Ich habe mir jetzt Zeit gelassen, das einmal breiter zu betrachten und in eine Dir hoffentlich verständliche Weise (dafür habe ich wieder KI eingesetzt) auszuformulieren. Auffällig war, dass angefangen von Luhmann selbst, über Maed, Goffmann und Waldenfels, irgenwie immer das "Fehlende" versucht wurde. Was bei Mead emergiert, bei Goffman situativ ordnet und bei Waldenfels antwortlich geschieht, wird bei Luhmann systemisch fixiert - wir interessieren uns hier aber für das, was vor dieser Fixierung wirksam ist.
Alles, was gebraucht wird ist dadurch bereits da:
- Vollzug ohne Bestand → ist geklärt - gesellschaftlicher Vollzugszustand (Mead)
- Wirksamkeit ohne Ontologie → ist geklärt - situative Resonanzordnung (Goffmann)
- Adressierbarkeit ohne Systemträger → ist geklärt - antwortfähige Sozialität (Waldenfels)
- Leibliche Situiertheit ohne Anthropologie → ist geklärt - leiblich situierter Ordnungsmodus (Wir)
Diese Dinge lassen sich betrachten als begriffliche Architektur zur Beschreibung wirksamer sozialer Vollzüge, ohne sie in Systeme, Träger oder Bestände zu überführen.
Die folgenden Überlegungen gehen deshalb nicht von der Annahme aus, dass "Gesellschaft" ein Gegenstand, ein System oder ein Bestand von Elementen ist. Der Gesellschaftsbegriff wird hier nicht ontologisch, sondern vollzugsbezogen verwendet.
Gesellschaft bezeichnet in diesem Sinne keinen Träger sozialer Realität, sondern einen leiblich situierten Vollzugszustand, der sich nur im Geschehen aktualisiert. Menschen, Körper, Bewusstsein und Kommunikation werden dabei nicht als Bestandteile der Gesellschaft verstanden, sondern als Träger- und Realisationsformen, durch die gesellschaftliche Ordnung jeweils wirksam wird.
Die hier gemeinten Vollzüge sind real, insofern sie Unterschiede machen, Erwartungen stabilisieren und Anschluss ermöglichen. Ihre Realität beruht jedoch nicht auf Bestand oder Dauerhaftigkeit, sondern auf Wirksamkeit im Vollzug. Gesellschaft existiert daher nur, solange sie geschieht; sie hat keine eigenständige Existenz jenseits ihrer Aktualisierungen.
Diese Perspektive verzichtet bewusst auf eine Ontologie sozialer Einheiten oder Systeme. Sie versteht sich nicht als alternative Substanztheorie der Gesellschaft, sondern als begrifflicher Rahmen, der es erlaubt, soziale Ordnung als wirksames, aber nicht verdinglichbares Geschehen zu beschreiben.
Die hier gemeinte Stabilität ist keine Systemreproduktion, sondern eine praktische Verlässlichkeit wiederholbarer Vollzüge – sie erzeugt Dauer, aber kein eigenständiges soziales Sein.
Wir erklären, wie Gesellschaften dauern können, ohne annehmen zu müssen, dass es etwas gibt, das dauert. Wenn es sonst heißt: Wiederholung reproduziert das System, würde es nun heißen: Wiederholung reproduziert nichts, sie macht nur erneuten Vollzug wahrscheinlicher (nichts erhält sich,
aber manches passiert wieder).
Wie sieht diese Betrachtung am Beispiel Geld aus:
Die Frage: Wenn Gesellschaft kein Bestand ist, wie kann dann z.B. Geld beständig sein?
Geld als Vollzugsform
In dieser Perspektive gilt: Geld existiert nur, wenn bezahlt wird.
Nicht metaphorisch, sondern strikt (Eine Überweisung, ein Bezahlen an der Kasse, ein Preis akzeptieren, ein Lohn erhalten, eine Schuld anerkennen). Jeder dieser Akte ist zeitlich punktuell, vergeht im Moment seines Geschehens und hat keinen Bestand - Das Geld "ist" nicht dazwischen.
Woher kommt dann die Beständigkeit?
Die Beständigkeit des Geldes entsteht nicht, weil es etwas gibt, sondern weil bestimmte Vollzüge verlässlich wiederkehren.
Das geschieht durch vier Stabilisierungsmechanismen:
(1) Erwartungsstabilität
Alle Beteiligten erwarten, das Geld angenommen wird, das Preise gelten und das Zahlungen anschlussfähig sind. Diese Erwartungen existieren nicht als Dinge, sondern als praktische Vorannahmen im Handeln.
(2) Materielle und technische Stützen
Dinge wie Münzen, Scheine, Konten, Buchungssysteme und digitale Infrastrukturen - speichern nicht das Geld, sondern entlasten den Vollzug und machen Wiederholung einfacher, schneller, wahrscheinlicher - Sie stabilisieren Vollzug, ohne selbst "Geld zu sein".
(3) Sanktionierbarkeit
Wie Nichtzahlung, Falschgeld, Zahlungsverweigerung - führt zu Ausschluss, Strafe und Vertrauensverlust - Sanktionen stabilisieren Erwartung ohne Trägerontologie.
(4) Leibliche Routine
Wenn wir Zahlen ohne Nachdenken, Preise intuitiv vergleichen und Vertrauen in Displays, Zahlen, Karten haben, dann haben wir das Geld verkörpert gelernt, nicht ontologisch verankert.
(5) Position:
Es reproduziert sich nichts, es gibt keinen Geld-Träger, es gibt keine operative Einheit "Geld"
Was es gibt: eine hoch stabile Praxis des Bezahlens
Oder noch klarer: Geld dauert nicht, weil es ist, sondern weil es immer wieder verlässlich funktioniert.
6. Der entscheidende Test: Zusammenbruch
Man sieht den Unterschied besonders gut im Krisenfall bei Inflation, Währungsreform, Vertrauensverlust und Zahlungsunterbrechung.
Was verschwindet dann?
Nicht:
- ein Ding
- ein System
- ein Bestand
Sondern:
- die Bereitschaft, Geldvollzüge fortzusetzen
Mit dem Abbruch der Praxis verschwindet das Geld sofort.
Gebündelt in einem Satz:
Geld ist kein Bestand der Gesellschaft, sondern eine beständige Praxis des Bezahlens, deren Dauer allein aus der stabilen Wiederholbarkeit leiblich und technisch gestützter Vollzüge entsteht.
... und so wie Geld, können Gesellschaften beständig sein ohne Bestand zu haben: durch stabile Wiederholbarkeit von Vollzügen, nicht durch das Fortbestehen eines Etwas.
So hoffe ich nun, dass die sprachlichen Mühen geholfen haben, über viele Ebenen Verständnis zu schaffen um viel "Miß" bereits überwunden zu haben.