Da das Augenmerk der Erörterung zunächst auf Kapitel 2 von Menschliches, Allzumenschlichesliegen soll (Stoner: "Damit könnten wir zum Zweiten Hauptstück, Zur Geschichte der moralischen Empfindungenkommen"), jedoch Kapitel 1, Von den ersten und letzten Dingen m. E. wichtige Überlegungen voranstellt, möchte ich einige zentrale Aussagen der 34 Abschnitte von Kapitel 1 kurz anreißen, damit sie präsent sind (zitiert nach der Insel-Taschenbuchausgabe von 1982, ohne Hervorhebungen).
Abschnitt 1:
Entstehung "aus seinem Gegensatz" statt "Wunder-Ursprung" der "höher gewerteten Dinge".
Abschnitt 2:
Evolutionäre Erkenntnistheorie, "daß der Mensch geworden ist, daß auch das Erkenntnisvermögen geworden ist".
Abschnitt 3:
"Strenge Methode" versus "Ausspinnen von Symbolen und Formen".
Abschnitt 4:
"Der moralische Mensch" meint, "was ihm wesentlich am Herzen liege, müsse auch Wesen und Herz der Dinge sein".
Abschnitt 5:
"Ursprung aller Metaphysik" als Glaube, im Traum "eine zweite reale Welt kennenzulernen".
Abschnitt 6:
Philosophie nur vermeintlich "Spitze der gesamten Wissenspyramide".
Abschnitt 7:
"Gesichtspunkt des Glücks" keine Kategorie "der wissenschaftlichen Forschung".
Abschnitt 8:
Pneumatismus als "schlechte Erklärungskunst".
Abschnitt 9:
Annahme einer "metaphysischen Welt" als "ein uns unzugängliches, unbegreifliches Anderssein" zwar möglich, aber als "ein Ding mit negativen Eigenschaften" gleichgültig.
Abschnitt 10:
Metaphysisches "Weltbild" unterscheidet sich stark von dem, was aus "der Entwicklungsgeschichte der Organismen und Begriffe" bekannt ist.
Abschnitt 11:
In der Sprache steckt nicht "die Erkenntnis der Welt", vielmehr ist "die Sprache die erste Stufe der Bemühung um die Wissenschaft".
Abschnitt 12:
Der Traum zeigt, dass "wir so viel Narrheit in uns bergen".
Abschnitt 13:
"Traumphantasie" als "Erholung für das Gehirn" von "strengeren Anforderungen an das Denken".
Abschnitt 14:
"Die Einheit des Wortes" verbürgt "nichts für die Einheit der Sache".
Abschnitt 15:
"Das starke Gefühl" verbürgt "nichts für die Erkenntnis als sich selbst".
Abschnitt 16:
"Grundauffassungen" des menschlichen Intellekts, wenngleich "irrtümlich", sind "in der gesamten Entwicklung der organischen Wesen allmählich entstanden" und als "Schatz der ganzen Vergangenheit vererbt", was Gegenstand einer "Entstehungsgeschichte des Denkens" ist.
Abschnitt 17:
"Interesse am Leben und seinen Problemen" wird durch "physische und historische Erklärungen" entflammt.
Abschnitt 18:
"Grundirrtümer" werden von Metaphysikern behandelt "als wären es Grundwahrheiten".
Abschnitt 19:
Es gibt eine Welt, "welche nicht unsere Vorstellung ist", nicht unsere "Welt als Irrtum" ist.
Abschnitt 20:
Auf Wittgensteins Leiter "rückläufige Bewegung nötig".
Abschnitt 21:
"Mutmaßlicher Sieg der Skepsis".
Abschnitt 22:
Es gibt nicht "das letzte endgültige Fundament"; die Wissenschaft "braucht den Zweifel und das Mißtrauen".
Abschnitt 23:
"Für wen gibt es jetzt noch einen strengen Zwang?"
Abschnitt 24:
Fortschritt nicht notwendig, aber möglich.
Abschnitt 25:
"Gesamtregierung" der Menschheit müsste über "eine alle bisherigen Grade übersteigende Kenntnis der Bedingungen der Kultur" verfügen, "wenn die Menschheit sich nicht durch eine solche bewußte Gesamtregierung zugrunde richten soll".
Abschnitt 26:
"Metaphysisches Bedürfnis" als Reaktion; aus Reaktion, indem "wesentliche Punkte korrigiert" werden, einen Fortschritt machen.
Abschnitt 27:
Eine Philosophie befriedigt entweder ein "metaphysisches Bedürfnis" oder beseitigt es und zeigt einen Weg "in eine wirklich befreiende philosophische Wissenschaft".
Abschnitt 28:
Wider Theologen und "theologisierende Philosophen", denn "welcher Denkende hat aber die Hypothese eines Gottes noch nötig?"
Abschnitt 29:
Der Mensch vermeint, "das Genie unter den Tieren" zu sein.
Abschnitt 30:
"Irrschlüsse"– "eine Sache existiert, also hat sie ein Recht", "eine Meinung beglückt, also ist sie die wahre, ihre Wirkung ist gut, also ist sie selber gut und wahr".
Abschnitt 31:
"Unlogische Grundstellung zu allen Dingen" ist "den Menschen nötig".
Abschnitt 32:
"Alle Schätzungen sind voreilig und müssen es sein".
Abschnitt 33:
"Die Menschheit hat im ganzen keine Ziele".
Abschnitt 34:
"Ein Sollen gibt es nicht mehr", denn "die Moral, insofern sie ein Sollen war", ist "vernichtet wie die Religion"; "als Motive" können "nur Lust und Unlust, Nutzen und Schaden bestehen".