Im Elfenbeinturm

  • τοιαῦτα καὶ τοσαῦτα παρέσχοντο ἀφομοιωθέντα ἐντὸς ἔξω τε ἐγερθεῖσιν ἀπομνημονευόμενα φαντάσματα. (Plat.; Tim. 46a)

    Im Timaios geht's um's Ganze, um die Erschaffung der Welt, des Menschen, seine Glieder, Sinne und ähnliche "Werkzeuge". Besondere Bedeutung kommt dabei den Augen zu und dem Sehen. Die Sehkraft trifft dabei von innen auf das, was von außen einströmt. Entscheidend ist hier das Element des Feuers, das Helle erzeugt. Doch was geschieht damit in der Nacht? - Das Feuer erlischt und die inneren Bewegungen erzeugen "Bilder im Innern, die dem Erwachten als außen im Gedächtnis bleiben".

    Die φαντάσματα bringt Platon dann mit der "Bildererzeugung" in den Spiegeln (εἰδωλοποιίαν) in Zusammenhang: "Nun ist es auch nicht mehr schwer, alles das zu begreifen, was auf die Bildererzeugung in den Spiegeln und allem Glatten und Glänzenden sich bezieht; denn aus der gegenseitigen Vereinigung des inneren und äußeren Feuers und indem ferner beides stets an der glatten Fläche zu einem und vielfach gebrochen wird, erfolgen notwendig diese Erscheinungen (ἀνάγκης ἐμφαίνεται), da das vom Gegenstande ausgehende Feuer mit dem des Sehstrahls an der Fläche des Glänzenden und Glatten sich vermischt." (Tim. 46a/b)

    Vielleicht ist dies eine der frühesten Stellen, in denen das Träumen eine Verbindung eingeht mit dem Spiegelphänomen - der Traum in seiner Funktion als Spiegel (der Seele), der in archaischer Zeit vor allem eine Botschaft der Götter war und Divination ermöglichte und Deutung verlangte.

  • ich denke in bildern. ich schaffe es nichtmal mit all meiner vorstellungskraft, irgendwo einen spiegel zu sehen! und ich kann mir wirklich alles einbilden =)!

    das is so interessant für mich, weil es so viel gerede davon gibt!

    spiegelungen der körpersprache, an einer komode, ein stiller see u.s.w..okee...

    wieviel unterschied würde sich auftun, wenn man stattdessen das wort "synchronität" wählen tät!? "spiegel" , klingt für mich nach "mindfugg"

    "side quests only"

    Edited once, last by dingsn (August 22, 2025 at 4:43 PM).

  • Wenn man hoch oben im Elfenbeinturm eine schöne Aussicht hat, dann geht man doch gerne hinein. Ich muss diesen Timaios erst mal lesen oder wenigstens ein Teil davon. Das Spiegelbild ist ja ein wenig speziell. Es vertauscht nichts. Wenn ich die linke Hand hebe, dann hebt sich auch die linke Hand im Spiegel. Oben bleibt oben und unten bleibt unten. Die Füsse sind nicht plötzlich oben. Aber. Wenn ich mich nach hinten bewege, bewegt sich auch das Bild nach hinten. Da macht das Bild nicht mehr mit, wenn man so will.

    Ist das Leben ein Traum oder ein Spiegel? Nun, mit dem Spiegel könnte ich etwas anfangen. Träume hat man im Schlaf, sie sind nicht real. Ich sage nicht unwichtig. Aber wenn ich wach und lebendig bin, nein, dann träume ich nicht. Aber das Leben als Spiegel ist eine interessante Idee. Oder auch als Echo. Oder die Psyche als Spiegel des Bewusstseins. Oder so ähnlich.

    Auch Aristoteles hat gesagt, dass das Sehen von allen Sinnen der wichtigste sei. Stimmt doch?

    Jeder Mensch ändert sich.

  • Du denkst in Bildern. Aber was ist die Äußerungs- oder Darstellungsform dieser Bilder? - Man kann sich in Bildern mitteilen, aber das bevorzugte Medium des Mitteilens ist ja die Sprache. Und das ist insofern ein interessanter Punkt, weil die Sprache die Fülle des in Bildern Gedachten womöglich gar nicht darstellen kann. Ein Bild ist eine Totalität, ein Ganzes, das sich natürlich im Nachhinein mit den Augen „abtasten“ läßt. „Synchronizität“ von Bild und Anschauung ergibt sich indes vorab im Nu, plötzlich, in dem Moment, in dem der „Sehstrahl“ das Bild trifft. - Das ist ein Geschehen auf der Innenseite und wenn ich es recht erinnere, spielt nicht nur Synchronizität, sondern auch Synästhesie eine Rolle.

    Die Sprache ist linear, ein Nacheinander von Zeichen, das mit Zeitunterschieden verbunden ist, asynchron verläuft. Bis man ein „stimmiges Bild“ von einem Text hat, können Tage vergehen (beim Roman etwa). Der „Sehstrahl“ trifft hier immer nur auf Fragmente. In der Musik ist das ähnlich, sie (ver)braucht Zeit. Wie ist das denn, wenn Du Musik hörst, dingsn? Entstehen beim Hören vor dem inneren Auge dann auch Bilder? Und sind sie beim zweiten und dritten Hören mit denen des ersten Hörens identisch?

  • Wenn man hoch oben im Elfenbeinturm eine schöne Aussicht hat, dann geht man doch gerne hinein. Ich muss diesen Timaios erst mal lesen oder wenigstens ein Teil davon. Das Spiegelbild ist ja ein wenig speziell. Es vertauscht nichts. Wenn ich die linke Hand hebe, dann hebt sich auch die linke Hand im Spiegel. Oben bleibt oben und unten bleibt unten. Die Füsse sind nicht plötzlich oben. Aber. Wenn ich mich nach hinten bewege, bewegt sich auch das Bild nach hinten. Da macht das Bild nicht mehr mit, wenn man so will.

    Ist das Leben ein Traum oder ein Spiegel? Nun, mit dem Spiegel könnte ich etwas anfangen. Träume hat man im Schlaf, sie sind nicht real. Ich sage nicht unwichtig. Aber wenn ich wach und lebendig bin, nein, dann träume ich nicht. Aber das Leben als Spiegel ist eine interessante Idee. Oder auch als Echo. Oder die Psyche als Spiegel des Bewusstseins. Oder so ähnlich.

    Auch Aristoteles hat gesagt, dass das Sehen von allen Sinnen der wichtigste sei. Stimmt doch?

    Träume hat man im Schlaf. Aber ist nicht auch der Schlaf etwas, das wirklich stattfindet? Erwacht man, hat man geträumt und nicht geträumt, daß man geträumt hat (es sei denn, weiteres Erwachen folgt dem Erwachen, so wie in Deiner vierfachen Verschachtelung kürzlich. ;) Diese Differenz von Traum und Wirklichkeit und ihr mögliches Reentry in die Differenz hat schon Homer beschäftigt:

    Die Verstellung des Odysseus, den Penelope nicht erkennt, bringt diesen in die Verlegenheit, ihr einen Traum zu deuten, in dem er selbst wiederum verstellt als Adler vorkommt, der die Gänse der träumenden Penelope getötet hat. Dem Wehklagen der (träumenden) Penelope entgegnet der Adler: "Kein Traum ist dieses, sondern richtige Wahrheit, die dir vollendet werden wird." Die Traumexplikation des Adlers endet mit seiner Selbstdecouvrierung als Gatte der Penelope, welche diese wohlgemerkt nur träumt. Die Wahrheit ist also verkapselt als geträumte, gleichwohl "richtige Wahrheit". (vgl. Odyssee, 19, 535)

  • Nun, mit dem Spiegel könnte ich etwas anfangen. Träume hat man im Schlaf, sie sind nicht real. Ich sage nicht unwichtig.

    Wenn etwas nicht real ist, ist es unwichtig, so lässt mich die Mär vom Sensennmann kalt. Wenn etwas wichtig ist, muss es einen physikalischen Einfluss auf die Welt haben, muss real sein. Träume, bzw. Ideen, sind in ihrer reinen Form durch ihrer neuronalen Herkunft her reale Produkte, mit realen physiologischen Effekten. Es sind ihre Inhalte, die nicht real sein müssen, das heißt nicht die physikalische Welt korrekt widerspiegeln.

    Edited once, last by Sokrit (August 27, 2025 at 12:34 AM).

  • Ich bin ganz bei Platons Sehstrahl, wenn mich Blicke liebkosen oder töten ;)

    Zuständig für´s Blick-Töten ist Medusa und auch hier ist der Spiegel die Lösung. Perseus kehrt den tödlichen Blick der Medusa mithilfe seines glänzenden Schildes um und sieht nur ihr nicht-tödliches Spiegelbild. Nach Narziss ist Medusa schon die zweite mythische Figur, der ihr Spiegelbild zum Verhängnis wird.

  • Wie ist das denn, wenn Du Musik hörst, dingsn? Entstehen beim Hören vor dem inneren Auge dann auch Bilder? Und sind sie beim zweiten und dritten Hören mit denen des ersten Hörens identisch?

    es gibt wohl unterschiede. (beim tanzn, höre ich weniger, sondern fühle eher. z.b)

    meine cousine hatte klavierunterricht, ich nicht. aber ich hab ihr zugeguckt, wann ich konnte. dieses stück von bach, magdalena...ich hab mir die choreographie der zwei hände eingeprägt und es dann nachgespielt. demnach musste ich nach den tönen schon ausschau halten, beim danebengreifen, sonst wäre es ein "anderes" lied geworden.

    ja, ich sehe was höre.

    Ein Bild ist eine Totalität, ein Ganzes, das sich natürlich im Nachhinein mit den Augen „abtasten“ läßt.

    in der regel wohl ja.

    aber beim denken, gibt es kein fertiges bild. kein einziges. (edit, da sind die fragmente)

    p.s, ich wollt auch gar nich das thema chraschn oder so, mit meinem "urteil" aber, ich hab wirklich darüber sehr viel mitgelesen schon..und bilde mir ein, dieses kind beim namen nennen zu müssn;)..und es heißt halt mindf..für mich.

    "side quests only"

    Edited 7 times, last by dingsn (August 22, 2025 at 6:21 PM).

  • Zuständig für´s Blick-Töten ist Medusa und auch hier ist der Spiegel die Lösung. Perseus kehrt den tödlichen Blick der Medusa mithilfe seines glänzenden Schildes um und sieht nur ihr nicht-tödliches Spiegelbild. Nach Narziss ist Medusa schon die zweite mythische Figur, der ihr Spiegelbild zum Verhängnis wird.

    Du lebst gefährlich, wenn Dich Deine Zwei gleichzeitig mit Blicken töten. So wie ich Dich einschätze, hebst Du Dein aufgeschlagenes Buch vor's Gesicht. Das wirkt dann wie zwei glänzende Schilde ;)

  • Wenn etwas nicht real ist, ist es unwichtig, so lässt mich die Mär vom Sensennmann kalt. Wenn etwas wichtig ist, muss es einen physikalischen Einfluss auf die Welt haben, muss real sein. Träume, bzw. Ideen, sind in ihrer reinen Form durch ihre neuronalen Herkunft her reale Produkte, mit realen physiologischen Effekten. Es sind ihre Inhalte, die nicht real sein müssen, das heißt nicht die physikalischen Welt korrekt widerspiegeln.

    Das „Wieder-spiegeln“ der physikalischen Welt - das ist eine interessante Vorstellung, bei der man ja auf der einen Seite ein Innen hat und auf der anderen Seite ein Außen, das sich im Innen spiegelt. Rorty hat sich in Der Spiegel der Natur damit und mit der Problematik der Repräsentation befaßt. Aber was ist die „physikalische Welt“? Die „Mär vom Sensenmann“ gehört nicht dazu, oder? - Ihre Bedeutung auch nicht? :/

  • meine cousine hatte klavierunterricht, ich nicht. aber ich hab ihr zugeguckt, wann ich konnte. dieses stück von bach, magdalena...ich hab mir die choreographie der zwei hände eingeprägt und es dann nachgespielt. demnach musste ich nach den tönen schon ausschau halten, beim danebengreifen, sonst wäre es ein "anderes" lied geworden.

    ja, ich sehe was, wenn ich etwas höre.

    in der regel wohl ja.

    aber beim denken, gibt es kein fertiges bild. kein einziges. (edit, da sind die fragmente)

    p.s, ich wollt auch gar nich das thema chraschn oder so, mit meinem "urteil" aber, ich hab wirklich darüber sehr viel mitgelesen schon..und bilde mir ein, dieses kind beim namen nennen zu müssn;)..und es heißt halt mindf..für mich.

    Vermutlich meinst Du das Menuett in G-Dur ( Meisterspielt es sicher gern für Dich) :).

    Bleib´ bei uns, dingsn, Du chrascht nichts.

  • für Dich

    "für elise!" standart, so wie der floh und schneewalzer(etc.) es ist immer ein klavier in der nähe. jetzt sogar nebenan. ich frag das immermal ab, ob ichs noch kann. manchmal lache ich mich kaputt, weils so scheisse is =).

    edit, und ich muss natürlich immer wieder von vorne anfang!=)))

    "side quests only"

  • "für elise!" standart, so wie der floh und schneewalzer(etc.) es ist immer ein klavier in der nähe. jetzt sogar nebenan. ich frag das immermal ab, ob ichs noch kann. manchmal lache ich mich kaputt, weils so scheisse is =).

    edit, und ich muss natürlich immer wieder von vorne anfang!=)))

    Ah, Beethoven, ja, das ist auch heute immer noch der Renner bei meinen Schüler*innen. Die meisten begnügen sich mit dem ersten Teil (und manchmal nur mit der rechten Hand des ersten Teils und manchmal nur mit dem zweiten Finger der rechten Hand des ersten Teils). ;)

    Es gibt auch Kinder, die bringen in der dritten Stunde Kompositionen mit. Ich unterrichte einen 10-Jährigen, der mir vor den Ferien die Partitur seiner ersten Oper zeigte. Drei Akte. Länge: 40 Sekunden. Titel: Im Hof. Ich glaube, es handelt sich um die unglückliche Liebe zu einem Mädel aus der Nachbarschaft. Und die Oper drückt nicht nur den ganzen Schmerz des Komponisten aus, sie enthält - kein Scherz - auch eine Widmung, die wohl das Ziel der Erwiderung seiner zarten Neigung hat. Ob das Geschehen noch eine glückliche Wendung genommen hat, erfahre ich nach den Ferien. Ein vierter Akt könnte dann fällig werden. <3

  • Aber was ist die „physikalische Welt“? Die „Mär vom Sensenmann“ gehört nicht dazu, oder? - Ihre Bedeutung auch nicht? :/

    Die physikalische Welt ist die Welt außerhalb der eigenen Gedanken, der stofflichen Dinge (Materie, Energie, etc.). Die Mär ist eine vom Verstand formulierte und vom Körper artikulierte Idee, welche zwar in der kulturellen Praxis ihre bedingte, uneigenständige Existent/Bedeutsamkeit hat, jedoch nicht in Fleisch und Blut.

  • Es gibt auch Kinder, die bringen in der dritten Stunde Kompositionen mit. Ich unterrichte einen 10-Jährigen,

    mit zehn hab ich tenorhorn geblasen, im schulorchester.

    Ob das Geschehen noch eine glückliche Wendung genommen hat, erfahre ich nach den Ferien. Ein vierter Akt könnte dann fällig werden.

    machen wir uns nix vor, der vierte akt schreibt sich mit gebrochenem herzn, bestimmt auch nich schlecht!🤭🤫

    "side quests only"

  • Vermutlich meinst Du das Menuett in G-Dur ( Meisterspielt es sicher gern für Dich) :).

    Bleib´ bei uns, dingsn, Du chrascht nichts.

    Könnt’ was drüber improvisieren ;) Ich bin Autodidakt auf dem Piano. Hab’ als Kind was Schönes im Radio gehört und auf Mamas Bontempi nachgespielt. Im Prinzip wie Elton John, nur weit nich‘ so genial wie er:

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    Und hier noch mal der echte Elton John in concert ;)

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    Edited once, last by Meister (August 22, 2025 at 8:52 PM).

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