"Ich fragte eine Blume, einen Vogel und einen Menschen, was die Liebe sei, und die Blume blühte, der Vogel sang und der Mensch weinte." (Margarete Stege)
Hinc illae lacrimae (Terenz)
Sind Tränen ein Kommunikationsmittel? - Zumindest signalisieren sie etwas, aber dieses Etwas bleibt für die Kommunikation unzugänglich - so wie auch das Blühen der Blume, der Gesang des Vogels zwar wahrgenommen werden können, aber auf immer mit einem Geheimnis verbunden bleiben. Der Satz von Margarete Stege greift zum Ausdrucksmittel der Poesie, er gibt "Winke" auf dieses Geheimnis. Er zeigt auf Invisibles, das sich zeigt. In der Kunstgeschichte läuft dies unter dem Titel der Anamorphose, wofür beispielhaft das Bild Die Gesandten (1533) von Hans Holbein d.J. steht:
Zunächst für den Beobachter nicht erkennbar befindet sich auf dem Fußboden ein undefinierbares Objekt, das sich erst durch Änderung der Beobachterposition als Totenschädel erweist. Das Erkennen setzt die Mobilität des Betrachters voraus oder systemtheoretisch das crossing der einen Seite einer Unterscheidung.
"Woher weiß das Bewußtsein, daß es ein Bewußtsein ist? - Es ist ihm gesagt worden." (Peter Fuchs) Von wem?