"Realität und Realismus"

  • Im Umfeld von Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans und Wirklichkeitsbegriff und Wirkungspotential des Mythos von Hans Blumenberg sind mehrere Werkprojekte Blumenbergs angesiedelt, welche vor einiger Zeit aus dem Nachlaß des Philosophen herausgegeben und im vergangenen Jahr unter dem Titel Realität und Realismus erschienen sind. Blumenberg geht darin der Frage nach, inwieweit eine geschichtsphänomenologische Perspektive auf den Wirklichkeitsbegriff die Vorstellung dessen, was als Wirklichkeit einer Epoche je erscheint, rekonstruierbar ist. Die Intention einer solchen Rekonstruktion richtet sich auf die bewußtseinsgeschichtlichen Vorgänge, welche an der Auffassung von Wirklichkeit im Zusammenhang mit unserem Weltverständnis beteiligt sind. Geschichtsphänomenologie verabschiedet sich dabei von einem ontologisch ausgerichteten Systementwurf, dem es um das Wirkliche zu tun ist und seinen Erscheinungsweisen.

    Näheres dazu in Kürze. -

  • Im Umfeld von Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans und Wirklichkeitsbegriff und Wirkungspotential des Mythos von Hans Blumenberg sind mehrere Werkprojekte Blumenbergs angesiedelt, welche vor einiger Zeit aus dem Nachlaß des Philosophen herausgegeben und im vergangenen Jahr unter dem Titel Realität und Realismus erschienen sind. Blumenberg geht darin der Frage nach, inwieweit eine geschichtsphänomenologische Perspektive auf den Wirklichkeitsbegriff die Vorstellung dessen, was als Wirklichkeit einer Epoche je erscheint, rekonstruierbar ist. Die Intention einer solchen Rekonstruktion richtet sich auf die bewußtseinsgeschichtlichen Vorgänge, welche an der Auffassung von Wirklichkeit im Zusammenhang mit unserem Weltverständnis beteiligt sind. Geschichtsphänomenologie verabschiedet sich dabei von einem ontologisch ausgerichteten Systementwurf, dem es um das Wirkliche zu tun ist und seinen Erscheinungsweisen.

    Näheres dazu in Kürze. -

  • Im Umfeld von Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans und Wirklichkeitsbegriff und Wirkungspotential des Mythos von Hans Blumenberg sind mehrere Werkprojekte Blumenbergs angesiedelt, welche vor einiger Zeit aus dem Nachlaß des Philosophen herausgegeben und im vergangenen Jahr unter dem Titel Realität und Realismus erschienen sind. Blumenberg geht darin der Frage nach, inwieweit eine geschichtsphänomenologische Perspektive auf den Wirklichkeitsbegriff die Vorstellung dessen, was als Wirklichkeit einer Epoche je erscheint, rekonstruierbar ist. Die Intention einer solchen Rekonstruktion richtet sich auf die bewußtseinsgeschichtlichen Vorgänge, welche an der Auffassung von Wirklichkeit im Zusammenhang mit unserem Weltverständnis beteiligt sind. Geschichtsphänomenologie verabschiedet sich dabei von einem ontologisch ausgerichteten Systementwurf, dem es um das Wirkliche zu tun ist und seinen Erscheinungsweisen.

    Näheres dazu in Kürze. -


    • "Der Begriffder Wirklichkeit, wie ich ihn gebrauchen möchte, hat nicht so sehr einen theoretischen als vielmehr einen pragmatischen Sinn. Er meint jenen Charakter von Verbindlichkeit, der den Menschen in seinem Verhalten bestimmt."

      Es gibt so etwas wie ein Moment der Trägheit im Wirklichkeitsbezug des Menschen,eine vordergründige Beharrung, die aller Tradition die Doppeldeutig-keit von Bewahren und Festklammern gibt.Vernunft ist der Widerpart dieser Trägheit ..."


      Blumenberg .. Realität und Realismus


    .. wenn du dieses Nähere in Kürze noch mal vertiefst .. gerne. Wovon ich allerdings bei dem , was ich bisher zu Blumenberg in Erfahrung gebracht habe , nicht ausgehe.


    Nur das du mal eine Vorstellung darüber hast , wo von ich nicht ausgehe ..

    • Morphologie und Geschichtsphilosophie

      Der morphologische Ansatz geht auf Spenglers Rezeption Goethes zurück. Seit dem 19. Jahrhundert wurden Lebewesen (Pflanzen) unter der Optik dynamischer Einheiten aufgefasst. Ein so aufgefasstes morphologisches Verständnis erschließt sich an der Erkenntnis lebendig sich entwickelnder Formen (nach Goethe), speziell in der Annahme, sie durchliefen Phasen der Jugend, der Reifung, des Alterns und des Absterbens. Spengler überträgt die Morphologie als Methode der Naturerkenntnis auf die Erkenntnis der Geschichte. Die „Welt als Geschichte“ erschließe sich erst in der Erfassung ihrer biologischen Wesenheit. Die kosmischen Flutungen des Lebens ergössen sich nicht willkürlich in das chaotische Weltgeschehen, sondern würden sich dem philosophischen Blick zu Einheiten von großer innerer Homogenität ordnen, zu Hochkulturen und ihrem historischen Verlauf. Spenglers Methode läuft also auf ein organologisches Weltbild mit lebensphilosophischen Akzenten hinaus.

      Oswald Spengler .. Der Untergang des Abendlandes.

    .... und zwar zum Einem einer pragmatischen "Geschichtsphänomenologie" , die beispielsweise auf Spenglers Methode hinaus läuft


    • Weltuntergang Vorzeichen der Apokalypse German-DOKU
      Das ist ein wichtiger Punkt, wir haben uns so entwickelt , dass wir uns erst mit einer Situation beschäftigen, wenn sie uns .. "JETZT"... ereilt. Ein Ökonom hat dazu den Begriff Diskontrate geprägt. Sie besagt , wie viel Wert wir der Gegenwart gegenüber der Zukunft beimessen. Eine Diskontratevon 1 heißt , dass wir uns nur um diese Sekunde kümmern. Wennman für vier Tage wegfährt und seinen Goldfisch das Fressen fürdiese vier Tage auf einmal gibt, wird er sich überfressen und sterben. Eine Diskontrate von Null entspricht einem Roboter , der Millionen Jahre lebt und dem das Heute genau so wichtig ist wie die Zukunft


    .. und zum Anderem einem pragmatischen menschlichem " Wirklichkeitsbezug" , der sich u.a. an einer solchen Diskontrate orientiert.

    Den Begriff der Wirklichkeit pragmatisch , in diesem Sinn zu gebrauchen bzw. den Menschen in seinem Verhalten auf diese Weise zu bestimmen ... ist Blumenbergs damit ggf.auch dein Ding möglicherweise nicht. Sein Ding ist es vielmehr sich dem ; wie in seiner 1979 publizierten Untersuchung Schiffbruch mit Zuschauer , methaphorisch an zu nehmen. Wie es der Zufall so will, bezieht sich dabei auch Bumenberg auf Goethe. Einen Goethe , der .. so Blumenberg .. dank seiner Lebensgefährtin Christiane Vulpius „selbst [dem Untergang] Entronnen“ ist.

    Edited 3 times, last by Infant (February 28, 2021 at 2:16 AM).

  • Im Umfeld von Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans und Wirklichkeitsbegriff und Wirkungspotential des Mythos von Hans Blumenberg sind mehrere Werkprojekte Blumenbergs angesiedelt, welche vor einiger Zeit aus dem Nachlaß des Philosophen herausgegeben und im vergangenen Jahr unter dem Titel Realität und Realismus erschienen sind. Blumenberg geht darin der Frage nach, inwieweit eine geschichtsphänomenologische Perspektive auf den Wirklichkeitsbegriff die Vorstellung dessen, was als Wirklichkeit einer Epoche je erscheint, rekonstruierbar ist. Die Intention einer solchen Rekonstruktion richtet sich auf die bewußtseinsgeschichtlichen Vorgänge, welche an der Auffassung von Wirklichkeit im Zusammenhang mit unserem Weltverständnis beteiligt sind. Geschichtsphänomenologie verabschiedet sich dabei von einem ontologisch ausgerichteten Systementwurf, dem es um das Wirkliche zu tun ist und seinen Erscheinungsweisen.

    Näheres dazu in Kürze. -


    • "Der Begriffder Wirklichkeit, wie ich ihn gebrauchen möchte, hat nicht so sehr einen theoretischen als vielmehr einen pragmatischen Sinn. Er meint jenen Charakter von Verbindlichkeit, der den Menschen in seinem Verhalten bestimmt."

      Es gibt so etwas wie ein Moment der Trägheit im Wirklichkeitsbezug des Menschen,eine vordergründige Beharrung, die aller Tradition die Doppeldeutig-keit von Bewahren und Festklammern gibt.Vernunft ist der Widerpart dieser Trägheit ..."


      Blumenberg .. Realität und Realismus


    .. wenn du dieses Nähere in Kürze noch mal vertiefst .. gerne. Wovon ich allerdings bei dem , was ich bisher zu Blumenberg in Erfahrung gebracht habe , nicht ausgehe.


    Nur das du mal eine Vorstellung darüber hast , wo von ich nicht ausgehe ..

    • Morphologie und Geschichtsphilosophie

      Der morphologische Ansatz geht auf Spenglers Rezeption Goethes zurück. Seit dem 19. Jahrhundert wurden Lebewesen (Pflanzen) unter der Optik dynamischer Einheiten aufgefasst. Ein so aufgefasstes morphologisches Verständnis erschließt sich an der Erkenntnis lebendig sich entwickelnder Formen (nach Goethe), speziell in der Annahme, sie durchliefen Phasen der Jugend, der Reifung, des Alterns und des Absterbens. Spengler überträgt die Morphologie als Methode der Naturerkenntnis auf die Erkenntnis der Geschichte. Die „Welt als Geschichte“ erschließe sich erst in der Erfassung ihrer biologischen Wesenheit. Die kosmischen Flutungen des Lebens ergössen sich nicht willkürlich in das chaotische Weltgeschehen, sondern würden sich dem philosophischen Blick zu Einheiten von großer innerer Homogenität ordnen, zu Hochkulturen und ihrem historischen Verlauf. Spenglers Methode läuft also auf ein organologisches Weltbild mit lebensphilosophischen Akzenten hinaus.

      Oswald Spengler .. Der Untergang des Abendlandes.

    .... und zwar zum Einem einer pragmatischen "Geschichtsphänomenologie" , die beispielsweise auf Spenglers Methode hinaus läuft


    • Weltuntergang Vorzeichen der Apokalypse German-DOKU
      Das ist ein wichtiger Punkt, wir haben uns so entwickelt , dass wir uns erst mit einer Situation beschäftigen, wenn sie uns .. "JETZT"... ereilt. Ein Ökonom hat dazu den Begriff Diskontrate geprägt. Sie besagt , wie viel Wert wir der Gegenwart gegenüber der Zukunft beimessen. Eine Diskontratevon 1 heißt , dass wir uns nur um diese Sekunde kümmern. Wennman für vier Tage wegfährt und seinen Goldfisch das Fressen fürdiese vier Tage auf einmal gibt, wird er sich überfressen und sterben. Eine Diskontrate von Null entspricht einem Roboter , der Millionen Jahre lebt und dem das Heute genau so wichtig ist wie die Zukunft


    .. und zum Anderem einem pragmatischen menschlichem " Wirklichkeitsbezug" , der sich u.a. an einer solchen Diskontrate orientiert.

    Den Begriff der Wirklichkeit pragmatisch , in diesem Sinn zu gebrauchen bzw. den Menschen in seinem Verhalten auf diese Weise zu bestimmen ... ist Blumenbergs damit ggf.auch dein Ding möglicherweise nicht. Sein Ding ist es vielmehr sich dem ; wie in seiner 1979 publizierten Untersuchung Schiffbruch mit Zuschauer , methaphorisch an zu nehmen. Wie es der Zufall so will, bezieht sich dabei auch Bumenberg auf Goethe. Einen Goethe , der .. so Blumenberg .. dank seiner Lebensgefährtin Christiane Vulpius „selbst [dem Untergang] Entronnen“ ist.

    Edited 3 times, last by Infant (February 28, 2021 at 2:16 AM).

  • Anders als Markus Gabriel, dessen Sinnfeldontologie bekanntlich vereinheitlichende Totalitäten wie beispielsweise das "Sein", den "Kosmos", das "Universum", die "Realität" oder eben auch die "Wirklichkeit" als metaphysische Erblast ablehnt, hat Hans Blumenberg keine ontologischen Ambitionen, wenn er den epoche-spezifischen Begriffen der Wirklichkeit nachgeht:

    "Ich muß vielleicht zunächst sagen, was ich meine, wenn ich vom Begriff der Wirklichkeit spreche. Ich gebrauche diesen Ausdruck mit der Absicht, deutlich werden zu lassen, daß mein Thema nicht ontologisch im gegenwärtigen philosophischen Gebrauchssinn des Wortes ist. [...] Der Begriff der Wirklichkeit, wie ich ihn gebrauchen möchte, hat nicht so sehr einen theoretischen als vielmehr einen pragmatischen Sinn. Er meint jenen Charakter von Verbindlichkeit, auf die und mit der der Mensch rechnet, auf die er sich verläßt und auf die er sich beruft." (Realität und Realismus; S. 9)

    Worauf es Blumenberg hier ankommt, ist ein Befund, den Kant auf die Formel gebracht hat: Welt ist kein Gegenstand der Erkenntnis, sondern ein "regulatives Prinzip". Als eine Berufungsinstanz bleibt die Wirklichkeit - ähnlich wie Kants regulatives Prinzip - eine Hintergrundveranstaltung, der man sich als Erfahrungsgegenstand schlechterdings nicht zuwenden kann, die jedoch phänomenologisch erschlossen werden kann. Auf die Wirklichkeit ist Verlaß, weil sie als athematischer Kontrast die Stimmigkeit von Erfahrungen allererst ermöglicht. Vor dem Hintergrund der Wirklichkeit tritt Wirkliches hervor; doch ist die Wirklichkeit nicht die Summe alles Wirklichen.

  • Anders als Markus Gabriel, dessen Sinnfeldontologie bekanntlich vereinheitlichende Totalitäten wie beispielsweise das "Sein", den "Kosmos", das "Universum", die "Realität" oder eben auch die "Wirklichkeit" als metaphysische Erblast ablehnt, hat Hans Blumenberg keine ontologischen Ambitionen, wenn er den epoche-spezifischen Begriffen der Wirklichkeit nachgeht:

    "Ich muß vielleicht zunächst sagen, was ich meine, wenn ich vom Begriff der Wirklichkeit spreche. Ich gebrauche diesen Ausdruck mit der Absicht, deutlich werden zu lassen, daß mein Thema nicht ontologisch im gegenwärtigen philosophischen Gebrauchssinn des Wortes ist. [...] Der Begriff der Wirklichkeit, wie ich ihn gebrauchen möchte, hat nicht so sehr einen theoretischen als vielmehr einen pragmatischen Sinn. Er meint jenen Charakter von Verbindlichkeit, auf die und mit der der Mensch rechnet, auf die er sich verläßt und auf die er sich beruft." (Realität und Realismus; S. 9)

    Worauf es Blumenberg hier ankommt, ist ein Befund, den Kant auf die Formel gebracht hat: Welt ist kein Gegenstand der Erkenntnis, sondern ein "regulatives Prinzip". Als eine Berufungsinstanz bleibt die Wirklichkeit - ähnlich wie Kants regulatives Prinzip - eine Hintergrundveranstaltung, der man sich als Erfahrungsgegenstand schlechterdings nicht zuwenden kann, die jedoch phänomenologisch erschlossen werden kann. Auf die Wirklichkeit ist Verlaß, weil sie als athematischer Kontrast die Stimmigkeit von Erfahrungen allererst ermöglicht. Vor dem Hintergrund der Wirklichkeit tritt Wirkliches hervor; doch ist die Wirklichkeit nicht die Summe alles Wirklichen.

  • Sich auf die Wirklichkeit verlassen zu können, von ihr Gebrauch zu machen, Verständnis und Begriff von ihr zu haben, bedeutet jedoch nicht, daß sich ein solcher Begriff nach Art einer Definition oder auch nur in der Form definitorischer Annäherung ohne weiteres auffinden ließe; es sei denn um den Preis jener "kargen Ausbeute", auf die Blumenberg schon in den Paradigmen zu einer Metaphorologie am Beispiel der Geschichte des Wahrheitsbegriffs hingewiesen hatte. Stand jedoch beim Wahrheitsbegriff (s. dazu auch das spätere Textkonvolut Die nackte Wahrheit) der Kargheit definitorischer Formeln zumindest eine Reichhaltigkeit metaphorischer Umschreibungsweisen gegenüber, so ist der Wirklichkeitsbegriff zudem ein implikativer, d.h. Wirklichkeit kann phänomenologisch zwar erschlossen werden, aber sie ist nicht terminologisch "dingfest" zu machen. Erschlossen werden kann sie für einzelne Epochen als Implikat dessen, was für die jeweilige Epoche als das Verläßliche und Selbstverständliche in Geltung stand. So gesehen gehört die Wirklichkeit als Momentum einer geschichtlichen Epoche immer zum thematisch Unverfügbaren, das erst nach der Epochenschwelle sichtbar wird und dann auch (in Form von Kritik) thematischer Gegenstand werden kann. Zum Anforderungsprofil der Wirklichkeit gehört also ein geschichtsphänomenologischer Zugang, der die Textzeugnisse zum Sprechen bringt. Denn:

    "Der Wirklichkeitsbegriff einer Epoche bleibt in ihren Zeugnissen in eigentümlicher Weise stumm, und das nicht zufällig, sondern aufgrund der eigentümlichen Selbstverständlichkeit, mit der eine Epoche sich an das hält, was ihr für wirklich gilt." (Realität und Realismus; S. 11)

  • Sich auf die Wirklichkeit verlassen zu können, von ihr Gebrauch zu machen, Verständnis und Begriff von ihr zu haben, bedeutet jedoch nicht, daß sich ein solcher Begriff nach Art einer Definition oder auch nur in der Form definitorischer Annäherung ohne weiteres auffinden ließe; es sei denn um den Preis jener "kargen Ausbeute", auf die Blumenberg schon in den Paradigmen zu einer Metaphorologie am Beispiel der Geschichte des Wahrheitsbegriffs hingewiesen hatte. Stand jedoch beim Wahrheitsbegriff (s. dazu auch das spätere Textkonvolut Die nackte Wahrheit) der Kargheit definitorischer Formeln zumindest eine Reichhaltigkeit metaphorischer Umschreibungsweisen gegenüber, so ist der Wirklichkeitsbegriff zudem ein implikativer, d.h. Wirklichkeit kann phänomenologisch zwar erschlossen werden, aber sie ist nicht terminologisch "dingfest" zu machen. Erschlossen werden kann sie für einzelne Epochen als Implikat dessen, was für die jeweilige Epoche als das Verläßliche und Selbstverständliche in Geltung stand. So gesehen gehört die Wirklichkeit als Momentum einer geschichtlichen Epoche immer zum thematisch Unverfügbaren, das erst nach der Epochenschwelle sichtbar wird und dann auch (in Form von Kritik) thematischer Gegenstand werden kann. Zum Anforderungsprofil der Wirklichkeit gehört also ein geschichtsphänomenologischer Zugang, der die Textzeugnisse zum Sprechen bringt. Denn:

    "Der Wirklichkeitsbegriff einer Epoche bleibt in ihren Zeugnissen in eigentümlicher Weise stumm, und das nicht zufällig, sondern aufgrund der eigentümlichen Selbstverständlichkeit, mit der eine Epoche sich an das hält, was ihr für wirklich gilt." (Realität und Realismus; S. 11)

  • da meine ganz normale Frage gelöscht wurde, nochmal: hat Blumenberg sich mal zu Medien oder Kommunikation geäußert?

  • da meine ganz normale Frage gelöscht wurde, nochmal: hat Blumenberg sich mal zu Medien oder Kommunikation geäußert?

  • Soweit ich das auf die Schnelle überschauen kann, Groot, ist mir gerade kein Text Blumenbergs präsent, der sich den Themen Medien und Kommunikation zuwendet; gleichwohl Blumenberg ja viele Glossen und Essays für die Neue Zürcher Zeitung und die FAZ geschrieben hat, in den 50er Jahren auch unter dem Pseudonym Axel Colly für die Düsseldorfer Nachrichten. (Dort könnte sich allerdings am ehesten Entsprechendes finden.)

  • Soweit ich das auf die Schnelle überschauen kann, Groot, ist mir gerade kein Text Blumenbergs präsent, der sich den Themen Medien und Kommunikation zuwendet; gleichwohl Blumenberg ja viele Glossen und Essays für die Neue Zürcher Zeitung und die FAZ geschrieben hat, in den 50er Jahren auch unter dem Pseudonym Axel Colly für die Düsseldorfer Nachrichten. (Dort könnte sich allerdings am ehesten Entsprechendes finden.)

  • Soweit ich das auf die Schnelle überschauen kann, Groot, ist mir gerade kein Text Blumenbergs präsent, der sich den Themen Medien und Kommunikation zuwendet; gleichwohl Blumenberg ja viele Glossen und Essays für die Neue Zürcher Zeitung und die FAZ geschrieben hat, in den 50er Jahren auch unter dem Pseudonym Axel Colly für die Düsseldorfer Nachrichten. (Dort könnte sich allerdings am ehesten Entsprechendes finden.)

    Danke, war auch nur ne spontane Frage. Da ich Blumenberg für sehr spannend halte und du ja ein Kenner zu sein scheinst, dacht ich ich frag mal, weil mich Medientheorie und der Übergang ins digitale Zeitalter sehr interessiert und ich da nächstes Jahr meine Masterarbeit drüber schreiben will.

  • Soweit ich das auf die Schnelle überschauen kann, Groot, ist mir gerade kein Text Blumenbergs präsent, der sich den Themen Medien und Kommunikation zuwendet; gleichwohl Blumenberg ja viele Glossen und Essays für die Neue Zürcher Zeitung und die FAZ geschrieben hat, in den 50er Jahren auch unter dem Pseudonym Axel Colly für die Düsseldorfer Nachrichten. (Dort könnte sich allerdings am ehesten Entsprechendes finden.)

    Danke, war auch nur ne spontane Frage. Da ich Blumenberg für sehr spannend halte und du ja ein Kenner zu sein scheinst, dacht ich ich frag mal, weil mich Medientheorie und der Übergang ins digitale Zeitalter sehr interessiert und ich da nächstes Jahr meine Masterarbeit drüber schreiben will.

  • Blumenberg konzentriert sich also auf zwei Gesichtspunkte am Wirklichkeitsbegriff: zum Einen auf den phänomenologischen Aspekt der Selbstverständlichkeit, welche die Wirklichkeit für die direkte Erfahrung als Erfahrung eines Ganzen invisibilisiert; zum Anderen auf den geschichtlichen Aspekt der Stummschaltung dessen, was einer Epoche als wirklich gilt:

    "Wirklichkeit ist also einerseits das, was sich von selbst versteht, aber andererseits auch das, was nie als dieses Selbstverständliche verstanden ist bzw. mit geschichtlicher Unausbleiblichkeit zu spät verstanden wird, also erst in einem Augenblick, in dem sich die Selbstverständlichkeit als verhängnisvoll oder steril erwiesen hat." (Realität und Realismus; S. 13) -

    Dieses Moment der Sterilität, in dem der Begriff von Wirklichkeit nicht mehr "greift", führt historisch zum Aufkommen von "Kritik", an dem auch immer die Vernunft beteiligt ist.

    "Die Vernunft, die wir als das Organ der Geschichte der Philosophie ansehen, läßt sich verstehen als das Ausdrücklichwerden des in der Geschichte erfahrenen Wandels dessen, was als das Wirkliche gilt." (S. 12)

    Der Text Antiker und neuzeitlicher Wirklichkeitsbegriff, aus dem ich hier zitiere, liegt in vier Fassungen vor. In Realität und Realismus wurde vom Herausgeber Nicola Zambon die vierte Fassung aufgenommen. Die erste Fassung geht zurück auf ein Typoskript aus dem Dezember 1960/Januar 1961, also auf die Phase der Veröffentlichung der Paradigmen. Inwieweit Blumenberg später in den 70er und 80er Jahren, der Zeit seiner großen Monographien, an der Vorstellung einer "Vernunft als Organ der Geschichte der Philosophie" festgehalten hat, sei dahingestellt. -

  • Blumenberg konzentriert sich also auf zwei Gesichtspunkte am Wirklichkeitsbegriff: zum Einen auf den phänomenologischen Aspekt der Selbstverständlichkeit, welche die Wirklichkeit für die direkte Erfahrung als Erfahrung eines Ganzen invisibilisiert; zum Anderen auf den geschichtlichen Aspekt der Stummschaltung dessen, was einer Epoche als wirklich gilt:

    "Wirklichkeit ist also einerseits das, was sich von selbst versteht, aber andererseits auch das, was nie als dieses Selbstverständliche verstanden ist bzw. mit geschichtlicher Unausbleiblichkeit zu spät verstanden wird, also erst in einem Augenblick, in dem sich die Selbstverständlichkeit als verhängnisvoll oder steril erwiesen hat." (Realität und Realismus; S. 13) -

    Dieses Moment der Sterilität, in dem der Begriff von Wirklichkeit nicht mehr "greift", führt historisch zum Aufkommen von "Kritik", an dem auch immer die Vernunft beteiligt ist.

    "Die Vernunft, die wir als das Organ der Geschichte der Philosophie ansehen, läßt sich verstehen als das Ausdrücklichwerden des in der Geschichte erfahrenen Wandels dessen, was als das Wirkliche gilt." (S. 12)

    Der Text Antiker und neuzeitlicher Wirklichkeitsbegriff, aus dem ich hier zitiere, liegt in vier Fassungen vor. In Realität und Realismus wurde vom Herausgeber Nicola Zambon die vierte Fassung aufgenommen. Die erste Fassung geht zurück auf ein Typoskript aus dem Dezember 1960/Januar 1961, also auf die Phase der Veröffentlichung der Paradigmen. Inwieweit Blumenberg später in den 70er und 80er Jahren, der Zeit seiner großen Monographien, an der Vorstellung einer "Vernunft als Organ der Geschichte der Philosophie" festgehalten hat, sei dahingestellt. -

  • Eine Art Präfiguration für das Verhältnis von verdeckter Wirklichkeit und mit dem Zeitverzug einhergehenden Auf- und Entdeckung dieser Wirklichkeit durch die sich verspätende Vernunft sieht Blumenberg in der Zeitstruktur der re-flexiven Philosophie, deren frühe Form bei Plato (im Höhlengleichnis) und Parmenides (im zweiten Teil des Lehrgedichts) die Unterscheidung von Sein und Schein zum Gegenstand hat. Insbesondere Parmenides habe hier "keinen absoluten Dualismus" gesetzt. Etwas grundsätzlicher heißt es dann:

    "Die Philosophie beginnt weniger mit dem Erstaunen über das, was ist, als mit dem Verdacht, wir könnten es in dem uns unmittelbar Gegebenen und Vertrauten nur mit etwas Scheinhaftem zu tun haben. Philosophie in dieser Ursprünglichkeit ist ein elementarer Akt der Aufmerksamkeit, der sich aus der dumpfen Genügsamkeit des Selbstverständlichen aufrafft." (Realität und Realismus; S. 15)

    Philosophie als Schule der Inverdachtnahme des Vertrauten und Selbstverständlichen - später wird das auf Formeln gebracht wie: das Selbstverständliche verstehen oder: "Philosophie ist das, worauf man beinahe von selber gekommen wäre."

  • Eine Art Präfiguration für das Verhältnis von verdeckter Wirklichkeit und mit dem Zeitverzug einhergehenden Auf- und Entdeckung dieser Wirklichkeit durch die sich verspätende Vernunft sieht Blumenberg in der Zeitstruktur der re-flexiven Philosophie, deren frühe Form bei Plato (im Höhlengleichnis) und Parmenides (im zweiten Teil des Lehrgedichts) die Unterscheidung von Sein und Schein zum Gegenstand hat. Insbesondere Parmenides habe hier "keinen absoluten Dualismus" gesetzt. Etwas grundsätzlicher heißt es dann:

    "Die Philosophie beginnt weniger mit dem Erstaunen über das, was ist, als mit dem Verdacht, wir könnten es in dem uns unmittelbar Gegebenen und Vertrauten nur mit etwas Scheinhaftem zu tun haben. Philosophie in dieser Ursprünglichkeit ist ein elementarer Akt der Aufmerksamkeit, der sich aus der dumpfen Genügsamkeit des Selbstverständlichen aufrafft." (Realität und Realismus; S. 15)

    Philosophie als Schule der Inverdachtnahme des Vertrauten und Selbstverständlichen - später wird das auf Formeln gebracht wie: das Selbstverständliche verstehen oder: "Philosophie ist das, worauf man beinahe von selber gekommen wäre."

  • In den Frühschriften Platos findet sich ein Arrangement, nach dem die Welt der Erscheinungen zur Welt der Ideen analog von Abbild und Urbild konzeptualisiert ist. Im Höhlengleichnis hingegen (Staat; 514a) ist der Instanzenweg länger:

    "Die Schatten auf der Höhlenwand rühren zwar von den Artefakten her, die hinter einer Rampe zwischen Feuer und Wand vorbeigetragen werden; diese wiederum sind Darstellungen von Dingen der Naturwelt außerhalb der Höhle. Aber man sieht den Schatten nicht mehr an, daß sie Schatten sind." (Realität und Realismus; S. 15)

    Damit wird das Bildliche in den Verdacht des Abbildlichen gerückt. Eine Spätfolge dieser bloßen Abbildlichkeit ist Platos bekanntes Verdikt gegenüber aller künstlerischen Nachbildung:

    "Bild eines Bildes zu sein, ist die äußerste metaphysische Diskriminierung." (S. 15)

  • In den Frühschriften Platos findet sich ein Arrangement, nach dem die Welt der Erscheinungen zur Welt der Ideen analog von Abbild und Urbild konzeptualisiert ist. Im Höhlengleichnis hingegen (Staat; 514a) ist der Instanzenweg länger:

    "Die Schatten auf der Höhlenwand rühren zwar von den Artefakten her, die hinter einer Rampe zwischen Feuer und Wand vorbeigetragen werden; diese wiederum sind Darstellungen von Dingen der Naturwelt außerhalb der Höhle. Aber man sieht den Schatten nicht mehr an, daß sie Schatten sind." (Realität und Realismus; S. 15)

    Damit wird das Bildliche in den Verdacht des Abbildlichen gerückt. Eine Spätfolge dieser bloßen Abbildlichkeit ist Platos bekanntes Verdikt gegenüber aller künstlerischen Nachbildung:

    "Bild eines Bildes zu sein, ist die äußerste metaphysische Diskriminierung." (S. 15)

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