Dies ist ein kategorienübergreifender Thread, der um den Aufsatz Freges "Der Gedanke. Eine logische Untersuchung" kreist.
Methode und Vorgehensweise sind nicht festgelegt - ich gehe davon aus, dass nur ernsthafte und relevante Beiträge - gerne unter den verschiedensten Gesichtspunkten, hier eingestellt werden. Dafür, dass Müll rasch entsorgt wird, haben wir ja eine Moderation.
Gottlob Frege, "Der Gedanke"
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- [Kategorienübergreifend]
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hel -
June 14, 2014 at 11:26 AM -
Closed
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Dies ist ein kategorienübergreifender Thread, der um den Aufsatz Freges "Der Gedanke. Eine logische Untersuchung" kreist.
Methode und Vorgehensweise sind nicht festgelegt - ich gehe davon aus, dass nur ernsthafte und relevante Beiträge - gerne unter den verschiedensten Gesichtspunkten, hier eingestellt werden. Dafür, dass Müll rasch entsorgt wird, haben wir ja eine Moderation. -
Ich fang mal an : im Frege-Text heißt es: " Und so kann man zu der Meinung kommen, es handle sich in der Logik um den seelischen Vorgang des Denkens und um die psychologischen Gesetze, nach denen es geschieht. Aber damit wäre die Aufgabe der Logik verkannt; denn hierbei erhält die Wahrheit nicht die ihr gebührende Stellung. Der Irrtum, der Aberglaube hat ebenso seine Ursachen wie die richtige Erkenntnis. Das [59] Fürwahrhalten des Falschen und das Fürwahrhalten des Wahren kommen beide nach psychologischen Gesetzen zustande"
Trotz dieses Einwands von Frege meine ich ,dass auch logische Gesetze zu den psychologischen Gesetzen gehören. Es gibt eben psychologische Gesetze ,denen man beim besten Willen nicht zuwider denken kann , nach denen der Mensch aufgrund seiner Natur denken muss, z. B dem Satz vom ausgeschlossenem Widerspruch.
Auch ein Aberglaube entsteht infolge von Gesetzmäßigkeiten (Zusammenwirken von beeindruckenden Erlebnissen und charismatischen Persönlichkeiten, Unwissenheit , psychischer Labilität...),aber der Mensch muss nicht daran glauben, muss nicht so denken.
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Ich fang mal an : im Frege-Text heißt es: " Und so kann man zu der Meinung kommen, es handle sich in der Logik um den seelischen Vorgang des Denkens und um die psychologischen Gesetze, nach denen es geschieht. Aber damit wäre die Aufgabe der Logik verkannt; denn hierbei erhält die Wahrheit nicht die ihr gebührende Stellung. Der Irrtum, der Aberglaube hat ebenso seine Ursachen wie die richtige Erkenntnis. Das [59] Fürwahrhalten des Falschen und das Fürwahrhalten des Wahren kommen beide nach psychologischen Gesetzen zustande"
Trotz dieses Einwands von Frege meine ich ,dass auch logische Gesetze zu den psychologischen Gesetzen gehören. Es gibt eben psychologische Gesetze ,denen man beim besten Willen nicht zuwider denken kann , nach denen der Mensch aufgrund seiner Natur denken muss, z. B dem Satz vom ausgeschlossenem Widerspruch.
Auch ein Aberglaube entsteht infolge von Gesetzmäßigkeiten (Zusammenwirken von beeindruckenden Erlebnissen und charismatischen Persönlichkeiten, Unwissenheit , psychischer Labilität...),aber der Mensch muss nicht daran glauben, muss nicht so denken.
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Ich denke, dass Frege nicht anzweifeln will, dass wir über psychologische (heutzutage würde man vielleicht auch sagen: neurologische) Prozesse, befähigt und teilweise auch "gezwungen" sind, logisch zu denken. Es geht m. E. eher darum, Logik nicht als Teilfach von Psychologie zu betreiben. Dies bringt gewisse Probleme mit sich, wie z.B. die von Stegmüller in "Das Wahrheitsproblem und die Idee der Semantik" in Bezug auf den Wahrheitsbegriff kurz aufgezeigten:
Quote
Im Prinzip bestehen zwei Möglichkeiten. "Wahr" kann als Prädikat von Sätzen als sprachlichen Gebilden oder als Prädikat, das demjenigen zukommt, was diese Sätze ausdrücken, d. h. als Urteilsprädikat, angesehen werden. Zunächst könnte es erscheinen, als ob diese Alternative zugunsten der Urteile entschieden werden müsse. Denn Sätze sind für die Urteile da und nicht umgekehrt. Die Sätze sind nur sprachliche Hilfsmittel; dasjenige, worauf es ankommt, sind die in ihnen ausgedrückten Gedanken. Dennoch empfiehlt es sich nicht, an den Urteilsbegriff anzuknüpfen, weil hier von Anbeginn eine Fülle philosophischer Diskussionen anheben müßte, die seit langer Zeit immer wieder stattfanden, ohne zu einer auch nur einigermaßen befriedigenden Lösung und damit einer Übereinstimmung zwischen den Forschern zu führen. Bei Anknüpfung an den Satz als sprachlichen Ausdruck können diese Erörterungen, wie z.B. die Frage, ob die psychischen Urteilsakte oder die idealen Bedeutungseinheiten als Urteile im theoretischen Sinne anzusprechen seien usw., vermieden werden. Es tritt hier bereits ein Moment in den Vordergrund, das die ganze Entwicklung der neueren Logik beherrscht. Wo immer die logische Analyse nicht an den sprachlichen Ausdruck anknüpfte, waren drei Mängel zu beobachten: 1. Es entstand bereits ein Streit darüber, ob diese Art der Untersuchung wirklich eine logische und nicht eine zu einer anderen Wissenschaft, z. B. der Psychologie (wenn der Ausgangspunkt von Akten des Urteilens, Vorstellens usw. genommen wurde) oder der Metaphysik (wenn man von idealen Bedeutungseinheiten ausging) gehörend sei. 2. Es wurde vielfach in Frage gestellt, ob es jene Art von Gegenständen überhaupt gäbe, die zum Objekt der Untersuchung genommen wurden. So glaubte z. B. HUSSERL, um logische Untersuchungen vom Vorwurf des Psychologismus zu befreien, vom Begriff der idealen Satzbedeutungen ausgehen zu müssen, womit sofort die Frage entstand, ob die dabei konzipierten "idealen Wesenheiten" nicht eine Fiktion darstellten. 3. Das entscheidende Argument, welches sich hier vorbringen läßt, ist aber dies, daß nur die an sprachliche Ausdrücke anknüpfenden Untersuchungen zu wirklich positiven Resultaten führten.
Interessant kann es sein zu prüfen, ob im Lichte dieser Ausführungen auch Freges Begriff des Gedankens als Wahrheitsträger anstatt des Satzes zu ähnlichen Problemen führen könnte. -
Ich denke, dass Frege nicht anzweifeln will, dass wir über psychologische (heutzutage würde man vielleicht auch sagen: neurologische) Prozesse, befähigt und teilweise auch "gezwungen" sind, logisch zu denken. Es geht m. E. eher darum, Logik nicht als Teilfach von Psychologie zu betreiben. Dies bringt gewisse Probleme mit sich, wie z.B. die von Stegmüller in "Das Wahrheitsproblem und die Idee der Semantik" in Bezug auf den Wahrheitsbegriff kurz aufgezeigten:
Quote
Im Prinzip bestehen zwei Möglichkeiten. "Wahr" kann als Prädikat von Sätzen als sprachlichen Gebilden oder als Prädikat, das demjenigen zukommt, was diese Sätze ausdrücken, d. h. als Urteilsprädikat, angesehen werden. Zunächst könnte es erscheinen, als ob diese Alternative zugunsten der Urteile entschieden werden müsse. Denn Sätze sind für die Urteile da und nicht umgekehrt. Die Sätze sind nur sprachliche Hilfsmittel; dasjenige, worauf es ankommt, sind die in ihnen ausgedrückten Gedanken. Dennoch empfiehlt es sich nicht, an den Urteilsbegriff anzuknüpfen, weil hier von Anbeginn eine Fülle philosophischer Diskussionen anheben müßte, die seit langer Zeit immer wieder stattfanden, ohne zu einer auch nur einigermaßen befriedigenden Lösung und damit einer Übereinstimmung zwischen den Forschern zu führen. Bei Anknüpfung an den Satz als sprachlichen Ausdruck können diese Erörterungen, wie z.B. die Frage, ob die psychischen Urteilsakte oder die idealen Bedeutungseinheiten als Urteile im theoretischen Sinne anzusprechen seien usw., vermieden werden. Es tritt hier bereits ein Moment in den Vordergrund, das die ganze Entwicklung der neueren Logik beherrscht. Wo immer die logische Analyse nicht an den sprachlichen Ausdruck anknüpfte, waren drei Mängel zu beobachten: 1. Es entstand bereits ein Streit darüber, ob diese Art der Untersuchung wirklich eine logische und nicht eine zu einer anderen Wissenschaft, z. B. der Psychologie (wenn der Ausgangspunkt von Akten des Urteilens, Vorstellens usw. genommen wurde) oder der Metaphysik (wenn man von idealen Bedeutungseinheiten ausging) gehörend sei. 2. Es wurde vielfach in Frage gestellt, ob es jene Art von Gegenständen überhaupt gäbe, die zum Objekt der Untersuchung genommen wurden. So glaubte z. B. HUSSERL, um logische Untersuchungen vom Vorwurf des Psychologismus zu befreien, vom Begriff der idealen Satzbedeutungen ausgehen zu müssen, womit sofort die Frage entstand, ob die dabei konzipierten "idealen Wesenheiten" nicht eine Fiktion darstellten. 3. Das entscheidende Argument, welches sich hier vorbringen läßt, ist aber dies, daß nur die an sprachliche Ausdrücke anknüpfenden Untersuchungen zu wirklich positiven Resultaten führten.
Interessant kann es sein zu prüfen, ob im Lichte dieser Ausführungen auch Freges Begriff des Gedankens als Wahrheitsträger anstatt des Satzes zu ähnlichen Problemen führen könnte. -
Frege macht auf den unterschiedlichen Gebrauch des Gesetzesbegriffs aufmerksam: einerseits Gesetze als Handlungsnormen, die befolgt werden sollen (aber nicht immer befolgt werden); andererseits Gesetze als "das Allgemeine des Naturgeschehens", d.h. als (ausnahmslose) Regelmäßigkeiten des Seins.
Bemerkenswert ist nun aber, dass er gleich im nächsten Satz die "Gesetze des Wahrseins" im zweiten Sinne verstanden wissen will, also als Gesetze des Seins. Und aus diesen Gesetzen des Seins, so Frege weiter, "ergeben sich nun Vorschriften für das Fürwahrhalten, das Denken, Urteilen, Schließen." Das ist eine verblüffend unverblümte Ableitung des Sollens aus dem Sein.
Allerdings gehört "das Wahrsein" (mit seinen Gesetzen) offenbar einer anderen Seinssphäre (oder wie man es nennen soll) zu als das Naturgeschehen (und seine Gesetze). Denn als Beispiel für (kausales) Naturgeschehen behandelt Frege nämlich nun das "seelische Geschehen" beim Denken, Fürwahrhalten, Urteilen usw. und davon grenzt er die Logik und das Wahrsein ab. Wir hätten somit dreierlei Gesetze:
I. Handlungsnormen
II. Gesetze des Seins (mit den Unterklassen: II,1. Gesetze der Logik und II,2. Naturgesetze)Der Abgrenzung zwischen II,1 und II,2 gilt Freges Hauptaugenmerk, und so bleibt eine Unklarheit bezüglich des "seelischen Geschehens", die nicht weiter thematisiert wird: Es fragt sich nämlich, welcher Art von Gesetzen das seelische Geschehen (Denken, Urteilen, Schließen usw.) denn nun unterliegt - Naturgesetzen oder Handlungsnormen? Unterliegt es (ausnahmslosen, kausalen) Naturgesetzen, dann ist es sinnlos, Vorschriften dafür aufzustellen. Denn wenn ich immer genauso denken muss, wie ich gerade denke, dann bleiben Handlungsvorschriften dagegen ohnmächtig; genau so gut könnte man versuchen, dem Wasser das Bergabfließen zu verbieten. (Vorschriften, die dem Wasser genau das befehlen, was es sowieso tut - immer bergab fließen - kann man sich natürlich schenken.) Aber Frege meint dessen ungeachtet, dass sich aus den Gesetzen des Wahrseins Vorschriften für das Denken ergäben, die sich von psychologischen Gesetzen klar unterscheiden. Das Denken scheint also nach Frege sowohl (kausalen) psychologischen Gesetzen zu unterliegen als auch Handlungsnormen, die sich aus den Gesetzen des Wahrseins ergeben. Zwischen beiden muss sich das Denken irgendwie hindurch lavieren...
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Frege macht auf den unterschiedlichen Gebrauch des Gesetzesbegriffs aufmerksam: einerseits Gesetze als Handlungsnormen, die befolgt werden sollen (aber nicht immer befolgt werden); andererseits Gesetze als "das Allgemeine des Naturgeschehens", d.h. als (ausnahmslose) Regelmäßigkeiten des Seins.
Bemerkenswert ist nun aber, dass er gleich im nächsten Satz die "Gesetze des Wahrseins" im zweiten Sinne verstanden wissen will, also als Gesetze des Seins. Und aus diesen Gesetzen des Seins, so Frege weiter, "ergeben sich nun Vorschriften für das Fürwahrhalten, das Denken, Urteilen, Schließen." Das ist eine verblüffend unverblümte Ableitung des Sollens aus dem Sein.
Allerdings gehört "das Wahrsein" (mit seinen Gesetzen) offenbar einer anderen Seinssphäre (oder wie man es nennen soll) zu als das Naturgeschehen (und seine Gesetze). Denn als Beispiel für (kausales) Naturgeschehen behandelt Frege nämlich nun das "seelische Geschehen" beim Denken, Fürwahrhalten, Urteilen usw. und davon grenzt er die Logik und das Wahrsein ab. Wir hätten somit dreierlei Gesetze:
I. Handlungsnormen
II. Gesetze des Seins (mit den Unterklassen: II,1. Gesetze der Logik und II,2. Naturgesetze)Der Abgrenzung zwischen II,1 und II,2 gilt Freges Hauptaugenmerk, und so bleibt eine Unklarheit bezüglich des "seelischen Geschehens", die nicht weiter thematisiert wird: Es fragt sich nämlich, welcher Art von Gesetzen das seelische Geschehen (Denken, Urteilen, Schließen usw.) denn nun unterliegt - Naturgesetzen oder Handlungsnormen? Unterliegt es (ausnahmslosen, kausalen) Naturgesetzen, dann ist es sinnlos, Vorschriften dafür aufzustellen. Denn wenn ich immer genauso denken muss, wie ich gerade denke, dann bleiben Handlungsvorschriften dagegen ohnmächtig; genau so gut könnte man versuchen, dem Wasser das Bergabfließen zu verbieten. (Vorschriften, die dem Wasser genau das befehlen, was es sowieso tut - immer bergab fließen - kann man sich natürlich schenken.) Aber Frege meint dessen ungeachtet, dass sich aus den Gesetzen des Wahrseins Vorschriften für das Denken ergäben, die sich von psychologischen Gesetzen klar unterscheiden. Das Denken scheint also nach Frege sowohl (kausalen) psychologischen Gesetzen zu unterliegen als auch Handlungsnormen, die sich aus den Gesetzen des Wahrseins ergeben. Zwischen beiden muss sich das Denken irgendwie hindurch lavieren...
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Ich denke, dass Frege nicht anzweifeln will, dass wir über psychologische (heutzutage würde man vielleicht auch sagen: neurologische) Prozesse, befähigt und teilweise auch "gezwungen" sind, logisch zu denken. Es geht m. E. eher darum, Logik nicht als Teilfach von Psychologie zu betreiben.
Frege äußert sich genau dazu und zwar so, wie du es darlegst. Frege (Gedanke, S. 59): "Können bei diesem seelischen Vorgange nicht auch logische Gesetze beteiligt gewesen sein? Ich will das nicht bestreiten; aber wenn es sich um Wahrheit handelt, kann die Möglichkeit nicht genügen." -
Ich denke, dass Frege nicht anzweifeln will, dass wir über psychologische (heutzutage würde man vielleicht auch sagen: neurologische) Prozesse, befähigt und teilweise auch "gezwungen" sind, logisch zu denken. Es geht m. E. eher darum, Logik nicht als Teilfach von Psychologie zu betreiben.
Frege äußert sich genau dazu und zwar so, wie du es darlegst. Frege (Gedanke, S. 59): "Können bei diesem seelischen Vorgange nicht auch logische Gesetze beteiligt gewesen sein? Ich will das nicht bestreiten; aber wenn es sich um Wahrheit handelt, kann die Möglichkeit nicht genügen." -
Bemerkenswert ist nun aber, dass er [...] die "Gesetze des Wahrseins" [...] verstanden wissen will, also als Gesetze des Seins. Und aus diesen Gesetzen des Seins, so Frege weiter, "ergeben sich nun Vorschriften für das Fürwahrhalten, das Denken, Urteilen, Schließen." Das ist eine verblüffend unverblümte Ableitung des Sollens aus dem Sein.
Frege meint gleich zu Beginn seines Aufsatzes, "der Logik kommt es zu, die Gesetze des Wahrseins zu erkennen" (S. 58 ). Ich habe gestern und heute eine Weile meditiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Logik in keiner Variante, die ich kenne, mit Gesetzen des Wahrseins zu schaffen hat. Zudem verzichtet Frege gänzlich darauf zu spezifizieren, was als Gesetze des Wahrseins in Betracht kommen könnte. Er gibt lediglich bekannt, dass "das Wahrsein keine sinnlich wahrnehmbare Eigenschaft" sei (S. 61), "[z]um Wahrsein eines Gedankens [nicht] gehört, daß er gedacht werde" (S. 74), sowie dass "das Wahrsein eines Gedankens zeitlos ist" (S. 74).Mithin macht uns Frege hinsichtlich etwaiger Gesetze des Wahrseins zunächst den Mund wässrig, um uns jedoch nach einiger Zeit ohne Labsal wieder nach Hause zu schicken.
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Bemerkenswert ist nun aber, dass er [...] die "Gesetze des Wahrseins" [...] verstanden wissen will, also als Gesetze des Seins. Und aus diesen Gesetzen des Seins, so Frege weiter, "ergeben sich nun Vorschriften für das Fürwahrhalten, das Denken, Urteilen, Schließen." Das ist eine verblüffend unverblümte Ableitung des Sollens aus dem Sein.
Frege meint gleich zu Beginn seines Aufsatzes, "der Logik kommt es zu, die Gesetze des Wahrseins zu erkennen" (S. 58 ). Ich habe gestern und heute eine Weile meditiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Logik in keiner Variante, die ich kenne, mit Gesetzen des Wahrseins zu schaffen hat. Zudem verzichtet Frege gänzlich darauf zu spezifizieren, was als Gesetze des Wahrseins in Betracht kommen könnte. Er gibt lediglich bekannt, dass "das Wahrsein keine sinnlich wahrnehmbare Eigenschaft" sei (S. 61), "[z]um Wahrsein eines Gedankens [nicht] gehört, daß er gedacht werde" (S. 74), sowie dass "das Wahrsein eines Gedankens zeitlos ist" (S. 74).Mithin macht uns Frege hinsichtlich etwaiger Gesetze des Wahrseins zunächst den Mund wässrig, um uns jedoch nach einiger Zeit ohne Labsal wieder nach Hause zu schicken.
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"Denn Sätze sind für die Urteile da und nicht umgekehrt"( Stegmüller)
Das ist mE eine ungerechtfertigte Ordnung. Während mir zwar Wahrnehmungen ohne Worte bzw. Sätze möglich scheinen ,halte ich Urteile ohne Sätze für unmöglich ,d.h. undenkbar
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"Denn Sätze sind für die Urteile da und nicht umgekehrt"( Stegmüller)
Das ist mE eine ungerechtfertigte Ordnung. Während mir zwar Wahrnehmungen ohne Worte bzw. Sätze möglich scheinen ,halte ich Urteile ohne Sätze für unmöglich ,d.h. undenkbar
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Ich habe gestern und heute eine Weile meditiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Logik in keiner Variante, die ich kenne, mit Gesetzen des Wahrseins zu schaffen hat.
Hmmm... Dass Sätze, wenn sie wahr sind, zeitlos wahr sind, ist doch ein Beispiel. Die Argumentationsformen lassen sich auch gut als Gesetze es Wahrseins verstehen: Alle Menschen sind sterblich, Sokrates etc... Mir ist hier nicht ganz klar, worauf du hinaus willst?! -
Ich habe gestern und heute eine Weile meditiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Logik in keiner Variante, die ich kenne, mit Gesetzen des Wahrseins zu schaffen hat.
Hmmm... Dass Sätze, wenn sie wahr sind, zeitlos wahr sind, ist doch ein Beispiel. Die Argumentationsformen lassen sich auch gut als Gesetze es Wahrseins verstehen: Alle Menschen sind sterblich, Sokrates etc... Mir ist hier nicht ganz klar, worauf du hinaus willst?! -
Das ist mE eine ungerechtfertigte Ordnung. Während mir zwar Wahrnehmungen ohne Worte bzw. Sätze möglich scheinen ,halte ich Urteile ohne Sätze für unmöglich ,d.h. undenkbar
Hat das Stegmüller gesagt? Ich verstehe ihn dahingehend, dass er meint, man sage Sätze um Urteile zu äußern - und nicht umgekehrt. Selbst wenn ich Sprache benötige, um ein Urteil äußern zu können und Sprachfähigkeit um komplexere Urteile überhaupt fällen zu können: Ein Behauptungssatz und ein Urteil sind nicht das gleiche. Mit den unterschiedlichen Sätzen: "Den Elfmeter von Villa wird Neuer nicht halten" , "Villa verwandelt den Elfer ganz sicher" oder "Bei dem Elfer hat Neuer keine Chance gegen Villa" äußert man ein und dasselbe Urteil. -
Das ist mE eine ungerechtfertigte Ordnung. Während mir zwar Wahrnehmungen ohne Worte bzw. Sätze möglich scheinen ,halte ich Urteile ohne Sätze für unmöglich ,d.h. undenkbar
Hat das Stegmüller gesagt? Ich verstehe ihn dahingehend, dass er meint, man sage Sätze um Urteile zu äußern - und nicht umgekehrt. Selbst wenn ich Sprache benötige, um ein Urteil äußern zu können und Sprachfähigkeit um komplexere Urteile überhaupt fällen zu können: Ein Behauptungssatz und ein Urteil sind nicht das gleiche. Mit den unterschiedlichen Sätzen: "Den Elfmeter von Villa wird Neuer nicht halten" , "Villa verwandelt den Elfer ganz sicher" oder "Bei dem Elfer hat Neuer keine Chance gegen Villa" äußert man ein und dasselbe Urteil. -
Wir hätten somit dreierlei Gesetze:
I. Handlungsnormen
II. Gesetze des Seins (mit den Unterklassen: II,1. Gesetze der Logik und II,2. Naturgesetze)QuoteWenn wir von Sittengesetzen und Staatsgesetzen sprechen, meinen wir Vorschriften, die befolgt werden sollen, mit denen das Geschehen nicht immer im Einklange steht. Die Naturgesetze sind das Allgemeine des Naturgeschehens, dem dieses immer gemäß ist. Mehr in diesem Sinne spreche ich von Gesetzen des Wahrseins. Freilich handelt es sich hierbei nicht um ein Geschehen, sondern um ein Sein.
Ich lese das ein klein wenig anders.I. Sittengesetzen und Staatsgesetze
II. Naturgesetze
III. Gesetze des WahrseinsDas "Mehr in diesem Sinne" verstehe ich nicht so, als wolle Frege die Gesetze des Wahrseins unter Punkt II unterordnen. Er will nur darauf hinweisen, dass Punkt III Punkt II mehr ähnelt als Punkt I. Die Gesetze des Wahrseins sind das Allgemeine der Logik, so wie sie ist. Das kann man treffen oder verfehlen.
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Wir hätten somit dreierlei Gesetze:
I. Handlungsnormen
II. Gesetze des Seins (mit den Unterklassen: II,1. Gesetze der Logik und II,2. Naturgesetze)QuoteWenn wir von Sittengesetzen und Staatsgesetzen sprechen, meinen wir Vorschriften, die befolgt werden sollen, mit denen das Geschehen nicht immer im Einklange steht. Die Naturgesetze sind das Allgemeine des Naturgeschehens, dem dieses immer gemäß ist. Mehr in diesem Sinne spreche ich von Gesetzen des Wahrseins. Freilich handelt es sich hierbei nicht um ein Geschehen, sondern um ein Sein.
Ich lese das ein klein wenig anders.I. Sittengesetzen und Staatsgesetze
II. Naturgesetze
III. Gesetze des WahrseinsDas "Mehr in diesem Sinne" verstehe ich nicht so, als wolle Frege die Gesetze des Wahrseins unter Punkt II unterordnen. Er will nur darauf hinweisen, dass Punkt III Punkt II mehr ähnelt als Punkt I. Die Gesetze des Wahrseins sind das Allgemeine der Logik, so wie sie ist. Das kann man treffen oder verfehlen.
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