Intentionalität

  • Hallo!

    Der Ausdruck "Intentionalität", der in der "Philosophie des Geistes" oder "Philosophy of Mind" eine zentrale Rolle spielt, geht zurück auf Franz Brentano. In seiner "Psychologie vom empirischen Standpunkte" (Leipzig 1874) hat er die psychischen Phänomene unter diesem Begriff zusammengefasst und sie den physischen Phänomenen gegenüber gestellt.

    Schon in den Überschriften seiner Abhandlung deutet sich an, dass seine empirische Psychologie in einer teils cartesianischen, teils empiristischen Tradition steht:



    Liest man allein diese Überschriften, die ja z.T. schon starke Thesen formulieren, so muss man sich eigentlich wundern, wieso sich Brentanos Theorie heute immer noch so großer Anerkennung erfreut, und das auch bei solchen Philosophen, die sich einer "Naturalisierung" der Intentionalität bzw. des "Geistes" insgesamt verschrieben haben. Denn Brentanos "empirischer Standpunkt" nimmt nicht nur eine dualistische Aufspaltung aller Phänomene in psychische und physische (=ausgedehnte) vor - und folgt darin Descartes -, er macht auch das "innere Bewusstsein" zur Grundlage der gesamten Empirie: "Physische Phänomene können nur phänomenal, psychische auch in Wirklichkeit existieren." Die "Wirklichkeit", die Brentano meint, kann mit der Wirklichkeit der Naturalisten wenig gemein haben.

    Ausgangspunkt ist das Bewusstsein, das sich durch "innere Wahrnehmung" gegenwärtig ist. In nachrangiger Weise und nur mittelbar (über "äußere Wahrnehmung" und "nur phänomenal") ist diesem Bewusstsein die physische Welt zugänglich. Das Bewusstsein ist klarer Weise nicht nur Gegenstand der Betraachtung, sondern auch deren Subjekt, und damit auch das Subjekt der Wissenschaft namens "Empirische Psychologie".
    Die physische Welt - wenn man denn im Sinne Brentanos überhaupt von einer solchen sprechen kann - ist dem Subjekt nur vermöge seiner psychischen Zustände zugänglich. Und hier kommt eben deren "Intentionalität" ins Spiel, also ihre "Beziehung auf Objekte". Psychische Phänomene zeichnen sich nach Brentano dadurch aus, dass sie auf etwas "gerichtet" sind, dass sie "von" etwas handeln oder etwas anstreben. (Dass übrigens nicht alle psychischen Phänomene das Merkmal "auf etwas gerichtet" aufweisen, wurde schon bald kritisiert, u.a. auch von Husserl.)
    Dabei ist es ein untergeordneter Umstand, ob das intendierte Etwas qua Wahrnehmung gegenwärtig ist, ob es fantasiert oder gedacht wird. Der Sammelbegriff für die psychischen Phänomene ist die "Vorstellung" (die "idea" Lockes und anderer Empiristen).

    Quote

    "(...) (I)ch verstehe hier unter Vorstellung nicht das, was vorgestellt wird, sondern den Act des Vorstellens. Also das Hören eines Tones, das Sehen eines farbigen Gegenstandes, das Empfinden von Warm oder Kalt, so wie die ähnlichen Phantasiezustände sind Beispiele, wie ich sie meine; ebenso aber auch das Denken eines allgemeinen Begriffes, wenn anders ein solches wirklich vorkommt. Ferner jedes Urtheil, jede Erinnerung, jede Erwartung, jede Folgerung, jede Überzeugung oder Meinung, jeder Zweifel - ist ein psychisches Phänomen. Und wiederum ist ein solches jede Gemüthsbewegung, Freude, Traurigkeit, Furcht, Hoffnung, Muth, Verzagen, Zorn, Liebe, Hass, Begierde, Willen, Absicht, Staunen, Bewunderung, Verachtung u.s.w." (a.a.O. S. 103)

    "Dieses Vorstellen bildet die Grundlage des Urtheilens nicht bloss, sondern ebenso des Begehrens, sowie jedes anderen psychischen Actes. Nichts kann beurtheilt, nichts kann aber auch begehrt, nichts kann gehofft oder gefürchtet werden, wenn es nicht vorgestellt wird. So umfasst die gegebene Bestimmung alle eben angeführten Beispiele psychischer Phänomene und überhaupt alle zu diesem Gebiete gehörigen Erscheinungen. (S. 104)

    Mich lässt die Einsortierung des Denkens, Urteilens, Folgerns in die Klasse der psychischen Phänomene aufzucken. Aber da dürfte ich wohl nicht der einzige sein. Auch Husserl dürfte hier gezuckt haben, Kant sicherlich auch, wenn er denn Brentano hätte lesen können. Aber an dieser Stelle wird absehbar, wieso Brentanos Lehre von der Intentionalität des Psychischen für naturalistische Theoretiker des "Geistes" noch attraktiv ist. Das Begriffliche, Logische, Inferentielle, das Urteilen und Folgern wird eben grundsätzlich als etwas Psychisches und damit nur "Inneres" und "Subjektives" behandelt. Der Gehalt eines Begriffs wäre also nach Brentano ein gegebenes Einzelnes - ein psychischer Akt bzw. eine Vorstellung -, und damit nichts, das sich teilen bzw. mitteilen ließe.

    Ich will die klassische Stelle, auf die man sich bis heute affirmativ bezieht, wenn von "Intentionalität" gesprochen wird, nicht übergehen:

    Quote

    Jedes psychische Phänomen ist dadurch charakterisiert, was die Scholastiker des Mittelalters die intentionale (auch wohl mentale) Inexistenz eines Gegenstandes genannt haben, und was wir, obwohl mit nicht ganz unzweideutigen Ausdrücken, die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt (worunter hier nicht Realität zu verstehen ist), oder die immanente Gegenständlichkeit nennen würden. Jedes enthält etwas als Objekt in sich, obwohl nicht jedes in gleicher Weise. In der Vorstellung ist etwas vorgestellt, in dem Urtheile ist etwas anerkannt oder verworfen, in der Liebe geliebt, in dem Hasse gehasst, in dem Begehren begehrt u.s.w.

    Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschliesslich eigenthümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches. Und somit können wir die psychischen Phänomene definiren, indem wir sagen, sie seien solche Phänomene, welche intentional einen Gegenstand in sich enthalten. (S. 115f.)

    Sehr wichtig auch, was B. über das zweite Merkmal der psychischen Phänomene ausmacht, dass sie nämlich nur "in innerem Bewusstsein wahrgenommen werden", im Gegensatz zu den physischen Phänomenen, die nur der "äußeren Wahrnehmung" zugänglich sind:

    Quote

    Wenn wir also sagen, die psychischen Phänomene seien diejenigen, welche durch innere Wahrnehmung erfasst werden, so ist damit gesagt, dass ihre Wahrnehmung unmittelbar evident sei.
    Ja noch mehr! Die innere Wahrnehmung ist nicht bloss die einzige unmittelbar evidente; sie ist eigentlich die einzige Wahrnehmung im eigentlichen Sinne des Wortes. Haben wir doch gesehen, dass die Phänomene der sogenannten äusseren Wahrnehmung auch auf dem Wege mittelbarer Begründung sich keineswegs als wahr und wirklich erweisen lassen; ja dass der, welcher vertrauend sie für das nahm, wofür sie sich boten, durch den Zusammenhang der Erscheinungen des Irrthums überführt wird. Die sogenannte äussere Wahrnehmung ist also strenggenommen nicht eine Wahrnehmung; und die psychischen Phänomene können somit als diejenigen bezeichnet werden, in Betreff deren allein eine Wahrnehmung im eigentlichen Sinne möglich ist. (S. 119)

    Wir können ebenso gut sagen, [die psychischen Phänomene] seien diejenigen Phänomene, welchen allein ausser der intentionalen auch eine wirkliche Existenz zukomme. Erkenntnis, Freude, Begierde bestehen wirklich; Farbe, Ton, Wärme nur phänomenal und intentional. (S. 120)

    Das sind nun freilich starke Thesen. Allerdings sind sie alles andere als orginell. Brentano folgt hier dem cartesianisch-empiristischen Projekt, das Wissen von der Welt ausgehend vom Bewusstsein aufzubauen. Vom in sich eingekapselten Bewusstsein, das primär sich selbst evident gegenwärtig und darin zugleich das Fundament der Wirklichkeit schlechthin ist. Die Wirklichkeit der physischen Phänomene bleibt nur eine abgeleitete, und nur indirekt zugängliche. Physische Gegenstände sind (für uns) nur wirklich, insofern sie intentionaler Gegenstand unserer psychischen Akte oder Vorstellungen sind.


    So viel mag zur Einleitung genügen.

    Ich empfehle als "weiterführende Lektüre" den Aufsatz von Robert Brandom über Sellars und dessen Kritik des Empirismus. Der ist auf Deutsch hier bequem zugänglich.

    Wer dort etwa die Abschnitte II - IV liest, wird im Blick auf Brentano ein paar Wiedererkennungserlebnisse haben.


    Gruß,
    H.

  • Hallo!

    Der Ausdruck "Intentionalität", der in der "Philosophie des Geistes" oder "Philosophy of Mind" eine zentrale Rolle spielt, geht zurück auf Franz Brentano. In seiner "Psychologie vom empirischen Standpunkte" (Leipzig 1874) hat er die psychischen Phänomene unter diesem Begriff zusammengefasst und sie den physischen Phänomenen gegenüber gestellt.

    Schon in den Überschriften seiner Abhandlung deutet sich an, dass seine empirische Psychologie in einer teils cartesianischen, teils empiristischen Tradition steht:



    Liest man allein diese Überschriften, die ja z.T. schon starke Thesen formulieren, so muss man sich eigentlich wundern, wieso sich Brentanos Theorie heute immer noch so großer Anerkennung erfreut, und das auch bei solchen Philosophen, die sich einer "Naturalisierung" der Intentionalität bzw. des "Geistes" insgesamt verschrieben haben. Denn Brentanos "empirischer Standpunkt" nimmt nicht nur eine dualistische Aufspaltung aller Phänomene in psychische und physische (=ausgedehnte) vor - und folgt darin Descartes -, er macht auch das "innere Bewusstsein" zur Grundlage der gesamten Empirie: "Physische Phänomene können nur phänomenal, psychische auch in Wirklichkeit existieren." Die "Wirklichkeit", die Brentano meint, kann mit der Wirklichkeit der Naturalisten wenig gemein haben.

    Ausgangspunkt ist das Bewusstsein, das sich durch "innere Wahrnehmung" gegenwärtig ist. In nachrangiger Weise und nur mittelbar (über "äußere Wahrnehmung" und "nur phänomenal") ist diesem Bewusstsein die physische Welt zugänglich. Das Bewusstsein ist klarer Weise nicht nur Gegenstand der Betraachtung, sondern auch deren Subjekt, und damit auch das Subjekt der Wissenschaft namens "Empirische Psychologie".
    Die physische Welt - wenn man denn im Sinne Brentanos überhaupt von einer solchen sprechen kann - ist dem Subjekt nur vermöge seiner psychischen Zustände zugänglich. Und hier kommt eben deren "Intentionalität" ins Spiel, also ihre "Beziehung auf Objekte". Psychische Phänomene zeichnen sich nach Brentano dadurch aus, dass sie auf etwas "gerichtet" sind, dass sie "von" etwas handeln oder etwas anstreben. (Dass übrigens nicht alle psychischen Phänomene das Merkmal "auf etwas gerichtet" aufweisen, wurde schon bald kritisiert, u.a. auch von Husserl.)
    Dabei ist es ein untergeordneter Umstand, ob das intendierte Etwas qua Wahrnehmung gegenwärtig ist, ob es fantasiert oder gedacht wird. Der Sammelbegriff für die psychischen Phänomene ist die "Vorstellung" (die "idea" Lockes und anderer Empiristen).

    Quote

    "(...) (I)ch verstehe hier unter Vorstellung nicht das, was vorgestellt wird, sondern den Act des Vorstellens. Also das Hören eines Tones, das Sehen eines farbigen Gegenstandes, das Empfinden von Warm oder Kalt, so wie die ähnlichen Phantasiezustände sind Beispiele, wie ich sie meine; ebenso aber auch das Denken eines allgemeinen Begriffes, wenn anders ein solches wirklich vorkommt. Ferner jedes Urtheil, jede Erinnerung, jede Erwartung, jede Folgerung, jede Überzeugung oder Meinung, jeder Zweifel - ist ein psychisches Phänomen. Und wiederum ist ein solches jede Gemüthsbewegung, Freude, Traurigkeit, Furcht, Hoffnung, Muth, Verzagen, Zorn, Liebe, Hass, Begierde, Willen, Absicht, Staunen, Bewunderung, Verachtung u.s.w." (a.a.O. S. 103)

    "Dieses Vorstellen bildet die Grundlage des Urtheilens nicht bloss, sondern ebenso des Begehrens, sowie jedes anderen psychischen Actes. Nichts kann beurtheilt, nichts kann aber auch begehrt, nichts kann gehofft oder gefürchtet werden, wenn es nicht vorgestellt wird. So umfasst die gegebene Bestimmung alle eben angeführten Beispiele psychischer Phänomene und überhaupt alle zu diesem Gebiete gehörigen Erscheinungen. (S. 104)

    Mich lässt die Einsortierung des Denkens, Urteilens, Folgerns in die Klasse der psychischen Phänomene aufzucken. Aber da dürfte ich wohl nicht der einzige sein. Auch Husserl dürfte hier gezuckt haben, Kant sicherlich auch, wenn er denn Brentano hätte lesen können. Aber an dieser Stelle wird absehbar, wieso Brentanos Lehre von der Intentionalität des Psychischen für naturalistische Theoretiker des "Geistes" noch attraktiv ist. Das Begriffliche, Logische, Inferentielle, das Urteilen und Folgern wird eben grundsätzlich als etwas Psychisches und damit nur "Inneres" und "Subjektives" behandelt. Der Gehalt eines Begriffs wäre also nach Brentano ein gegebenes Einzelnes - ein psychischer Akt bzw. eine Vorstellung -, und damit nichts, das sich teilen bzw. mitteilen ließe.

    Ich will die klassische Stelle, auf die man sich bis heute affirmativ bezieht, wenn von "Intentionalität" gesprochen wird, nicht übergehen:

    Quote

    Jedes psychische Phänomen ist dadurch charakterisiert, was die Scholastiker des Mittelalters die intentionale (auch wohl mentale) Inexistenz eines Gegenstandes genannt haben, und was wir, obwohl mit nicht ganz unzweideutigen Ausdrücken, die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt (worunter hier nicht Realität zu verstehen ist), oder die immanente Gegenständlichkeit nennen würden. Jedes enthält etwas als Objekt in sich, obwohl nicht jedes in gleicher Weise. In der Vorstellung ist etwas vorgestellt, in dem Urtheile ist etwas anerkannt oder verworfen, in der Liebe geliebt, in dem Hasse gehasst, in dem Begehren begehrt u.s.w.

    Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschliesslich eigenthümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches. Und somit können wir die psychischen Phänomene definiren, indem wir sagen, sie seien solche Phänomene, welche intentional einen Gegenstand in sich enthalten. (S. 115f.)

    Sehr wichtig auch, was B. über das zweite Merkmal der psychischen Phänomene ausmacht, dass sie nämlich nur "in innerem Bewusstsein wahrgenommen werden", im Gegensatz zu den physischen Phänomenen, die nur der "äußeren Wahrnehmung" zugänglich sind:

    Quote

    Wenn wir also sagen, die psychischen Phänomene seien diejenigen, welche durch innere Wahrnehmung erfasst werden, so ist damit gesagt, dass ihre Wahrnehmung unmittelbar evident sei.
    Ja noch mehr! Die innere Wahrnehmung ist nicht bloss die einzige unmittelbar evidente; sie ist eigentlich die einzige Wahrnehmung im eigentlichen Sinne des Wortes. Haben wir doch gesehen, dass die Phänomene der sogenannten äusseren Wahrnehmung auch auf dem Wege mittelbarer Begründung sich keineswegs als wahr und wirklich erweisen lassen; ja dass der, welcher vertrauend sie für das nahm, wofür sie sich boten, durch den Zusammenhang der Erscheinungen des Irrthums überführt wird. Die sogenannte äussere Wahrnehmung ist also strenggenommen nicht eine Wahrnehmung; und die psychischen Phänomene können somit als diejenigen bezeichnet werden, in Betreff deren allein eine Wahrnehmung im eigentlichen Sinne möglich ist. (S. 119)

    Wir können ebenso gut sagen, [die psychischen Phänomene] seien diejenigen Phänomene, welchen allein ausser der intentionalen auch eine wirkliche Existenz zukomme. Erkenntnis, Freude, Begierde bestehen wirklich; Farbe, Ton, Wärme nur phänomenal und intentional. (S. 120)

    Das sind nun freilich starke Thesen. Allerdings sind sie alles andere als orginell. Brentano folgt hier dem cartesianisch-empiristischen Projekt, das Wissen von der Welt ausgehend vom Bewusstsein aufzubauen. Vom in sich eingekapselten Bewusstsein, das primär sich selbst evident gegenwärtig und darin zugleich das Fundament der Wirklichkeit schlechthin ist. Die Wirklichkeit der physischen Phänomene bleibt nur eine abgeleitete, und nur indirekt zugängliche. Physische Gegenstände sind (für uns) nur wirklich, insofern sie intentionaler Gegenstand unserer psychischen Akte oder Vorstellungen sind.


    So viel mag zur Einleitung genügen.

    Ich empfehle als "weiterführende Lektüre" den Aufsatz von Robert Brandom über Sellars und dessen Kritik des Empirismus. Der ist auf Deutsch hier bequem zugänglich.

    Wer dort etwa die Abschnitte II - IV liest, wird im Blick auf Brentano ein paar Wiedererkennungserlebnisse haben.


    Gruß,
    H.

  • @ Hermeneuticus,

    damit ich mich bei der Länge des Brandom-Artikels nicht verzettel, gehe ich ihn zunächst einmal Abschnitt für Abschnitt durch. Dazu folgende Anmerkungen zu den Abschnitten 1 und 2:

    1. Grundsätzlich wird mir der Cartesische Dualismus immer zu schnell und zu leichtfertig über Bord geworfen. Das möchte ich so nicht mitmachen.

    2. Zitat von Brandom: "So weist Sellars - aus später zu diskutierenden Gründen – z.B. den instrumentalistischen Gedanken zurück, dass rein theoretische Gegenstände, die nur inferentiell erkannt werden, ontologisch – statt nur methodologisch – eine andere Art von Gegenständen bilden als die beobachtbaren, die durch Wahrnehmung erkannt werden."

    Das scheint mir schon einer der zentralen Punkte zu sein. Vielleicht sollten wir einmal darüber diskutieren.

    3. Sellars schint Anthropomorphist zu sien. Er unterstellt einem Stück Eisen ein Unterscheidungsvermögen bezüglich unterschiedlicher Umweltbedingungen. Das könnte man so natürlich nicht aufrechterhalten, wenn sich dieses Vorurteil bewahrheitet. Warten wir aml ab.


    Einer der zentralen Begriffe ist der der inferentiellen Semantik. ich musst den Begriff erst doodeln, der er war mir nicht geläufig. Aber der Begriff scheint für den Brandom-Artikel abslut zentral zu sein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Inferentielle_Semantik

    Gruß Joachim Stiller Münster

  • @ Hermeneuticus,

    damit ich mich bei der Länge des Brandom-Artikels nicht verzettel, gehe ich ihn zunächst einmal Abschnitt für Abschnitt durch. Dazu folgende Anmerkungen zu den Abschnitten 1 und 2:

    1. Grundsätzlich wird mir der Cartesische Dualismus immer zu schnell und zu leichtfertig über Bord geworfen. Das möchte ich so nicht mitmachen.

    2. Zitat von Brandom: "So weist Sellars - aus später zu diskutierenden Gründen – z.B. den instrumentalistischen Gedanken zurück, dass rein theoretische Gegenstände, die nur inferentiell erkannt werden, ontologisch – statt nur methodologisch – eine andere Art von Gegenständen bilden als die beobachtbaren, die durch Wahrnehmung erkannt werden."

    Das scheint mir schon einer der zentralen Punkte zu sein. Vielleicht sollten wir einmal darüber diskutieren.

    3. Sellars schint Anthropomorphist zu sien. Er unterstellt einem Stück Eisen ein Unterscheidungsvermögen bezüglich unterschiedlicher Umweltbedingungen. Das könnte man so natürlich nicht aufrechterhalten, wenn sich dieses Vorurteil bewahrheitet. Warten wir aml ab.


    Einer der zentralen Begriffe ist der der inferentiellen Semantik. ich musst den Begriff erst doodeln, der er war mir nicht geläufig. Aber der Begriff scheint für den Brandom-Artikel abslut zentral zu sein:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Inferentielle_Semantik

    Gruß Joachim Stiller Münster

  • damit ich mich bei der Länge des Brandom-Artikels nicht verzettel, gehe ich ihn zunächst einmal Abschnitt für Abschnitt durch.


    Ich habe mich beim Hinweis auf den Artikel zu ungenau ausgedrückt. Was ich vor allem meinte sind die Stellen, an denen das Projekt von Descartes (und des Empirismus) charakterisiert wird. Alles andere führt im Moment noch zu weit ab.

    Ich stelle die entsprechenden Passagen hier noch einmal zusammen:

  • damit ich mich bei der Länge des Brandom-Artikels nicht verzettel, gehe ich ihn zunächst einmal Abschnitt für Abschnitt durch.


    Ich habe mich beim Hinweis auf den Artikel zu ungenau ausgedrückt. Was ich vor allem meinte sind die Stellen, an denen das Projekt von Descartes (und des Empirismus) charakterisiert wird. Alles andere führt im Moment noch zu weit ab.

    Ich stelle die entsprechenden Passagen hier noch einmal zusammen:

  • die Einsortierung des Denkens, Urteilens, Folgerns in die Klasse der psychischen Phänomene

    weil ich kürzlich in einem anderen Thread derart "sortiert" habe,
    muss ich aufhorchen: B. hat nun mal zwei Klassen, wohin mit dem
    Denken, wenn nicht in die Klasse der psychischen Phänomene ?

    Deine Begründung lautet:

    Der Gehalt eines Begriffs wäre also nach Brentano ein gegebenes Einzelnes - ein psychischer Akt bzw. eine Vorstellung -, und damit nichts, das sich teilen bzw. mitteilen ließe.

    Und ich dachte bisher: gerade, weil er eine Vorstellung ist, lässt sich der Gehalt eines
    Begriffs mitteilen. Was verstehe ich hier nicht?

    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

  • die Einsortierung des Denkens, Urteilens, Folgerns in die Klasse der psychischen Phänomene

    weil ich kürzlich in einem anderen Thread derart "sortiert" habe,
    muss ich aufhorchen: B. hat nun mal zwei Klassen, wohin mit dem
    Denken, wenn nicht in die Klasse der psychischen Phänomene ?

    Deine Begründung lautet:

    Der Gehalt eines Begriffs wäre also nach Brentano ein gegebenes Einzelnes - ein psychischer Akt bzw. eine Vorstellung -, und damit nichts, das sich teilen bzw. mitteilen ließe.

    Und ich dachte bisher: gerade, weil er eine Vorstellung ist, lässt sich der Gehalt eines
    Begriffs mitteilen. Was verstehe ich hier nicht?

    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

  • weil ich kürzlich in einem anderen Thread derart "sortiert" habe,
    muss ich aufhorchen: B. hat nun mal zwei Klassen, wohin mit dem
    Denken, wenn nicht in die Klasse der psychischen Phänomene ?


    Vielleicht liegt der Missgriff ja genau darin, erst einmal alles in zwei disjunkte Klassen aufzuteilen. Muss man so vorgehen? Gibt es keine Alternativen? Zur Zeit Brentanos bot sich das vielleicht noch an; aber da musste man schon die Kritik von Schelling, Hegel u.a. am Dualismus ignorieren. Bald nach Brentano traten Frege und Husserl auf, die beide vehement den Psychologismus in Bezug auf Logik und Mathematik kritisierten.

    Und weiter: Ist es zwingend, wenn man eine Philosophie des Geistes entwirft, vom individuellen Bewusstsein auszugehen? Ist "Geist" denn aussschließlich das, was man erfährt, indem man in sich hinein horcht, sieht, reflektiert? Ist Geist nur introspektiv zugänglich? Sind seine basalen Gegebenheiten Vorkommnisse im Bewusstsein/in der Seele?
    So musste man zu Brentanos Zeiten nicht zwangsläufig denken. Es gab ja Hegels "Phänomenologie des Geistes", die genau jenen Ausgangspunkt beim individuellen Subjekt kritisiert hatte, die gezeigt hatte, dass der individuelle Geist soziale Voraussetzungen hat, ja dass Geist PRIMÄR ein sozialer und nur abgeleiteter Weise ein individueller Sachverhalt ist. Nimmt man das individuelle Bewusstsein zum Ausgangspunkt, so verliert man die soziale Dimension des Geistes (Hegel sprach auch vom "objektiven Geist") aus dem Blick. Man bekommt Schwieirigkeiten damit, solche Phänomene überhaupt zu thematisieren wie Intersubjektivität, die überindividuelle Geltung von Normen, eine überparteiliche Rationalität, die Bedeutung von Sprache.
    Also, es lagen eigentlich schon zahlreiche Argumente gegen ein Vorgehen wie das von Brentano vor.


    Quote

    Deine Begründung lautet:

    Und ich dachte bisher: gerade, weil er eine Vorstellung ist, lässt sich der Gehalt eines
    Begriffs mitteilen. Was verstehe ich hier nicht?


    Eine Vorstellung im Sinne Brentanos - und eines jeden empiristischen Psychologen - wird verstanden als ein konkretes Einzelnes. Wenn nicht als "Ding", so doch als Ereignis oder Vorkommnis. Als konkretes Einzelnes ist es unwiederholbar, hat es eine Stelle in Zeit und Raum, die es von allen anderen Einzelnen unterscheidet. Der Spruch "individuum est ineffabile" stammt schon aus dem Mittelalter: Das Individuelle ist unausdrückbar oder unaussprechbar. Wenn nun ein Begriff deshalb Bedeutung trägt, weil er eine (individuelle, unwiederholbare) Vorstellung bezeichnet, dann ist es ausgeschlossen, dass zwei Sprecher jemals dasselbe meinen, dasselbe sagen können. Es ist auch ausgeschlossen, dass sie denselben Wunsch haben oder dieselbe Überzeugung. Schon der einzelne Sprecher kann mit einem Begriff niemals dasselbe meinen, weil er damit jedes Mal eine andere Vorstellung bezeichnet.

    Weiteres Problem: Wenn die Bedeutung eines Begriffs in seinem Verweisen auf ein konkretes Einzelnes (Vorstellung) besteht - wie ist das dann mit dem Allgemeinen (den Prädikaten)? Ist die Eigenschaft der Röte, die allen roten Einzeldingen zukommt, ihrerseits ein Einzelding? Platon scheint das eine Weile angenommen zu haben, kam aber in seinen späten Dialogen selbst darauf, dass da etwas nicht stimmen konnte. (Stichwort: Problem des "dritten Menschen".)

    Das seien nur stichwortartige Hinweise auf die diversen Probleme, die sich mit einer solchen Bedeutungstheorie ergeben. (Ein anderes wäre das Problem, wie man von individuellen Sinnesdrücken zu allgemeinen Vorstellungen gelangen kann, ohne bereits auf allgemeine Vorstellungen (Begriffe) zurückzugreifen. Da tut sich ein unendlicher Regress auf.)

    Edited 3 times, last by Hermeneuticus (September 23, 2012 at 4:56 PM).

  • weil ich kürzlich in einem anderen Thread derart "sortiert" habe,
    muss ich aufhorchen: B. hat nun mal zwei Klassen, wohin mit dem
    Denken, wenn nicht in die Klasse der psychischen Phänomene ?


    Vielleicht liegt der Missgriff ja genau darin, erst einmal alles in zwei disjunkte Klassen aufzuteilen. Muss man so vorgehen? Gibt es keine Alternativen? Zur Zeit Brentanos bot sich das vielleicht noch an; aber da musste man schon die Kritik von Schelling, Hegel u.a. am Dualismus ignorieren. Bald nach Brentano traten Frege und Husserl auf, die beide vehement den Psychologismus in Bezug auf Logik und Mathematik kritisierten.

    Und weiter: Ist es zwingend, wenn man eine Philosophie des Geistes entwirft, vom individuellen Bewusstsein auszugehen? Ist "Geist" denn aussschließlich das, was man erfährt, indem man in sich hinein horcht, sieht, reflektiert? Ist Geist nur introspektiv zugänglich? Sind seine basalen Gegebenheiten Vorkommnisse im Bewusstsein/in der Seele?
    So musste man zu Brentanos Zeiten nicht zwangsläufig denken. Es gab ja Hegels "Phänomenologie des Geistes", die genau jenen Ausgangspunkt beim individuellen Subjekt kritisiert hatte, die gezeigt hatte, dass der individuelle Geist soziale Voraussetzungen hat, ja dass Geist PRIMÄR ein sozialer und nur abgeleiteter Weise ein individueller Sachverhalt ist. Nimmt man das individuelle Bewusstsein zum Ausgangspunkt, so verliert man die soziale Dimension des Geistes (Hegel sprach auch vom "objektiven Geist") aus dem Blick. Man bekommt Schwieirigkeiten damit, solche Phänomene überhaupt zu thematisieren wie Intersubjektivität, die überindividuelle Geltung von Normen, eine überparteiliche Rationalität, die Bedeutung von Sprache.
    Also, es lagen eigentlich schon zahlreiche Argumente gegen ein Vorgehen wie das von Brentano vor.


    Quote

    Deine Begründung lautet:

    Und ich dachte bisher: gerade, weil er eine Vorstellung ist, lässt sich der Gehalt eines
    Begriffs mitteilen. Was verstehe ich hier nicht?


    Eine Vorstellung im Sinne Brentanos - und eines jeden empiristischen Psychologen - wird verstanden als ein konkretes Einzelnes. Wenn nicht als "Ding", so doch als Ereignis oder Vorkommnis. Als konkretes Einzelnes ist es unwiederholbar, hat es eine Stelle in Zeit und Raum, die es von allen anderen Einzelnen unterscheidet. Der Spruch "individuum est ineffabile" stammt schon aus dem Mittelalter: Das Individuelle ist unausdrückbar oder unaussprechbar. Wenn nun ein Begriff deshalb Bedeutung trägt, weil er eine (individuelle, unwiederholbare) Vorstellung bezeichnet, dann ist es ausgeschlossen, dass zwei Sprecher jemals dasselbe meinen, dasselbe sagen können. Es ist auch ausgeschlossen, dass sie denselben Wunsch haben oder dieselbe Überzeugung. Schon der einzelne Sprecher kann mit einem Begriff niemals dasselbe meinen, weil er damit jedes Mal eine andere Vorstellung bezeichnet.

    Weiteres Problem: Wenn die Bedeutung eines Begriffs in seinem Verweisen auf ein konkretes Einzelnes (Vorstellung) besteht - wie ist das dann mit dem Allgemeinen (den Prädikaten)? Ist die Eigenschaft der Röte, die allen roten Einzeldingen zukommt, ihrerseits ein Einzelding? Platon scheint das eine Weile angenommen zu haben, kam aber in seinen späten Dialogen selbst darauf, dass da etwas nicht stimmen konnte. (Stichwort: Problem des "dritten Menschen".)

    Das seien nur stichwortartige Hinweise auf die diversen Probleme, die sich mit einer solchen Bedeutungstheorie ergeben. (Ein anderes wäre das Problem, wie man von individuellen Sinnesdrücken zu allgemeinen Vorstellungen gelangen kann, ohne bereits auf allgemeine Vorstellungen (Begriffe) zurückzugreifen. Da tut sich ein unendlicher Regress auf.)

    Edited 3 times, last by Hermeneuticus (September 23, 2012 at 4:56 PM).

  • Vielleicht so:

    Eine gedachte Tasse Tee läßt sich nicht mitteilen.

    Damit wiederholst du das, was Hermeneuticus auch sagt:

    Der Gehalt eines Begriffs wäre also nach Brentano ein gegebenes Einzelnes - ein psychischer Akt bzw. eine Vorstellung -, und damit nichts, das sich teilen bzw. mitteilen ließe.

    Vielleicht lässt es sich so denken: wir teilen den Begriff mit,
    als psychischer Akt, der Gehalt des Begriffs würde dagegen zu
    den physischen Phänomenen gehören. (Ich ließ mit Brentano
    das Bewusstsein zwischen "gedachte Tasse Tee" und
    "die Tasse Tee im Bewusstsein" unterscheiden, weil es für
    mich nur so evident war.)

    Danke für die Denkhilfe.

    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

  • Vielleicht so:

    Eine gedachte Tasse Tee läßt sich nicht mitteilen.

    Damit wiederholst du das, was Hermeneuticus auch sagt:

    Der Gehalt eines Begriffs wäre also nach Brentano ein gegebenes Einzelnes - ein psychischer Akt bzw. eine Vorstellung -, und damit nichts, das sich teilen bzw. mitteilen ließe.

    Vielleicht lässt es sich so denken: wir teilen den Begriff mit,
    als psychischer Akt, der Gehalt des Begriffs würde dagegen zu
    den physischen Phänomenen gehören. (Ich ließ mit Brentano
    das Bewusstsein zwischen "gedachte Tasse Tee" und
    "die Tasse Tee im Bewusstsein" unterscheiden, weil es für
    mich nur so evident war.)

    Danke für die Denkhilfe.

    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

  • Vielleicht liegt der Missgriff ja genau darin, erst einmal alles in zwei disjunkte Klassen aufzuteilen. Muss man so vorgehen? Gibt es keine Alternativen? Zur Zeit Brentanos bot sich das vielleicht noch an; aber da musste man schon die Kritik von Schelling, Hegel u.a. am Dualismus ignorieren. Bald nach Brentano traten Frege und Husserl auf, die beide vehement den Psychologismus in Bezug auf Logik und Mathematik kritisierten.

    Ja, danke, dass du den Zugang zu meinem Verstehen aufgespürt und
    mit einem philosophiegeschichtlichen Aufriß geantwortet hast.
    Ich muss hier mein Problembewusstsein zum Dualismus aktualisieren
    und schärfen, sonst kann ich den Brandom-Artikel nicht so folgen,
    wie ich es möchte.

    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

  • Vielleicht liegt der Missgriff ja genau darin, erst einmal alles in zwei disjunkte Klassen aufzuteilen. Muss man so vorgehen? Gibt es keine Alternativen? Zur Zeit Brentanos bot sich das vielleicht noch an; aber da musste man schon die Kritik von Schelling, Hegel u.a. am Dualismus ignorieren. Bald nach Brentano traten Frege und Husserl auf, die beide vehement den Psychologismus in Bezug auf Logik und Mathematik kritisierten.

    Ja, danke, dass du den Zugang zu meinem Verstehen aufgespürt und
    mit einem philosophiegeschichtlichen Aufriß geantwortet hast.
    Ich muss hier mein Problembewusstsein zum Dualismus aktualisieren
    und schärfen, sonst kann ich den Brandom-Artikel nicht so folgen,
    wie ich es möchte.

    Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
    Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

    (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

  • Ein kurzer Hinweis, der nur sehr allgemein auf dieses Thema zielt.
    Heidegger hatte Husserls Intentionalitäts-Begriff mit dem Daseins-Begriff eine spezifische Wendung gegeben, die er u.a. zentral mit dem Begriff der "Verhaltung" markierte. Schon vor "Sein und Zeit" war dies ein zentraler operationaler Begriff Heideggers - etwa wenn es ihm um eine Kritik der dualistischen Subjektphilosohpie Kants ging - und in "Sein und Zeit" taucht dieser Begriff auch immer wieder auf, u.a. auch dann, wenn Heidegger seine Kritik an Descartes entwickelt, u.a. mit der Zeuganalyse und dem pragmatischen Verhältnis von Zuhandenheit und Vorhandenheit.
    In der englischsprachigen Philosophie – aber auch bei einigen deutschen Autoren, z.b. Slaby - hat der Begriff der Verhaltung seit einigen Jahren wieder eine Renaissance erfahren. Zentral ist hier der Begriff „comportment“, der in der Übersetzung der Schriften Heideggers verwendet wird. Der Begriff zielt im Rahmen unterschiedlicher Philosophie-Strömungen – etwa auch der philosophischen, enaktivistischen Kognitionswissenschaft - kritisch auf dualistische Intentionalitäts-Ansätze.

  • Ein kurzer Hinweis, der nur sehr allgemein auf dieses Thema zielt.
    Heidegger hatte Husserls Intentionalitäts-Begriff mit dem Daseins-Begriff eine spezifische Wendung gegeben, die er u.a. zentral mit dem Begriff der "Verhaltung" markierte. Schon vor "Sein und Zeit" war dies ein zentraler operationaler Begriff Heideggers - etwa wenn es ihm um eine Kritik der dualistischen Subjektphilosohpie Kants ging - und in "Sein und Zeit" taucht dieser Begriff auch immer wieder auf, u.a. auch dann, wenn Heidegger seine Kritik an Descartes entwickelt, u.a. mit der Zeuganalyse und dem pragmatischen Verhältnis von Zuhandenheit und Vorhandenheit.
    In der englischsprachigen Philosophie – aber auch bei einigen deutschen Autoren, z.b. Slaby - hat der Begriff der Verhaltung seit einigen Jahren wieder eine Renaissance erfahren. Zentral ist hier der Begriff „comportment“, der in der Übersetzung der Schriften Heideggers verwendet wird. Der Begriff zielt im Rahmen unterschiedlicher Philosophie-Strömungen – etwa auch der philosophischen, enaktivistischen Kognitionswissenschaft - kritisch auf dualistische Intentionalitäts-Ansätze.

  • Hallo Hermeneuticus,

    Stiller hat mir gerade einen Text diktiert, und mich gebeten, ihn eben hier ins Netz zu setzen. Ich bin mal so frei. (Stiller wird sicherlich morgen daran anknüpfen). Also, hier der Text:

    "Vielleicht sollten wir zunächst noch einmal auf den Begriff "inferentielle Semantik" etwas eingehen, der bei Brandom eine so zentrale Rolle spielt. Bei Wiki lesen wir:

    "Ursprung des Konzepts einer inferentiellen Semantik ist die Wittgensteinsche Auffassung, die Bedeutung eines Ausdrucks sei auf dessen Gebrauch zurückzuführen. Dem war u.a. Wilfrid Sellars gefolgt. Wichtige zeitgenössische Vertreter sind etwa Ned Block und Robert Brandom. Als Vertreter der inferentiellen Semantik grenzt Brandom sich von repräsentationalistischen Positionen ab, die er bei Descartes sowie – in der analytischen Philosophie – bei Carnap und Russell verwirklicht sieht, und interpretiert bestimmte Positionen in der neuzeitlichen Philosophie, etwa Spinoza und Hegel, als Vorläufer des Inferentialismus." (Wiki)

    Das bedeutet praktisch, dass Brandom eine "Konsenstheorie der Bdeutung" vertritt. Als Korrespondenztheoretiker kann ich da natürlich nicht mitgehen, sondern bleibe auch weiterhin Descartes, Carnap und Russell (letzteren mag ich nach den Dikussionen mit Macky nicht so) treu. Brandom macht den Fehler, dass er die 1. Instanz (Objektbezug) mit der 2. Instanz (semantische Vereinbarung) verwechselt.

    Und nun kommst Du, und sagst vielleicht, Bedeutung entsteht aber eben doch durch semantische Vereinbarung. So, und jetzt weiß ich nicht, wo hier das semantische Missverständinis liegt. Darum setze ich noch einmal ganz neu an und versuche es mal etwas anders:

    Präpositionale Gehalte "repräsentieren" immer irgendwelche Objekte oder Gegenstände, Wahrnehmungsgegenstände oder Denkgegenstände, eine Differnez, die unabdingbar ist und die noch gar nicht zur Sprach kam. Sie ist mein eigentlicher Forschungsgegenstand.

    Präpositionale Gehalte "repräsentieren" immer irgendwelche Objekte oder Gegenstände. Damit bin ich natürlich "Repräsentationalist", und damit wieder bei Descartes, Locke und Carnap.

    Ich wäre mit einer (semantischen) Konsenstheorie der Bedeutung einverstanden, aber nicht um den Preis des etweder oder, nicht um den Preis, die Repräsentation, die Intentionalität der semantischen Bezüge, Descartes, Locke und Carnap über Bord zu werfen. Das würde schließlich bedeuten, 2000 Jahre Philosophiegeschichte über Bord zu werfen. Wenn überhapt, dann geht nur "beides", und die inferentielle Semantik kann nur eine "Erweiterung" repräsentationaler Positionen sein, aber niemals ein "Ersatz". Letzteres gilt übrigens für "jede" Konsentheorie." (Ende des Textes von Stiller)

    Also, wenn Du mich nach meiner bescheidenen Meinung fragst, so klingt das alles sehr plausibel, und ich würde mich spontan der Auffassung von Stiller anschleißen wollen. Bis vielleicht ein andermal. Gute Nacht zusammen.

    MfG Markus

  • Hallo Hermeneuticus,

    Stiller hat mir gerade einen Text diktiert, und mich gebeten, ihn eben hier ins Netz zu setzen. Ich bin mal so frei. (Stiller wird sicherlich morgen daran anknüpfen). Also, hier der Text:

    "Vielleicht sollten wir zunächst noch einmal auf den Begriff "inferentielle Semantik" etwas eingehen, der bei Brandom eine so zentrale Rolle spielt. Bei Wiki lesen wir:

    "Ursprung des Konzepts einer inferentiellen Semantik ist die Wittgensteinsche Auffassung, die Bedeutung eines Ausdrucks sei auf dessen Gebrauch zurückzuführen. Dem war u.a. Wilfrid Sellars gefolgt. Wichtige zeitgenössische Vertreter sind etwa Ned Block und Robert Brandom. Als Vertreter der inferentiellen Semantik grenzt Brandom sich von repräsentationalistischen Positionen ab, die er bei Descartes sowie – in der analytischen Philosophie – bei Carnap und Russell verwirklicht sieht, und interpretiert bestimmte Positionen in der neuzeitlichen Philosophie, etwa Spinoza und Hegel, als Vorläufer des Inferentialismus." (Wiki)

    Das bedeutet praktisch, dass Brandom eine "Konsenstheorie der Bdeutung" vertritt. Als Korrespondenztheoretiker kann ich da natürlich nicht mitgehen, sondern bleibe auch weiterhin Descartes, Carnap und Russell (letzteren mag ich nach den Dikussionen mit Macky nicht so) treu. Brandom macht den Fehler, dass er die 1. Instanz (Objektbezug) mit der 2. Instanz (semantische Vereinbarung) verwechselt.

    Und nun kommst Du, und sagst vielleicht, Bedeutung entsteht aber eben doch durch semantische Vereinbarung. So, und jetzt weiß ich nicht, wo hier das semantische Missverständinis liegt. Darum setze ich noch einmal ganz neu an und versuche es mal etwas anders:

    Präpositionale Gehalte "repräsentieren" immer irgendwelche Objekte oder Gegenstände, Wahrnehmungsgegenstände oder Denkgegenstände, eine Differnez, die unabdingbar ist und die noch gar nicht zur Sprach kam. Sie ist mein eigentlicher Forschungsgegenstand.

    Präpositionale Gehalte "repräsentieren" immer irgendwelche Objekte oder Gegenstände. Damit bin ich natürlich "Repräsentationalist", und damit wieder bei Descartes, Locke und Carnap.

    Ich wäre mit einer (semantischen) Konsenstheorie der Bedeutung einverstanden, aber nicht um den Preis des etweder oder, nicht um den Preis, die Repräsentation, die Intentionalität der semantischen Bezüge, Descartes, Locke und Carnap über Bord zu werfen. Das würde schließlich bedeuten, 2000 Jahre Philosophiegeschichte über Bord zu werfen. Wenn überhapt, dann geht nur "beides", und die inferentielle Semantik kann nur eine "Erweiterung" repräsentationaler Positionen sein, aber niemals ein "Ersatz". Letzteres gilt übrigens für "jede" Konsentheorie." (Ende des Textes von Stiller)

    Also, wenn Du mich nach meiner bescheidenen Meinung fragst, so klingt das alles sehr plausibel, und ich würde mich spontan der Auffassung von Stiller anschleißen wollen. Bis vielleicht ein andermal. Gute Nacht zusammen.

    MfG Markus

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