Angeborene Moral?

  • Die herrschende Lehrmeinung besagt, dass alle moralischen Normen ausschließlich auf gesellschaftliche Einflüsse zurückzuführen sind .Nun gibt es aber Experimente mit Kleikindern, die das bezweifeln lassen:

    Der Experimentator ließ vor den Kinden einen Gegenstand fallen und tat so ,als ob er diesen ergreifen wollte, aber nicht konnte .Darauhin nahm das Kind den Gegenstand und gab ihn dem Expermentator? Ist das nicht ein eindeutiger Beweis für eine angeborene Hilsbereitschaft? Ich denke ja ,aber nur ,wenn sich ausschließen lässt,dass es sich hier um eine erlernte Reaktion oder einen Nachahmungseffekt handelt. Weiß jemand näheres zu den Rahmenbedigungen dieser Experimente?

  • Die herrschende Lehrmeinung besagt, dass alle moralischen Normen ausschließlich auf gesellschaftliche Einflüsse zurückzuführen sind .Nun gibt es aber Experimente mit Kleikindern, die das bezweifeln lassen:

    Der Experimentator ließ vor den Kinden einen Gegenstand fallen und tat so ,als ob er diesen ergreifen wollte, aber nicht konnte .Darauhin nahm das Kind den Gegenstand und gab ihn dem Expermentator? Ist das nicht ein eindeutiger Beweis für eine angeborene Hilsbereitschaft? Ich denke ja ,aber nur ,wenn sich ausschließen lässt,dass es sich hier um eine erlernte Reaktion oder einen Nachahmungseffekt handelt. Weiß jemand näheres zu den Rahmenbedigungen dieser Experimente?

  • Natur und Moral
    Die Wende im Denken über die menschliche Moral, die mit Hutcheson und Darwin
    begann, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Moral ist in nicht unbeträchtlichem
    Maße das Produkt biologischer, selbstorganisierter und emotionaler Prozesse.
    Die Evolution bildete emotionale, instinkthafte Reaktionen auf Verhaltensweisen
    heraus, die uns befähigen, uns moralisch zu verhalten. Moral greift auf Mechanismen
    zurück, die tief in unserer Natur verankert sind. So wie unser Körper und
    unser Gehirn »Bausteine« enthalten, die Sinneswahrnehmung ermöglichen, so
    besitzen wir von Natur aus Bausteine der Moralität. Moralische Prozesse sind
    genauso physisch wie die sinnlichen, sind genauso natürlich wie Sehen oder Hören

    und funktionieren genauso schnell wie unsere Wahrnehmung. Insofern verfügen
    Menschen tatsächlich über ein moralisches Organ, allerdings nur im übertragenen
    Sinn. Wir brauchen Moralität nicht als etwas ausschließlich »Übersinnliches« aufzufassen,
    etwas, das nur durch Kultur, Ideologie und Religion entsteht und das Verstandeskräft
    e, Abstraktionsvermögen und Sprache voraussetzt. Moralität steht nicht
    zur Disposition, sondern sie gehört zur Grundausstattung des Menschen.

    zitat aus:

    Jan Verplaetse, Der moralische Instinkt, Über den natürlichen Ursprung unserer Moral

    Leseprobe hier

  • Natur und Moral
    Die Wende im Denken über die menschliche Moral, die mit Hutcheson und Darwin
    begann, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Moral ist in nicht unbeträchtlichem
    Maße das Produkt biologischer, selbstorganisierter und emotionaler Prozesse.
    Die Evolution bildete emotionale, instinkthafte Reaktionen auf Verhaltensweisen
    heraus, die uns befähigen, uns moralisch zu verhalten. Moral greift auf Mechanismen
    zurück, die tief in unserer Natur verankert sind. So wie unser Körper und
    unser Gehirn »Bausteine« enthalten, die Sinneswahrnehmung ermöglichen, so
    besitzen wir von Natur aus Bausteine der Moralität. Moralische Prozesse sind
    genauso physisch wie die sinnlichen, sind genauso natürlich wie Sehen oder Hören

    und funktionieren genauso schnell wie unsere Wahrnehmung. Insofern verfügen
    Menschen tatsächlich über ein moralisches Organ, allerdings nur im übertragenen
    Sinn. Wir brauchen Moralität nicht als etwas ausschließlich »Übersinnliches« aufzufassen,
    etwas, das nur durch Kultur, Ideologie und Religion entsteht und das Verstandeskräft
    e, Abstraktionsvermögen und Sprache voraussetzt. Moralität steht nicht
    zur Disposition, sondern sie gehört zur Grundausstattung des Menschen.

    zitat aus:

    Jan Verplaetse, Der moralische Instinkt, Über den natürlichen Ursprung unserer Moral

    Leseprobe hier

  • Weiß jemand näheres zu den Rahmenbedigungen dieser Experimente?


    Nein, zu diesem speziellen Experiment weiß ich nichts genaueres. Dieses kleine Buch von Tomasello ist jedoch ein passender Tipp:

    Quote from Tomasello

    [Blocked Image: http://hpd.de/files/imagecac…kooperieren.jpg]

    „Konkret werde ich Argumente und Nachweise dafür präsentieren, dass Kinder ungefähr von ihrem ersten Geburtstag an – wenn sie zu laufen und zu sprechen beginnen und zu wirklich kulturgeprägten Wesen werden – schon in vielen, wenn auch ganz offensichtlich nicht in allen Situationen hilfsbereit und kooperativ sind. Dieses Verhalten ist nicht von Erwachsenen abgeschaut, sondern kommt ganz natürlich zum Vorschein (...). Im Laufe ihrer weiteren Entwicklung wird diese relativ uneingeschränkte Kooperationsbereitschaft der Kinder jedoch durch verschiedene Einflüsse verändert, etwa durch die zu erwartende Reziprozität und ihre Sorge um ihre Beurteilung durch andere Gruppenmitglieder, was wiederum von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der menschlichen Kooperativität per se war“ (S. 19f.).


    Zitiert nach: http://hpd.de/node/10797

  • Weiß jemand näheres zu den Rahmenbedigungen dieser Experimente?


    Nein, zu diesem speziellen Experiment weiß ich nichts genaueres. Dieses kleine Buch von Tomasello ist jedoch ein passender Tipp:

    Quote from Tomasello

    [Blocked Image: http://hpd.de/files/imagecac…kooperieren.jpg]

    „Konkret werde ich Argumente und Nachweise dafür präsentieren, dass Kinder ungefähr von ihrem ersten Geburtstag an – wenn sie zu laufen und zu sprechen beginnen und zu wirklich kulturgeprägten Wesen werden – schon in vielen, wenn auch ganz offensichtlich nicht in allen Situationen hilfsbereit und kooperativ sind. Dieses Verhalten ist nicht von Erwachsenen abgeschaut, sondern kommt ganz natürlich zum Vorschein (...). Im Laufe ihrer weiteren Entwicklung wird diese relativ uneingeschränkte Kooperationsbereitschaft der Kinder jedoch durch verschiedene Einflüsse verändert, etwa durch die zu erwartende Reziprozität und ihre Sorge um ihre Beurteilung durch andere Gruppenmitglieder, was wiederum von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der menschlichen Kooperativität per se war“ (S. 19f.).


    Zitiert nach: http://hpd.de/node/10797


  • Ja,die Moral ist Produkt biologischer,selbstorganisierter ,emotionaler Prozesse. Aber damit sind diese Prozesse selbst doch noch keine Moral,sie sind lediglich die Grundlagen für die Herausbildung einer Moral,denn:

    Unter Moral verstehe ich Wertvorstellungen ,die die Handlungen des Menschen nach gut und böse ordnen. Moral ist also urteilendes Denken. In diesem Sinne haben z.B. niedere Tiere ,die einander helfen (z.B. Ameisen) keine Moral.

    Edited once, last by Riha (October 3, 2012 at 11:31 AM).


  • Ja,die Moral ist Produkt biologischer,selbstorganisierter ,emotionaler Prozesse. Aber damit sind diese Prozesse selbst doch noch keine Moral,sie sind lediglich die Grundlagen für die Herausbildung einer Moral,denn:

    Unter Moral verstehe ich Wertvorstellungen ,die die Handlungen des Menschen nach gut und böse ordnen. Moral ist also urteilendes Denken. In diesem Sinne haben z.B. niedere Tiere ,die einander helfen (z.B. Ameisen) keine Moral.

    Edited once, last by Riha (October 3, 2012 at 11:31 AM).


  • Nein, zu diesem speziellen Experiment weiß ich nichts genaueres. Dieses kleine Buch von Tomasello ist jedoch ein passender Tipp:

    Danke , ich werde versuchen,mir das Buch zu besorgen. Mich interessiert vor allen der Nachweis zu der Behauptung ,dass die Hilfsbereitschaft der Kinder nicht von Erwachsenen abgeschaut wurde.


  • Nein, zu diesem speziellen Experiment weiß ich nichts genaueres. Dieses kleine Buch von Tomasello ist jedoch ein passender Tipp:

    Danke , ich werde versuchen,mir das Buch zu besorgen. Mich interessiert vor allen der Nachweis zu der Behauptung ,dass die Hilfsbereitschaft der Kinder nicht von Erwachsenen abgeschaut wurde.

  • Ist das nicht sowieso die wahrscheinlichste Sache? Das Abgucken kann es jedenfalls nicht erklären, weil man damit den Anfang der Kette nicht erklären kann.

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    Bei dem Thema muss man sich wohl bei Schritt und Tritt vor Sein-Sollen-Fehlschlüssen hüten :)

  • Ist das nicht sowieso die wahrscheinlichste Sache? Das Abgucken kann es jedenfalls nicht erklären, weil man damit den Anfang der Kette nicht erklären kann.

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    Bei dem Thema muss man sich wohl bei Schritt und Tritt vor Sein-Sollen-Fehlschlüssen hüten :)

  • Der Experimentator ließ vor dem Kind einen Gegenstand fallen und tat so ,als ob er diesen ergreifen wollte, aber nicht konnte. Daraufhin nahm das Kind den Gegenstand und gab ihn dem Experimentator. Ist das nicht ein eindeutiger Beweis für eine angeborene Hilfsbereitschaft?


    Keineswegs. Naheliegender ist, dass das Kind mit seiner Handlung einen Machtvollzug geleistet hat. Wir als Auslegende sind es, die hier die Moral der Hilfsbereitschaft hineininterpretieren.

  • Der Experimentator ließ vor dem Kind einen Gegenstand fallen und tat so ,als ob er diesen ergreifen wollte, aber nicht konnte. Daraufhin nahm das Kind den Gegenstand und gab ihn dem Experimentator. Ist das nicht ein eindeutiger Beweis für eine angeborene Hilfsbereitschaft?


    Keineswegs. Naheliegender ist, dass das Kind mit seiner Handlung einen Machtvollzug geleistet hat. Wir als Auslegende sind es, die hier die Moral der Hilfsbereitschaft hineininterpretieren.

  • Ist das nicht sowieso die wahrscheinlichste Sache? Das Abgucken kann es jedenfalls nicht erklären, weil man damit den Anfang der Kette nicht erklären kann.

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    Den Anfang der Kette ,die zur Moral führt, könnte auch in Folgendem bestehen:

    Irgendjemandem in der Urgesellschaft kam erstmalig die Idee, eine moralische Norm zu setzen,sie bewährte sich und wird deshalb seitdem durch Erziehung/Vorbildwirkung von Generation zu Generation weiter gegeben. Das Keinkind hat bei seinem hilfsbereiten Verhalten nur abgeguckt, Moral kommt erst später mit der Fähigkeit zum moralischen Werten.

  • Ist das nicht sowieso die wahrscheinlichste Sache? Das Abgucken kann es jedenfalls nicht erklären, weil man damit den Anfang der Kette nicht erklären kann.

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    Den Anfang der Kette ,die zur Moral führt, könnte auch in Folgendem bestehen:

    Irgendjemandem in der Urgesellschaft kam erstmalig die Idee, eine moralische Norm zu setzen,sie bewährte sich und wird deshalb seitdem durch Erziehung/Vorbildwirkung von Generation zu Generation weiter gegeben. Das Keinkind hat bei seinem hilfsbereiten Verhalten nur abgeguckt, Moral kommt erst später mit der Fähigkeit zum moralischen Werten.


  • Keineswegs. Naheliegender ist, dass das Kind mit seiner Handlung einen Machtvollzug geleistet hat.

    Ein Machtvollzug ist doch eine Zwangsausübung gegenüber einem anderen Menschen. Ich kann es beim besten Willen nicht als Zwangsausübung interpretieren,wenn das Kind dem Experimentator hilft.


  • Keineswegs. Naheliegender ist, dass das Kind mit seiner Handlung einen Machtvollzug geleistet hat.

    Ein Machtvollzug ist doch eine Zwangsausübung gegenüber einem anderen Menschen. Ich kann es beim besten Willen nicht als Zwangsausübung interpretieren,wenn das Kind dem Experimentator hilft.

  • Ein Machtvollzug ist doch eine Zwangsausübung gegenüber einem anderen Menschen.


    Nein. Das Heben des Arms ist ein Machtvollzug. Einen anderen Menschen mittels Argumenten von etwas zu überzeugen ebenfalls. Macht hat nicht unbedingt mit Zwang zu tun. Auch hier, scheint mir, hat sich in der Betrachtungsweise des Begriffes "Macht" eine (falsche) Moral eingeschlichen.

  • Ein Machtvollzug ist doch eine Zwangsausübung gegenüber einem anderen Menschen.


    Nein. Das Heben des Arms ist ein Machtvollzug. Einen anderen Menschen mittels Argumenten von etwas zu überzeugen ebenfalls. Macht hat nicht unbedingt mit Zwang zu tun. Auch hier, scheint mir, hat sich in der Betrachtungsweise des Begriffes "Macht" eine (falsche) Moral eingeschlichen.

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