Fuchs, Papst und Milz - eine Art Gesellschaftsspiel

  • „Ich weiß nicht genau, wie es zu diesem Buch gekommen ist. Ich lernte Peter Fuchs bei Gelegenheit eines Interviews kennen, das ich mit ihm durchführen wollte, aber nicht eigentlich durchgeführt habe, obwohl es stattgefunden hat.“ (Markus Heidingsfelder)

    Umso weniger muß ich wissen, wie es zu diesem Thread gekommen ist. Die Motive liegen im Dunklen. Dort können sie verbleiben, weil letztlich nicht ich etwas durchführen will, sondern etwas findet statt. „Seinesgleichen geschieht.“ (Musil) Essayismus als Programm. Eine Art Gesellschaftsspiel ist dieses Seinesgleichen insofern, weil das Material selbst keine Führung hat. Das Interview, das Markus Heidingsfelder erwähnt, ist in Wirklichkeit ein Gespräch, das in Sprüngen verläuft, Brüche und Umwege hat, ein Labyrinth, in das man nicht hineingeht, sondern in dem man sich befindet, bevor man von ihm weiß; genau genommen weiß man nicht einmal das.

    Das Gehirn ist genauso doof wie die Milz“ - ist der Titel des „Interviews“, das Markus Heidingsfelder mit Peter Fuchs geführt hat. Ein weiteres kleines Büchlein beinhaltet ein Gespräch zwischen Peter Fuchs und dem Papst - einem Papst, denn dieser Papst ist eine Illusion. Es gibt ihn nicht, es sei denn als Fiktion. Glattes Parkett. Dennoch: Eine fabelhaft unaufgeregte Unterhaltung.

    Aus diesen beiden Unterhaltungen werde ich - manchmal kommentiert, manchmal nicht - Aufgeschnapptes in den Thread einspeisen. Eine irgendwie geartete Systematik ist dabei nicht zu erwarten, Zusammenhangloses ist erwünscht, Risiken und Nebenwirkungen muß jeder selber mitbringen. Kurzum: es ist wie immer. :S

  • Peter Fuchs: „Die letzte Seinslehre, die mir tatsächlich Spaß gemacht hat und übrigens noch macht, ist die Heideggers. (…) Ich denke jedenfalls, daß der Anti-Seins-Affekt der Systemtheorie eher darin begründet ist, daß so viele Leute in Auseinandersetzungen Kontingenzen blockieren, indem sie das Sein von etwas statuieren. Das ist so, weil es so ist. Roma locuta. Für mich ist das ein Denken in statu obstipationis, im Zustand der Verstopfung. Man könnte auch von Eleganzvermeidung sprechen, und da kommt allerdings wieder ein Moment des Ästhetischen ins Spiel.“ (Das Gehirn ist genauso doof wie die Milz; S. 11

  • Peter Fuchs: „… für mich ist ohnehin alles Denken, das wirklich interessant ist, eine Seriation von Verfehlungen, sozusagen schlagenden Verfehlungen. (…) Ich würde lieber sagen, daß ich einfach so rumdenke.“ (S. 11/13)

    Einfach so rumdenken, Umwege in Kauf nehmen, ohne auf ein Ziel hin zu denken, sich treiben lassen … Walter Benjamin hat ja im Anschluß an Baudelaire die Figur des Flaneurs ausgearbeitet als „die zentrale Figur der Moderne“. Es ist erstaunlich, daß die Bedeutung dieser (Denk-)Figur eher in literarischen als in philosophischen Kreisen anerkannt wird. Einfach so rumdenken - wie: ich geh´mal um den Block. περί τι εἶναι bedeutet im Altgriechischen „sich um etwas (herum) sorgen, um etwas (herum) bemüht sein. In der Schatzkammer des Alteuropäischen liegt so viel - herum.

  • Ha, wer sagt dir, dass die Katze spielt oder es als Spiel versteht oder gar spielen möchte?
    Vielleicht sieht sie es ja auch als Qual an, ihr Leckerchen in einem „Spielzeug“ versteckt zu sehen? es zu riechen und doch nicht dran zu kommen?!
    Also, wovon reden wir hier? Qual, Folter oder Spiel? Beantworten könnte dies nur die Katze…
    😉

  • Naja, ich sehe wahrscheinlich genauso nur das, was sehen möchte. Man könnte meinen, dass der Hund, wenn er ein Spielzeug anschleppt, proaktiv versteht sich, wirklich spielen möchte. Wobei man sich jetzt auch fragen müsste, ob der Hund dies auch als Spiel versteht, oder einfach nur Beute machen will, also seinem Instinkt folgen will. Wir Menscheninterpretieren da etwas hinein ,von dem ich nicht immer so ganz überzeugt bin, dass das auch wirklich in der Intention des Tieres liegt.

    Wir handeln in guter Absicht, das steht außer Frage. 😉

  • Ha, wer sagt dir, dass die Katze spielt oder es als Spiel versteht oder gar spielen möchte?
    Vielleicht sieht sie es ja auch als Qual an, ihr Leckerchen in einem „Spielzeug“ versteckt zu sehen? es zu riechen und doch nicht dran zu kommen?!

    😉

    Zieht man die Frage ein wenig ins Grundsätzliche, könnte sie die Form annehmen: kennt ein Tier das Begehren? - Als Katzenbeobachter würde ich sagen: ja. Aber das „Begehren“ ist psychoanalytisch aufgeladen, da kenne ich mich nicht gut aus. Mit Jenny hatte ich kürzlich Kontakt und wir kamen auf Lacan zu sprechen. Da wird uns das „Begehren“ wieder begegnen. :)

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    Murphy hat ein neues Spielzeug. Aber man sieht schon an seinem fragenden Blick, daß er das Spiel noch nicht verstanden hat. In seiner Welt ist es ein Hindernis, das es erschwert, an das Leckerli heranzukommen. In seiner Welt: was bedeutet das? :/

    Also Begeisterung sieht anders aus. “Et sind halt Menschen, Murphy, wat willst’ de machen” ;)

  • Naja, ich sehe wahrscheinlich genauso nur das, was sehen möchte. Man könnte meinen, dass der Hund, wenn er ein Spielzeug anschleppt, proaktiv versteht sich, wirklich spielen möchte. Wobei man sich jetzt auch fragen müsste, ob der Hund dies auch als Spiel versteht, oder einfach nur Beute machen will, also seinem Instinkt folgen will. Wir Menscheninterpretieren da etwas hinein ,von dem ich nicht immer so ganz überzeugt bin, dass das auch wirklich in der Intention des Tieres liegt.

    Wir handeln in guter Absicht, das steht außer Frage. 😉

    Ja, das Hinein-Interpretieren ist im Grunde die einzige Möglichkeit des Verstehens. Nimmt man anstatt des Hundes einen Menschen, läßt sich über Sprache kommunizieren, was ja das Verstehen nicht interpretationsfrei macht. Man kann das gerade im Fall des Spielens gut beobachten. Gesten, die „spielerisch“ gemeint sind, werden mißverstanden u.ä. Auffallend ist das bei Verliebten, von denen man (vielleicht zu unrecht) annimmt, sie würden sich am besten verstehen. Hier steht immer besonders viel auf dem Spiel. Eigentlich alles. :)

  • Also Begeisterung sieht anders aus. “Et sind halt Menschen, Murphy, wat willst’ de machen” ;)

    Die Frage ist aus der Luft gegriffen, in der sie liegt: Gesetzt den Fall, ein Gott (egal welcher) würde Euch nach dem Tod das Angebot machen, noch einmal auf die Erde zurückzukehren, aber mit der Einschränkung „Nicht als Mensch“: welches Tier wäre Euer Favorit?

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