Tunnel-Schwingungs-Modell (TSM) als „Tunnel“
= Naturalisierung des Verstehens?
Dieses TSM-Modell versucht Kommunikation und Verständnis aber als etwas Materielles/Physikalisches zu interpretieren und geht damit mE am Phänomen vorbei, da Verstehen doch letztlich ein geistiges Phänomen ist.
Wenden wir uns doch mal den Phänomenen zu, wo es gewissermaßen ein "ideales" Verstehen gibt:
Ein solches ideales Verstehen ist immer dann gegeben, wenn alle am Verstehensprozess beteiligten Elemente klar definiert sind, wenn also die Kommunikation nach strengen REGELN performiert wird, wie zB in der Logik, Mathematik, im Spiel, im Verkehr usw.
Diese Regeln werden nun ihrerseits nicht via Kommunikation übermittelt (die wiederum Regeln bedarf usw ad infinitum), sondern müssen individuell erzeugt und nachvollzogen (re-konstruiert) werden können. Natürlich werden die Regeln in gewisser Weise auch "vermittelt" (zB wenn man Mathe oder ein Spiel lernt), aber die Regeln selbst können nicht übermittelt werden, sondern müssen begriffen, dh vom Individuum rekonstruiert werden und falls das nicht möglich ist, nützen auch noch so intensive Vermittlungsversuche der Regeln nicht: die Kommunikation muss dann scheitern, weil die individuelle Performanz der Regeln für die (Re-)Konstruktion der Sachverhalte nicht gelingt.
Mit dem o.a. Konzept erübrigen sich auch alle Kommunikationsmodelle, welche versuchen die Kommunikation zwischen den separierten Kommunikanten ("fensterlose Monaden" der Kommunikation) mit einer gemeinsamen Partizipation an/in einem "mystischen" gemeinsamen Medium/Einheit (ein "ozeanisches" Medium oder "TSM" oder bei Leibniz "Gott") zu erklären.
Das obige Modell kennt (vorläufig) nur zwei Bedingungen:
1. Sachverhalte werden konstruiert (dh sind nicht schon an sich vorhanden);
2. die Kommunikanten verfügen über gemeinsame Regeln zur Konstruktion dieser Sachverhalte.
Insofern und insoweit 1) und 2) gegeben sind, ist auch Kommunikation möglich.
Bei empirischer Erkenntnis tritt noch eine dritte Bedingung hinzu:
3. eine Datenmannigfaltigkeit als Gegenstand der Konstruktion