In dem obigen Video mit Fritz B. Simon heißt es an einer Stelle: „Psyche entsteht aus der Interaktion von biologischen und sozialen Systemen“ (36:25). Schau ´Dir das Interview mal an, Matthias, sehr interessant.
Habe es mir angeschaut. Ja, in dem Video geht es vor allem um Menschen, die Simon gekannt hat. Ich finde es interessant, dass er über diese Menschen sprechen kann. So wie er, könnte ich über keinen Menschen reden, den ich in meinem Leben kennengelernt habe. Schon allein deshalb, weil ich alles immer gleich wieder vergesse. Selbst Gesichter und Namen kann ich oft nur schlecht erinnern.
Ich sehe es so, dass ein Psychiater oder Psychologe die Psyche des Patienten analysieren sollte. Und dann dem Patienten helfen, dass, was kaputt ist, zu reparieren. Vergessenes und Verdrängtes zu erinnern auch, wenn es wichtig ist für die Reparatur. Also das Gespräch zu zweit ist hier zentral. Dann stellt sich die Frage, ob man durch ein Gespräch jemanden heilen kann oder nicht. Ist reden genug, um Menschen zu helfen oder zu heilen? Es gibt ja auch noch Medikamente. Aber kann ein Gespräch etwas nützen? Ich denke, ob ein Patient wieder gesund wird, hängt stark davon ob, wie stark der Glaube des Psychiaters daran ist, ob man jemanden mit Reden heilen kann, also durch das Gespräch. Wenn man nicht daran glaubt, sollte man wohl nicht ein Psychiater werden.
Was ich mich weiter frage, wieviel es nützt, wenn jemand viel studiert hat, wenn es darum geht, Patienten zu helfen. Das A und O ist, ob Psychiater und Patient sich verstehen, also auf der gleichen Wellenlänge sind. Wenn das nicht so ist, dann wird auch ein Gespräch nicht viel nützen, denke ich. Auch ein Studium kann das Zwischenmenschliche nicht ersetzen.