Ein wenig ist es [das Problem der primitiven Gegenwart] nun erörtert.
Bedeutet das, ihr wollt das beide auf später verschieben? Dazu habe ich nämlich auch einiges an Verwirrung zu bieten. Wir können es gerne vorerst ignorieren, da ich es nun aber schon getippt habe...
Aber es ist ja bei weitem nicht immer von dieser "Absolutheit" und Intensität, um die es oben ging: diese unmittelbare, identifzierungsfreie Existenzgewissheit, die sich einstellt ohne ein Bezogensein-auf-etwas. Schmitz zeichnet solche Erfahrungen ja nicht von ungefähr als "primitive Gegenwart" aus.
Hm.... wie Du sagtest, sind wir vom leiblichen Raum und vom leiblichen Ganzort hierher gekommen. Den Begriff der "primitiven Gegenwart" hatte ich noch gar nicht so konkret auf der Liste. Was ich sagen wollte, war, dass es weitere Erfahrungen dieser Art gibt / geben muss außer der Schreckerfahrung (auch wenn wir noch kein anderes Beispiel herangezogen haben). Woraufhin Du ebenfalls sagst, diese Erlebnisse seien nicht immer von dieser Intensität und auf die "primitive Gegenwart" zeigst.
"Wie findet der affektiv Betroffene ohne Identifizierung sich als den, für den die Tatschen seines affektiven Betroffenseins subjektiv sind? Die Antwort ergibt sich aus Kapitel 1. Dort wurde gezeigt, wie der plötzliche Einbruch des Neuen Dauer zerreißt, ins Nichtmehrsein verabschiedet und dadurch eine Gegenwart exponiert, in der absoluter Ort (Enge des Leibes), absoluter Augenblick (das Plötzliche), absolute Identität (dieses selbst zu sein, verschieden von dem, was vorbei ist) und Subjektivität (selbst betroffen, in Anspruch genommen zu sein) zusammenfallen; ich füge das in der Wucht des Betroffenseins hervortretende Sein (die Wirklichkeit) hinzu und erhalte, was ich seit 1964 die primitive Gegenwart nenne." (S.74)
Danke für diesen Textausschnitt. Ich verstehe nicht, warum "das in der Wucht des Betroffenseins hervortretende Sein" hinzugenommen werden muss zu dem, was ich bereits für Selbiges gehalten hatte (die Beschreibung vorher).
Schmitz bringt zur Kontrastierung diffuse Dämmerzustände:
Ohne diesen Einschnitt wäre keine Identität, das Geschehen wäre in Weite und Dauer ergossen, in einem gleitenden Übergang, in dem sich nichts fassen lässt. Zustände des Dösens, der Benommenheit, geben eine Vorstellung davon. (S.74)
Leidet man länger unter solchen (beispielsweise bei Krankheit), nennt man das auch ein "Dahinvegetieren", also etwas, was sich nicht so besonders lebendig anfühlt und daher u.U. eher mit "primitiver Gegenwart" in Verbindung zu bringen wäre - daher für mich total irreführend ist. (Mir ging eben das Bild eines Fotografen durch den Kopf, der H. Schmitz im Prozess seiner Begriffsfindung ablichtet und dabei sagt: "Herr Schmitz, bitte recht kontraintuitiv! - Knips!" ;-))
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Gerade Schmitz' Datierung - "was ich seit 1964 ... nenne" - gibt einen unübersehbaren Fingerzeig in Richtung Existentialismus, der damals noch en vogue war, sei's in der heideggerschen, sei's in der französischen Spielart von Sartre und Camus.
Ja, das ist auch ein interessanter Bezug. Allerdings könnte man vielleicht sagen, dass sich die Existenzerfahrung bei Sartre und Camus mehr auf eine gewisse Verweigerung von Einsicht und auf Ungewissheit bezieht. In der Verwunderung, in der "existentiellen Erfahrung des Absurden" liegt Unverständnis, Distanz, Fremdheit... in der Schmitzschen (leiblichen) Existenzerfahrung liegt eher Gewissheit und Unmittelbarkeit. (Auch nur als Anmerkung).
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in dem Augenblick, in dem man den Gesamtvorgang in seine einzelnen Bestandteile auflösen will, da geht nichts mehr.
Es gibt auch diesen "Witz": Wie bringt man eine Tennisspielerin dazu, zu verlieren? Antwort ist: Frag' Sie genau, was sie tut und wie sie es anstellt, so gut Tennis zu spielen (danach wird sie es nicht mehr können). Fiel mir gerade dazu ein.
- Womit machen wir denn weiter, damit wir uns nicht so verzetteln ? ![]()