbehauptung eines Satzes in der Kommunikation? Doch nur noch den Vorschlag an die (Sprach-) Gruppe, diesen Satz (zumindest momentan) nicht anzuzweifeln.

    Wittgenstein hatte auch eine therapeutische Ader: die Philosophie von ihren Sprachverhexungen zu befreien und die Einsicht zu bringen, dass es eigentlich keine philosophischen Probleme gibt, wenn man es recht bedenkt und anpackt.

    Popper war gewiss der Ansicht, dass Philosophie sich mit Problemen beschäftigen sollte, die es zu lösen galt; zumindest im Sinne des Schaffens von Klarheit über das Problem.

    Tugendhat sah Philosophie als Wissenschaft, der es wie den anderen um Wahrheit ginge.

    Ich denke, in der Philosophie herrscht - nolens volens, mit allen Vor- und Nachteilen - Pluralismus: alle drei obigen Ansätze finden in ihr Platz, gewiss noch weitere, und auch das Pflegen von Problemen und Problemchen.

    Also Wahrheit als Ziel der Philosophie? (Tugendhat) Klingt etwas abstrus, da Wahrheit ja schon ein Untersuchungsbegriff (Objekt) der Philosophie ist (-> Wahrheitstheorie).

    Klärung von Problemen (Popper), das schon eher. Aber dann wären wir imho bereits bei Wittgenstein (was Popper sicher nicht so gesehen hätte), bei Wittgenstein verschwinden philosophische Probleme, wenn man sie geklärt hat und die Therapeir durchlaufen hat.

    Wittgenstein ist damit in meiner Empfindung recht nah bei Luhmann, man sieht nicht, was ist, sondern was geschieht. Sprache und Kommunikation sind essentiell. Fakten werden nicht beobachtet, sie werden konstatiert.

    edit: Ups - ich hoffe ich wurde nicht OT - falls doch, bitte einen Hinweis :)