Ausgewählte Themen der Leib-Phänomenologie von Hermann Schmitz

  • Ein wenig ist es [das Problem der primitiven Gegenwart] nun erörtert. :)

    Bedeutet das, ihr wollt das beide auf später verschieben? Dazu habe ich nämlich auch einiges an Verwirrung zu bieten. Wir können es gerne vorerst ignorieren, da ich es nun aber schon getippt habe...

    Aber es ist ja bei weitem nicht immer von dieser "Absolutheit" und Intensität, um die es oben ging: diese unmittelbare, identifzierungsfreie Existenzgewissheit, die sich einstellt ohne ein Bezogensein-auf-etwas. Schmitz zeichnet solche Erfahrungen ja nicht von ungefähr als "primitive Gegenwart" aus.

    Hm.... wie Du sagtest, sind wir vom leiblichen Raum und vom leiblichen Ganzort hierher gekommen. Den Begriff der "primitiven Gegenwart" hatte ich noch gar nicht so konkret auf der Liste. Was ich sagen wollte, war, dass es weitere Erfahrungen dieser Art gibt / geben muss außer der Schreckerfahrung (auch wenn wir noch kein anderes Beispiel herangezogen haben). Woraufhin Du ebenfalls sagst, diese Erlebnisse seien nicht immer von dieser Intensität und auf die "primitive Gegenwart" zeigst.

    "Wie findet der affektiv Betroffene ohne Identifizierung sich als den, für den die Tatschen seines affektiven Betroffenseins subjektiv sind? Die Antwort ergibt sich aus Kapitel 1. Dort wurde gezeigt, wie der plötzliche Einbruch des Neuen Dauer zerreißt, ins Nichtmehrsein verabschiedet und dadurch eine Gegenwart exponiert, in der absoluter Ort (Enge des Leibes), absoluter Augenblick (das Plötzliche), absolute Identität (dieses selbst zu sein, verschieden von dem, was vorbei ist) und Subjektivität (selbst betroffen, in Anspruch genommen zu sein) zusammenfallen; ich füge das in der Wucht des Betroffenseins hervortretende Sein (die Wirklichkeit) hinzu und erhalte, was ich seit 1964 die primitive Gegenwart nenne." (S.74)

    Danke für diesen Textausschnitt. Ich verstehe nicht, warum "das in der Wucht des Betroffenseins hervortretende Sein" hinzugenommen werden muss zu dem, was ich bereits für Selbiges gehalten hatte (die Beschreibung vorher).

    Schmitz bringt zur Kontrastierung diffuse Dämmerzustände:

    Ohne diesen Einschnitt wäre keine Identität, das Geschehen wäre in Weite und Dauer ergossen, in einem gleitenden Übergang, in dem sich nichts fassen lässt. Zustände des Dösens, der Benommenheit, geben eine Vorstellung davon. (S.74)

    Leidet man länger unter solchen (beispielsweise bei Krankheit), nennt man das auch ein "Dahinvegetieren", also etwas, was sich nicht so besonders lebendig anfühlt und daher u.U. eher mit "primitiver Gegenwart" in Verbindung zu bringen wäre - daher für mich total irreführend ist. (Mir ging eben das Bild eines Fotografen durch den Kopf, der H. Schmitz im Prozess seiner Begriffsfindung ablichtet und dabei sagt: "Herr Schmitz, bitte recht kontraintuitiv! - Knips!" ;-))

    __

    Gerade Schmitz' Datierung - "was ich seit 1964 ... nenne" - gibt einen unübersehbaren Fingerzeig in Richtung Existentialismus, der damals noch en vogue war, sei's in der heideggerschen, sei's in der französischen Spielart von Sartre und Camus.

    Ja, das ist auch ein interessanter Bezug. Allerdings könnte man vielleicht sagen, dass sich die Existenzerfahrung bei Sartre und Camus mehr auf eine gewisse Verweigerung von Einsicht und auf Ungewissheit bezieht. In der Verwunderung, in der "existentiellen Erfahrung des Absurden" liegt Unverständnis, Distanz, Fremdheit... in der Schmitzschen (leiblichen) Existenzerfahrung liegt eher Gewissheit und Unmittelbarkeit. (Auch nur als Anmerkung).
    __

    in dem Augenblick, in dem man den Gesamtvorgang in seine einzelnen Bestandteile auflösen will, da geht nichts mehr.

    Es gibt auch diesen "Witz": Wie bringt man eine Tennisspielerin dazu, zu verlieren? Antwort ist: Frag' Sie genau, was sie tut und wie sie es anstellt, so gut Tennis zu spielen (danach wird sie es nicht mehr können). Fiel mir gerade dazu ein.

    - Womit machen wir denn weiter, damit wir uns nicht so verzetteln ? ;)

  • Ein wenig ist es [das Problem der primitiven Gegenwart] nun erörtert. :)

    Bedeutet das, ihr wollt das beide auf später verschieben? Dazu habe ich nämlich auch einiges an Verwirrung zu bieten. Wir können es gerne vorerst ignorieren, da ich es nun aber schon getippt habe...

    Aber es ist ja bei weitem nicht immer von dieser "Absolutheit" und Intensität, um die es oben ging: diese unmittelbare, identifzierungsfreie Existenzgewissheit, die sich einstellt ohne ein Bezogensein-auf-etwas. Schmitz zeichnet solche Erfahrungen ja nicht von ungefähr als "primitive Gegenwart" aus.

    Hm.... wie Du sagtest, sind wir vom leiblichen Raum und vom leiblichen Ganzort hierher gekommen. Den Begriff der "primitiven Gegenwart" hatte ich noch gar nicht so konkret auf der Liste. Was ich sagen wollte, war, dass es weitere Erfahrungen dieser Art gibt / geben muss außer der Schreckerfahrung (auch wenn wir noch kein anderes Beispiel herangezogen haben). Woraufhin Du ebenfalls sagst, diese Erlebnisse seien nicht immer von dieser Intensität und auf die "primitive Gegenwart" zeigst.

    "Wie findet der affektiv Betroffene ohne Identifizierung sich als den, für den die Tatschen seines affektiven Betroffenseins subjektiv sind? Die Antwort ergibt sich aus Kapitel 1. Dort wurde gezeigt, wie der plötzliche Einbruch des Neuen Dauer zerreißt, ins Nichtmehrsein verabschiedet und dadurch eine Gegenwart exponiert, in der absoluter Ort (Enge des Leibes), absoluter Augenblick (das Plötzliche), absolute Identität (dieses selbst zu sein, verschieden von dem, was vorbei ist) und Subjektivität (selbst betroffen, in Anspruch genommen zu sein) zusammenfallen; ich füge das in der Wucht des Betroffenseins hervortretende Sein (die Wirklichkeit) hinzu und erhalte, was ich seit 1964 die primitive Gegenwart nenne." (S.74)

    Danke für diesen Textausschnitt. Ich verstehe nicht, warum "das in der Wucht des Betroffenseins hervortretende Sein" hinzugenommen werden muss zu dem, was ich bereits für Selbiges gehalten hatte (die Beschreibung vorher).

    Schmitz bringt zur Kontrastierung diffuse Dämmerzustände:

    Ohne diesen Einschnitt wäre keine Identität, das Geschehen wäre in Weite und Dauer ergossen, in einem gleitenden Übergang, in dem sich nichts fassen lässt. Zustände des Dösens, der Benommenheit, geben eine Vorstellung davon. (S.74)

    Leidet man länger unter solchen (beispielsweise bei Krankheit), nennt man das auch ein "Dahinvegetieren", also etwas, was sich nicht so besonders lebendig anfühlt und daher u.U. eher mit "primitiver Gegenwart" in Verbindung zu bringen wäre - daher für mich total irreführend ist. (Mir ging eben das Bild eines Fotografen durch den Kopf, der H. Schmitz im Prozess seiner Begriffsfindung ablichtet und dabei sagt: "Herr Schmitz, bitte recht kontraintuitiv! - Knips!" ;-))

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    Gerade Schmitz' Datierung - "was ich seit 1964 ... nenne" - gibt einen unübersehbaren Fingerzeig in Richtung Existentialismus, der damals noch en vogue war, sei's in der heideggerschen, sei's in der französischen Spielart von Sartre und Camus.

    Ja, das ist auch ein interessanter Bezug. Allerdings könnte man vielleicht sagen, dass sich die Existenzerfahrung bei Sartre und Camus mehr auf eine gewisse Verweigerung von Einsicht und auf Ungewissheit bezieht. In der Verwunderung, in der "existentiellen Erfahrung des Absurden" liegt Unverständnis, Distanz, Fremdheit... in der Schmitzschen (leiblichen) Existenzerfahrung liegt eher Gewissheit und Unmittelbarkeit. (Auch nur als Anmerkung).
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    in dem Augenblick, in dem man den Gesamtvorgang in seine einzelnen Bestandteile auflösen will, da geht nichts mehr.

    Es gibt auch diesen "Witz": Wie bringt man eine Tennisspielerin dazu, zu verlieren? Antwort ist: Frag' Sie genau, was sie tut und wie sie es anstellt, so gut Tennis zu spielen (danach wird sie es nicht mehr können). Fiel mir gerade dazu ein.

    - Womit machen wir denn weiter, damit wir uns nicht so verzetteln ? ;)

  • Die Koordination des motorischen Körpers mit den Dingen und deren Abfolge funktioniert genau nur solange, wie wir sie, unbewußt, unaufmerksam, mechanisch ausführen. Das reflexive/gewahrende Moment vernichtet die Fähigkeit mit einem Schlage. Zumindest scheint es zunächst so, am Ende gelingt es meist doch, den synthetisierten Vorgang auseinanderzudividieren.


    Ja, die "schlagartige" "Vernichtung" des intuitiven Könnens tritt nur anfangs auf. Man muss sich auf eine ungewohnte Weise umorientieren und verliert den Faden. Hinzu kommt, dass man das gekonnte Handlungsschema nicht nur ausführt, weil man den Wagen beschleunigen will, sondern es dient dabei gleichzeitig Demonstrations- bzw. Analysezwecken. Und das verändert die Sache, macht sie "an sich" komplizierter. Aber wie Du ganz richtig sagst: mit ein bisschen Probieren klappt dann auch die analytische Zerlegung. D.h. auch das ist etwas, das man lernen, üben, perfektionieren kann, bis es "reibungslos" "funktioniert".

    Für einen übenden Musiker und Musiklehrer ist eine solche Zerlegung von "automatisierten" Bewegungsabläufen das tägliche Brot. - Z.B. kommt es vor, dass man ein Stück, das man zu beherrschen meint, durchspielt und bemerkt, dass an einer Stelle etwas nicht so glatt geht, wie man glaubte. Vielleicht hört man, dass in einer schnellen Passage die falschen Töne hervorgehoben sind. Macht man sich nun daran, diese Störung zu beheben, kann es sein, dass man mit kleinen Ausbesserungen nicht hinkommt, sondern die ganze Passage wieder von Grund auf neu einstudieren muss - mit anderem Fingersatz und folglich auch anderen Hand- und Armbewegungen. - Besonders bei Stücken, die man vielleicht 10 oder mehr Jahre nicht mehr gespielt hat, kann es gut sein, dass sozusagen kein Stein mehr auf dem anderen bleibt und man wieder ganz neu ansetzen muss. Aber der Lohn dabei ist: Es geht sehr viel schneller als beim ersten Einstudieren, man "entdeckt" das Stück neu, hört es "tiefer" und intensiver und - stellt mit Genugtuung fest, welche musikalischen und spieltechnischen Fortschritte man seit damals doch gemacht hat.

    Anderes Beispiel: Ein Schüler hat mit einer bestimmten Stelle Probleme. Meist sehe ich auf den ersten Blick, wo es hakt. Aber es kommt auch vor, dass ich die Stelle erst selbst durchspielen muss, um herauszufinden, wie ich es eigentlich mache. Ausgehend von diesem Vergleich meiner Bewegungen mit denen des Schülers kann ich dann schrittweise zeigen, wie sich sein Bewegungsablauf verbessern lässt.

    (Sportler werden mit ihren Bewegungen ganz ähnliche Erfahrungen machen.)

    Manche Menschen schrecken vor der analytischen Zerlegung von Kunst zurück. Sie befürchten, dass dadurch das Erlebnis "zerredet" oder sonstwie kaputt gemacht würde. Und es gibt Lebensbereiche, die gewissermaßen mit einem Zerlegungs- und Optimierungsverbot belegt zu sein scheinen. Für viele scheint das z.B. die Liebesbeziehung und der Sex zu sein. Die Vorstellung, dass man an Liebe und Sex "arbeiten" könne, damit sie besser "funktionieren", hat intuitiv etwas Befremdliches. Die Einstellung, dass auf diesem Feld entweder alles "von selbst" gelingen müsse oder man "passe einfach nicht zusammen", ist doch sehr verbreitet...

  • Die Koordination des motorischen Körpers mit den Dingen und deren Abfolge funktioniert genau nur solange, wie wir sie, unbewußt, unaufmerksam, mechanisch ausführen. Das reflexive/gewahrende Moment vernichtet die Fähigkeit mit einem Schlage. Zumindest scheint es zunächst so, am Ende gelingt es meist doch, den synthetisierten Vorgang auseinanderzudividieren.


    Ja, die "schlagartige" "Vernichtung" des intuitiven Könnens tritt nur anfangs auf. Man muss sich auf eine ungewohnte Weise umorientieren und verliert den Faden. Hinzu kommt, dass man das gekonnte Handlungsschema nicht nur ausführt, weil man den Wagen beschleunigen will, sondern es dient dabei gleichzeitig Demonstrations- bzw. Analysezwecken. Und das verändert die Sache, macht sie "an sich" komplizierter. Aber wie Du ganz richtig sagst: mit ein bisschen Probieren klappt dann auch die analytische Zerlegung. D.h. auch das ist etwas, das man lernen, üben, perfektionieren kann, bis es "reibungslos" "funktioniert".

    Für einen übenden Musiker und Musiklehrer ist eine solche Zerlegung von "automatisierten" Bewegungsabläufen das tägliche Brot. - Z.B. kommt es vor, dass man ein Stück, das man zu beherrschen meint, durchspielt und bemerkt, dass an einer Stelle etwas nicht so glatt geht, wie man glaubte. Vielleicht hört man, dass in einer schnellen Passage die falschen Töne hervorgehoben sind. Macht man sich nun daran, diese Störung zu beheben, kann es sein, dass man mit kleinen Ausbesserungen nicht hinkommt, sondern die ganze Passage wieder von Grund auf neu einstudieren muss - mit anderem Fingersatz und folglich auch anderen Hand- und Armbewegungen. - Besonders bei Stücken, die man vielleicht 10 oder mehr Jahre nicht mehr gespielt hat, kann es gut sein, dass sozusagen kein Stein mehr auf dem anderen bleibt und man wieder ganz neu ansetzen muss. Aber der Lohn dabei ist: Es geht sehr viel schneller als beim ersten Einstudieren, man "entdeckt" das Stück neu, hört es "tiefer" und intensiver und - stellt mit Genugtuung fest, welche musikalischen und spieltechnischen Fortschritte man seit damals doch gemacht hat.

    Anderes Beispiel: Ein Schüler hat mit einer bestimmten Stelle Probleme. Meist sehe ich auf den ersten Blick, wo es hakt. Aber es kommt auch vor, dass ich die Stelle erst selbst durchspielen muss, um herauszufinden, wie ich es eigentlich mache. Ausgehend von diesem Vergleich meiner Bewegungen mit denen des Schülers kann ich dann schrittweise zeigen, wie sich sein Bewegungsablauf verbessern lässt.

    (Sportler werden mit ihren Bewegungen ganz ähnliche Erfahrungen machen.)

    Manche Menschen schrecken vor der analytischen Zerlegung von Kunst zurück. Sie befürchten, dass dadurch das Erlebnis "zerredet" oder sonstwie kaputt gemacht würde. Und es gibt Lebensbereiche, die gewissermaßen mit einem Zerlegungs- und Optimierungsverbot belegt zu sein scheinen. Für viele scheint das z.B. die Liebesbeziehung und der Sex zu sein. Die Vorstellung, dass man an Liebe und Sex "arbeiten" könne, damit sie besser "funktionieren", hat intuitiv etwas Befremdliches. Die Einstellung, dass auf diesem Feld entweder alles "von selbst" gelingen müsse oder man "passe einfach nicht zusammen", ist doch sehr verbreitet...

  • Quote from echtjetzt


    Hm.... wie Du sagtest, sind wir vom leiblichen Raum und vom leiblichen Ganzort hierher gekommen. Den Begriff der "primitiven Gegenwart" hatte ich noch gar nicht so konkret auf der Liste. Was ich sagen wollte, war, dass es weitere Erfahrungen dieser Art gibt / geben muss außer der Schreckerfahrung (auch wenn wir noch kein anderes Beispiel herangezogen haben). Woraufhin Du ebenfalls sagst, diese Erlebnisse seien nicht immer von dieser Intensität und auf die "primitive Gegenwart" zeigst.


    Ich sehe es so, daß Schmitz seine Theorie vom Leib über den Raum und dann die Gefühle bis zur Entstehung ... oder besser wohl, bis zum Phänomen des Ich-Bewußtseins darlegt. Was er im Text nacheinander und gesondert abhandelt, das gehört tatsächlich aber zeitlich, existentiell und systematisch zusammen. Das heißt, jedes Leibspüren in jedem Moment des Lebens ist durch das, was Schmitz primitive Gegenwart nennt, gekennzeichnet. Ich meine daher, daß es egal ist, ob wir über den Schreck oder den Schmerz oder die Verliebtheit oder unspektakuläre(re) Spür-Ereignisse reden, der Vorgang ist immer derselbe (dergleiche?). Leibliche Regung, Fühlen, Ich-Evidenz. Wie Alltag nebenan im "Begleitthread" gemeint hat, die primitive Gegenwart ist die Situation (umgangssprachlich gebraucht), die unserer Fähigkeit Ortsraum, Zeit und selbstbeschreibendes Ich zu entwickeln, zugrundeliegt.

    Ich möchte diese Bemerkung nur als Einschub verstanden wissen, weil ich meine, daß die Spür-Bestandteile, die Schmitz Schritt für Schritt bearbeitet, am Ende wieder zusammengefügt werden müssen, da die leiblichen Regungen, das affektive Betroffensein, die Ich-Evidenz (ich, hier, jetzt) lediglich verschiedene Aspekte des Spürens darstellen, die im Spürmoment allerdings in eins fallen. Ob ich Schmitz zutreffend wiedergebe, das möchte ich nicht beschwören. 8) Deine Nachfrage, echtjetzt, hat mich zu dieser Schlußfolgerung gebracht. Ich finde sie insofern nicht ganz unwichtig als sie -zumindest mir- klar macht, daß die Erörterung der einzelnen Komponenten nicht bedeutet, jeweils das Ganze schon zu erfassen.

    Vielleicht resultiert übrigens eine der Schwierigkeiten beim Schmitz-Verstehen daraus, daß er mit Beispielen arbeitet (wie dem Schreck). An jedem Beispiel erläutert er einen Ausschnitt, einen Teil des Leib-Funktionierens, wobei sich die Teile immer weiter verästeln. Mich irritiert das oft, weil mir unklar ist, ob ich dieses Beispiel mit dieser speziellen Form der Spannung, für die Schmitz einen ganz speziellen Ausdruck ersinnt, verallgemeinern darf- und soll, oder ob Schmitz die jeweilige Spürbeschreibung genau auch nur dem jeweiligen Beispiel vorbehalten wissen möchte.

  • Quote from echtjetzt


    Hm.... wie Du sagtest, sind wir vom leiblichen Raum und vom leiblichen Ganzort hierher gekommen. Den Begriff der "primitiven Gegenwart" hatte ich noch gar nicht so konkret auf der Liste. Was ich sagen wollte, war, dass es weitere Erfahrungen dieser Art gibt / geben muss außer der Schreckerfahrung (auch wenn wir noch kein anderes Beispiel herangezogen haben). Woraufhin Du ebenfalls sagst, diese Erlebnisse seien nicht immer von dieser Intensität und auf die "primitive Gegenwart" zeigst.


    Ich sehe es so, daß Schmitz seine Theorie vom Leib über den Raum und dann die Gefühle bis zur Entstehung ... oder besser wohl, bis zum Phänomen des Ich-Bewußtseins darlegt. Was er im Text nacheinander und gesondert abhandelt, das gehört tatsächlich aber zeitlich, existentiell und systematisch zusammen. Das heißt, jedes Leibspüren in jedem Moment des Lebens ist durch das, was Schmitz primitive Gegenwart nennt, gekennzeichnet. Ich meine daher, daß es egal ist, ob wir über den Schreck oder den Schmerz oder die Verliebtheit oder unspektakuläre(re) Spür-Ereignisse reden, der Vorgang ist immer derselbe (dergleiche?). Leibliche Regung, Fühlen, Ich-Evidenz. Wie Alltag nebenan im "Begleitthread" gemeint hat, die primitive Gegenwart ist die Situation (umgangssprachlich gebraucht), die unserer Fähigkeit Ortsraum, Zeit und selbstbeschreibendes Ich zu entwickeln, zugrundeliegt.

    Ich möchte diese Bemerkung nur als Einschub verstanden wissen, weil ich meine, daß die Spür-Bestandteile, die Schmitz Schritt für Schritt bearbeitet, am Ende wieder zusammengefügt werden müssen, da die leiblichen Regungen, das affektive Betroffensein, die Ich-Evidenz (ich, hier, jetzt) lediglich verschiedene Aspekte des Spürens darstellen, die im Spürmoment allerdings in eins fallen. Ob ich Schmitz zutreffend wiedergebe, das möchte ich nicht beschwören. 8) Deine Nachfrage, echtjetzt, hat mich zu dieser Schlußfolgerung gebracht. Ich finde sie insofern nicht ganz unwichtig als sie -zumindest mir- klar macht, daß die Erörterung der einzelnen Komponenten nicht bedeutet, jeweils das Ganze schon zu erfassen.

    Vielleicht resultiert übrigens eine der Schwierigkeiten beim Schmitz-Verstehen daraus, daß er mit Beispielen arbeitet (wie dem Schreck). An jedem Beispiel erläutert er einen Ausschnitt, einen Teil des Leib-Funktionierens, wobei sich die Teile immer weiter verästeln. Mich irritiert das oft, weil mir unklar ist, ob ich dieses Beispiel mit dieser speziellen Form der Spannung, für die Schmitz einen ganz speziellen Ausdruck ersinnt, verallgemeinern darf- und soll, oder ob Schmitz die jeweilige Spürbeschreibung genau auch nur dem jeweiligen Beispiel vorbehalten wissen möchte.

  • Quote from Hermeneuticus

    Die "leibliche Dynamik" etwa wird so dargestellt, dass sie insgesamt auf den Gegensatz Enge - Weite bzw. Spannung - Schwellung bezogen bleibt. Und Schmitz scheint nicht nur zu beanspruchen, dass sich die leiblichen Regungen anhand dieses Leitfadens am besten, angemessensten, überzeugendsten... darstellen lassen, sondern dass sie damit auch erschöpfend - also vollständig - zu erfassen sind.


    Ich glaube, jetzt ist der Groschen bei mir gefallen. Du meinst das, was ich Beispielfälle genannt habe. Läßt sich ein Phänomen unter Spannung und Schwellung nicht unterbringen, dann wird es zur privativen Engung oder Weitung usf. Dieses Vorgehen bezeichnest Du als terminologische "Panzerung" des Leibes.

  • Quote from Hermeneuticus

    Die "leibliche Dynamik" etwa wird so dargestellt, dass sie insgesamt auf den Gegensatz Enge - Weite bzw. Spannung - Schwellung bezogen bleibt. Und Schmitz scheint nicht nur zu beanspruchen, dass sich die leiblichen Regungen anhand dieses Leitfadens am besten, angemessensten, überzeugendsten... darstellen lassen, sondern dass sie damit auch erschöpfend - also vollständig - zu erfassen sind.


    Ich glaube, jetzt ist der Groschen bei mir gefallen. Du meinst das, was ich Beispielfälle genannt habe. Läßt sich ein Phänomen unter Spannung und Schwellung nicht unterbringen, dann wird es zur privativen Engung oder Weitung usf. Dieses Vorgehen bezeichnest Du als terminologische "Panzerung" des Leibes.

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