Posts by PeriergosMathitis

    Ja, das ist die gängige Vorstellung. Aber dabei wollen wir es ja nicht belassen. Und wenn Odo Marquard schreibt, "keine Wissenschaft kommt ohne Mythen und Bilder aus" oder die Philosophie und ihre Prosa sei "mythenpflichtig und metaphernpflichtig", dann spricht das dagegen, sie als bloße "Märchen" abzutun. Daß man Mythen nicht auf die allseits beliebten Aussagesätze, für die es irgendwo Wahrmacher u.ä. gibt, bringen kann, das ist klar.

    Ja ist auch bei Geschichten aus der Bibel oft so. Die haben einen wahren Kern irgendwo in den Metaphern.

    Ich hatte mich z.B. mal mit dem Turmbau zu Babel beschäftigt und daraus eine psychologische Botschaft gedeutet.

    Nämlich das die Geschichte eine Warnung vor menschlichen Größenwahn ist. Und die Sprachverwirrung die Strafe gewesen ist.

    Warum nicht? Wir sind schließlich Abbilder des Prometheus. Unsere Gedanken manifestieren sich nicht nur in unserem Körper. Sie wirken auf alles

    Ich sehe da keinen kausalen Zusammenhang. Nietzsche ist an einer Lungenentzündung gestorben.

    Hätte er Suizid begangen, dann wären vielleicht auch noch andere Gründe möglich gewesen.

    Jedenfalls kommen mir, die mit der Technik der Neuzeit konfrontierten, Philosophien wie Nihilismus und Existenzialismus viel pessimistischer vor als Opa Platons luftige Ideenwelt und die göttliche Idee des Guten als oberstes Prinzip. So starb Nietzsche auch schon mit 55 in geistiger Umnachtung. Dagegen lehrte Platon, der rüstige Rentner, noch bis zu seinem Achtzigsten in seiner Akademie.

    Nietzsches Tod hat aber nichts mit seinen Ideologien zu tun gehabt.

    Danke für die Zusammenfassung. Von Pandora und ihre Büchse hatte ich auch schon öfter gehört.

    Ich kenne diesen SciFi-Film von Ridley Scott gar nicht. :)
    Dem Trailer nach, scheint der Film zumindest Urängste des Menschen zu berühren.

    Genauer gesagt heisst das Raumschiff im Film so:

    Quote

    Der Film handelt von der Expedition einer Forschungsgruppe, die Ende des 21. Jahrhunderts mit dem Raumschiff Prometheus Hinweisen auf außerirdische Ursprünge des menschlichen Lebens nachgeht. Prometheus ist der fünfte Teil der Alien-Filmreihe, obwohl deren namensgebende Kreaturen darin streng genommen nur auf einem Relief im Inneren des Konstrukteur-Bauwerks und in der Schlussszene des Films vorkommen.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Prometheu…_Dunkle_Zeichen


    Im Film geht es um die Suche nach den außerirdischen Schöpfern, von den eigenen Schöpfungen: den Menschen.


    Quote

    Als Feuerbringer und Lehrmeister ist Prometheus der Urheber der menschlichen Zivilisation. Einer Variante des Mythos zufolge hat er als Demiurg die ersten Menschen aus Lehm gestaltet und mit Eigenschaften ausgestattet. Dabei kam es allerdings zu Fehlern, deren Folgen Unzulänglichkeiten sind, unter denen die Menschheit seither leidet. Für diese Mängel wird in der mythischen Überlieferung auch ein am Schöpfungswerk beteiligter Bruder des Prometheus, der unkluge „Nachherbedenker“ Epimetheus, verantwortlich gemacht. Großes Unheil verursacht Epimetheus, indem er sich gegen den Rat seines voraussichtigen Bruders auf die von Zeus entsandte Verführerin Pandora einlässt.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus


    Und in der Mythologie geht es ja auch u.a. um die Schöpfungen.

    Aber ich muß mich da noch genauer einlesen.

    Ja, das ist auch vollkommen in Ordnung, PeriergosMathitis. Ich will nur den zarten Hinweis geben, daß es ja hier darum geht, die Sicht von Luhmann zu verstehen, nicht die Sicht von Nauplios. Du hast jedes Recht, die Dinge anders zu sehen als Niklas Luhmann; das ist selbstverständlich. Aber ich greife die Frage mal aus der Luft, in der sie liegt: Bist Du gar nicht neugierig (auf die Sicht der Systemtheorie?) - Wie es sich für ein autopoietisches System gehört, gehe ich jetzt mal von meinem Bewußtsein aus: ich bin doch neugierig darauf, wie ein Soziologe wie Luhmann über Phänomene wie Bewußtsein, Gesellschaft, Kommunikation usw denkt, oder nicht? Und um das herauszufinden, bin ich doch bereit, "meine Sichtweise", die mein Alltagsverständnis, mein Alltagsrealismus, meine Alltagsintuition mir nahelegt, "einzuklammern", sie für einen Moment außer Kraft zu setzen, um den Denkweg einer Theorie abzuschreiten - oder nicht? Ich will doch wissen, was sich so ein Soziologe bei dem, was er schreibt, gedacht hat, oder nicht? Ich bin doch nicht von vornherein und in jedem Fall schlauer als ein anerkannter Soziologe (oder Philosoph) - oder doch? :)

    Daß andere Soziologen (und Philosophen) die Dinge anders sehen, ja sicher, das ist geschenkt. Aber auch diese anderen muß man erst mal verstehen. Und auch da bin ich doch neugierig. Was schreiben sie denn? Und auch da klammere ich erst mal mein Alltagsverständnis ein. Es gibt einen Ausnahmefall: es sei denn, ich bin allwissend. Zum Glück bin ich das nicht. Ich habe mir die Neugierde bewahrt - für sehr vieles, was mich noch interessiert, was ich nachvollziehen möchte. Das ist doch bei Dir bestimmt genauso. :)

    Doch interessant finde ich das ja schon. Diese Sicht kannte ich auch noch nicht.;)

    Das Gehirn gehört zur Umwelt des Bewußtseins.

    Sehe ich anders. Das Gehirn ist Sitz des Bewusstseins.

    "Der Mensch (...) ist kein System. (...) Bei solchen Annahmen würde übersehen, dass der Mensch das, was in ihm an physischen, chemischen, lebenden Prozessen abläuft, nicht einmal selbst beobachten kann. (...) Der Mensch ist nicht nur Leben, nicht nur Denken, er ist mehr - und dieses mehr schließt es aus, daß der Mensch ein System ist. Wir finden am Menschen eine Vielzahl von eigenständigen Systemen - etwa das organische System, das Immunsystem, das neurophysiologische System und das psychische System -, die vollkommen überschneidungsfrei operieren. In dieser Weise haben wir das menschliche Bewußtsein als ein geschlossenes, autopoietisches System begriffen, in dessen Umwelt sich das Gehirn und somit alle weiteren Systeme des Menschen befinden. Am Menschen gibt es somit unterschiedliche Prozesse, aber es gibt keine diese verschiedenartigen Systeme übergreifende autopoietische Einheit. Wenn im folgenden der Ausdruck Mensch dennoch hin und wieder Verwendung findet, so ist damit nicht ein System Mensch, sondern eine Vielzahl von unterschiedlichen Systemen am Menschen gemeint." (Niklas Luhmann; Soziale Systeme; S. 66)

    Dann bleibe ich lieber bei der biologischen Definition vom menschlichen Körper.

    Anderen wiederum wird sich die Gegenthese aufdrängen:

    Wir erkennen die Welt in ihrem An-sich-Sein, ohne daß wir dabei etwas konstruieren müssen.

    Wie geht’s danach weiter? - Vermutlich mit dem Erstellen einer Gegenthese.

    Die Systemtheorie schlägt den Weg des operativen Konstruktivismus vor. Das ist keine Gegenthese (weder zum Realismus noch zum Konstruktivismus. Eher eine Synthese. Aber es ist keine Synthese von etwas, was sich ausschließt, sondern von etwas, was sich einschließt. Denn der Gegensatz von System und Umwelt ist eine Unterscheidung für ein System. Er hat gar kein Sein an sich. Das System unterscheidet sich von seiner Umwelt. Es unterscheidet Selbstreferenz und Fremdreferenz. Aber: Es unterscheidet. Die System/Umwelt-Differenz kommt auf der Seite des Systems, also links von der Barre / vor. Um diese Unterscheidung vornehmen zu können, muß es etwas geben, das Nicht-System ist. Es muß etwas real geben, auch das System muß es real geben. Wer sollte sonst die Unterscheidung vornehmen? - Dabei kann es die Systemtheorie belassen. Sie muß nicht nach einem An-Sich forschen oder einem Für-Sich. Es reicht eine „Minimalontologie“ (Fuchs). Operativer Konstruktivismus heißt nicht: „Es gibt die Welt in ihrem ontologischen Sein erst dann, wenn sie von einem erkennenden Sein wachgeküßt wird.“ Operativer Konstruktivismus heißt nur, das System hat in seinem Operieren keinen Durchgriff auf seine Umwelt. Gedanken können nur an Gedanken anschließen. Gedanken können nicht einkaufen (Zauberer ausgeschlossen) Der Mensch kann einkaufen, aber der Mensch ist kein System. Kein Systemtheoretiker der Welt hat je bestritten, daß der Mensch einkaufen, ballspielen, küssen u.ä. kann, daß mit Dingen hantieren kann. Und er konstruiert sie auch nicht in einem Schöpfungsakt. Allein sein Bewußtsein (ein System) muß sich vom Ball unterscheiden können. Weil es operativ geschlossen ist, kann es das. Das macht es überhaupt erst möglich, daß es erkenntnismäßig offen ist. Oder gibt es jemanden, dem beim Lesen dieses Beitrags ständig ein Ball durch sein Bewußtsein rollt? Das Bewußtsein ist ein operativ, in seinem Gedanken-Haben geschlossenes System. Aber das heißt gerade nicht, daß es autistisch verrammelt ist und die Realität verleugnet.

    Einseits schreibst du das der Mensch kein System ist. Dann dass das Bewusstsein ein System ist. Aber das Bewusstsein gehört doch zum Menschen?!?:/

    Biologisch gesehen ist der gesamte Organismus Mensch ein System. Und zwar ein geschlossenes!

    Da drängt sich mir geradezu die Gegenthese auf:
    Wäre die Welt real (so wie sie an sich ist) gegeben, dann müsste man sie nicht konstruieren. ;)

    Die Welt ist doch so wie sie ist. Und wir haben uns an sie angepasst und benötigen Konstruktionen, um in ihr klarzukommen. Da sie sehr komplex und ungeordnet ist.

    Ohne Konstruktionen funktioniert dass, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, mit der Erkenntnistheorie von Esfeld. Oder hatte ich da etwas falsch verstanden?