„Nichts hat so viel zur intellektuellen Beweglichkeit des Österreichers beigetragen, als dass er im Kaffeehaus sich über alle Vorgänge der Welt umfassend orientieren und sie zugleich im freundschaftlichen Kreise diskutieren konnte. Täglich saßen wir stundenlang, und nichts entging uns. Denn wir verfolgten dank der Kollektivität unserer Interessen den orbis pictus der künstlerischen Geschehnisse nicht mit zwei, sondern mit zwanzig und vierzig Augen.“ (Stefan Zweig; Die Welt von gestern)
Was der intellektuellen Beweglichkeit des Österreichers von Nutzen war, hat um die Jahrhundertwende auch in anderen Ländern Europas zur geistigen Mobilität beigetragen. In dieser Welt von gestern entstanden im Kaffeehaus Erzählungen, Romane, Essays, Feuilletons, Aphorismen und andere „Extrakte des Lebens“ (Peter Altenberg). Überhaupt, die Welt von gestern; eine jener Welten, die wir heute wiederum nur noch aus Erzählungen, Romanen, Essays … kennen. Aus dem Kaffeehaus ist das Café geworden oder auch die Cafeteria oder das Bistro. Darin hält man sich auch nicht mehr stundenlang auf. Es sind eher Orte des Vorübergehenden und der Vorübergehenden, Pausenräume während Shoppingtouren. Die Kaffeehauskultur gehört der Welt von gestern an.
In diesem Kaffeehaus werden keine Romane und Essays entstehen und wohl auch sonst nichts, was für die Welt von morgen zur Welt von gestern gehören dürfte. - Und dennoch, was lest Ihr?