Was dürfen wir denn dann aufstellen? - Das mag sich der Leser der Philosophischen Untersuchungen fragen, der auf dieses Theorieverbot an einer prominenten Stelle stößt (S. 342), nämlich kurz bevor Wittgenstein zu der berühmten "Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache" kommt. Erklärend fügt er hinzu: "Es darf nichts Hypothetisches in unsern Betrachtungen sein. Alle Erklärung muß fort, ..." - Wiittgensein weist alle explanatorischen Ansprüche der Philosophie zurück. Nur noch "Beschreibung" wird zugelassen. Michael Hampe schreibt, daß die "Aphoristik Wittgensteins ... in Literatur übergeht" (Die Lehren der Philosophie; S. 27) - Stanley Cavell geht sogar so weit, daß Wittgenstein, Austin und Ryle "Mikrogeschichten erzählen" (Nach der Philosophie. Essays; S. 157) - Wittgenstein, ein Erzähler?
Behauptende Philosophie - Erzählende Philosophie. Das sind die beiden Paradigmen, mit denen Hampe sein Buch über die Lehren der Philosophie beginnt. Und er verschärft diese Unterscheidung noch indem er die behauptende Philosophie eine "doktrinäre Philosophie" nennt und die erzählende eine "nichtdoktrinäre".
"Philosophen, die sich in der doktrinären Philosophie betätigen, wollen mit oder aufgrund ihrer Behauptungen andere Menschen erziehen; sie wollen sie dazu bringen, sich ihren Behauptungen als einer Lehre anzuschließen. Dagegen bemühen sich Vertreter nichtdoktrinärer Philosophie darum, möglichst wenig oder gar nichts zu behaupten. Ihre Hauptintention ist eher, herauszufinden und den Behauptern selbst sichtbar zu machen, warum sie meinen, etwas behaupten zu müssen, und welche Konsequenzen das hat." (Die Lehren der Philosophie. Eine Kritik. S. 13)
Ich werde in loser Folge Einiges aus Hampes Buch und seinem Themenspektrum zur Diskussion stellen, vor allem vor dem Hintergrund einer hermeneutisch verfahrenden Philosophie, die ja das Erzählen ebenfalls hochhält. -