Dinge, Sachverhalte, Ereignisse - Ontologie und Wahrheit

  • Für eine Beantwortung [der Frage, was denn ein Sachverhalt ist] empfielt sich der Blick in einschlägige Wörterbücher. Der Artikel im HWPh Bd. 8, S. 1103-1113 fällt außerordentlich komplex aus.
    Doch deutet er eingangs bereits eine aus dem römischen Recht abgeleitete Unterscheidung von status rerum und status hominum sowie die Übertragung des status-Problems auf die Rhetorik - und dort weiterhin im rechtlichen bzw. richterlichen Kontext. Es geht hier um Behauptungen oder Festlegungen.
    Bemühte man den Eisler, so würde man unter dem Stichwort "Sachverhalt" nicht fündig, pendelte aber zwischen den auf einander verweisenden "Ding" und "Sache" hin und her.
    Entschlösse man sich dazu, in der Wikipedia zu stöbern, fände sich die Aussage "Ein Sachverhalt bezeichnet eine Lage, in der sich Gegenstände eines beliebigen Interesses mutmaßlich zueinander befinden."
    Was eine Mutmaßung ist, ließe sich dann freilich wiederum thematisieren. Ob das ein Muss ist, würde ich angesichts der Verschachtelung dieses Threads mit einem anderen bejahen. Um das abzukürzen: Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache wird zu den Synonymen zu Mutmaßung zuvörderst "Behauptung" erwähnt.
    Und das ist es auch, was einen Sachverhalt entscheidend ausmacht. Er ist keine Tatsache. Die Wirklichkeit eines Sachverhaltes meint also immer noch die Wirklichkeit von etwas, das allein als behauptet sicher ist.

    [...] Ein Fakt ist eine Tatsache. Eine Tatsache ist eine Sache der Tat und gehört zu den Sachverhalten. Die Tat, um die es dabei geht, war ursprünglich die Tat Gottes (dazu bspw. Butler). Fichte sollte später als nicht von Tatsache, sondern von Tathandlung ausgehen, die er als die eigentliche Setzung des Ich verstand. Der Benutzer Leser setzt ebenfalls auf eine Tätigkeit als Prinzip für alles übrige, wenn er sagt: "Es gibt ein tätiges Prinzip..." Das Prinzip ist also nicht materieller, sondern geistiger und damit aktiver Art.

    In Eislers philosophischem Wörterbuch findet sich folgendes:

    Die Welt (unsere raumzeitliche Welt) besteht [...] nicht aus Tatsachen, sondern aus konkreten Gegenständen.


    Dieses Zitat von Tugenthat oder Wolf stammt aus einer Anmerkung - es scheint sich für die Autoren dabei um eine Selbstverständlichkeit zu handeln. Unter dem Stichwort "Sache/Sachverhalt" in "Neues Handbuch Philosophischer Grundbegriffe" geschrieben von Erwin Tegtmeier findet man, dass diese Position - es gibt Dinge, aber keine Sachverhalte - auf Aristoteles zurück geht. Das scheint der Mainstream in der Philosophie zu sein. Donald Davidson ist der Ansicht, dass niemand habe zeigen können, was denn ein Sachverhalt sei. Auch er vertritt keine Sachverhalt-Ontologie (sondern eine Ereignis-Ontologie, wie man so hört ...) Wenn ich recht sehe, gibt es aber "berühmte" Ausnahmen - Russell und der frühe Wittgenstein gehören wohl dazu. (Die Welt ist alles, was der Fall ist. 1.1: Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.)

    Die Frage ist alles andere als nebensächlich, scheint mir. Aristoteles gilt bekanntlich als "Erfinder" der Korrespondenztheorie der Wahrheit. Schon er sah ein Problem: Wie können Sätze Dingen entsprechen? Wie soll man sich also eine Korrespondenz zwischen zwei so unterschiedlichen Relata vorstellen? Das, was ein Aussagesatz ausdrückt ist ein Sachverhalt. Ein triviales Beispiel dafür (eine sog. propositionale Einstellung): Peter glaubt, dass der Schlüssel auf dem Tisch liegt. Setzt man ein Ding-Ontologie an - wobei der Satz einen Sachverhalt ausdrückt - wird man zu der Vermutung getrieben, dass den Begriffen Tisch und Schlüssel Dinge in der Welt entsprechen, während der Sachverhalt (Schlüssel auf Tisch) von uns spendiert wird und nur in unserem Geiste existiert. Mit Sachverhalts-Ontologien könnten Korrespondenztheoretiker vielleicht Hoffnung schöpfen. Der Satz ist wahr, wenn der Sachverhalt, den er ausdrückt besteht - wirklich tatsächlich besteht.

    Das Beispiel mag aber zu simpel sein. Ich nehme mal dieses aus einem anderen Thread: "Picassos Spätwerk übersteigt alles, was er als junger Mann zustande brachte, selbst wenn zu vermuten steht, dass er nicht den selben Ruhm erlangt hätte, wenn er mit dem Spätwerk gestartet wäre." Hier kommen noch Wertungen hinzu und verschiedene Sachverhalte werden zusammengeschoben ... Wenn die Welt aus solchen Sachverhalten bestünde, dann wäre sie schnell übervoll. Aber vielleicht kann man elementare Sachverhalte annehmen, die sich dann wiederum zu Sachverhalten aus Sachverhalten zusammensetzen ...

    Bis dato neige ich eher dem Mainstream zu, also dem was Tugenthat/Wolf sagen. Die Korrespondenztheorie der Wahrheit (sowie alle anderen Wahrheitstheorien ebenso) lehne ich ab.

    Aber was nicht ist, kann ja noch werden :) Hier ist nun ein Platz, Argumente, Zitate oder sonstiges zu dem Themenkomplex auszutauschen.

    Edited once, last by _its_not_me_ (April 1, 2012 at 4:21 PM).

  • Für eine Beantwortung [der Frage, was denn ein Sachverhalt ist] empfielt sich der Blick in einschlägige Wörterbücher. Der Artikel im HWPh Bd. 8, S. 1103-1113 fällt außerordentlich komplex aus.
    Doch deutet er eingangs bereits eine aus dem römischen Recht abgeleitete Unterscheidung von status rerum und status hominum sowie die Übertragung des status-Problems auf die Rhetorik - und dort weiterhin im rechtlichen bzw. richterlichen Kontext. Es geht hier um Behauptungen oder Festlegungen.
    Bemühte man den Eisler, so würde man unter dem Stichwort "Sachverhalt" nicht fündig, pendelte aber zwischen den auf einander verweisenden "Ding" und "Sache" hin und her.
    Entschlösse man sich dazu, in der Wikipedia zu stöbern, fände sich die Aussage "Ein Sachverhalt bezeichnet eine Lage, in der sich Gegenstände eines beliebigen Interesses mutmaßlich zueinander befinden."
    Was eine Mutmaßung ist, ließe sich dann freilich wiederum thematisieren. Ob das ein Muss ist, würde ich angesichts der Verschachtelung dieses Threads mit einem anderen bejahen. Um das abzukürzen: Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache wird zu den Synonymen zu Mutmaßung zuvörderst "Behauptung" erwähnt.
    Und das ist es auch, was einen Sachverhalt entscheidend ausmacht. Er ist keine Tatsache. Die Wirklichkeit eines Sachverhaltes meint also immer noch die Wirklichkeit von etwas, das allein als behauptet sicher ist.

    [...] Ein Fakt ist eine Tatsache. Eine Tatsache ist eine Sache der Tat und gehört zu den Sachverhalten. Die Tat, um die es dabei geht, war ursprünglich die Tat Gottes (dazu bspw. Butler). Fichte sollte später als nicht von Tatsache, sondern von Tathandlung ausgehen, die er als die eigentliche Setzung des Ich verstand. Der Benutzer Leser setzt ebenfalls auf eine Tätigkeit als Prinzip für alles übrige, wenn er sagt: "Es gibt ein tätiges Prinzip..." Das Prinzip ist also nicht materieller, sondern geistiger und damit aktiver Art.

    In Eislers philosophischem Wörterbuch findet sich folgendes:

    Die Welt (unsere raumzeitliche Welt) besteht [...] nicht aus Tatsachen, sondern aus konkreten Gegenständen.


    Dieses Zitat von Tugenthat oder Wolf stammt aus einer Anmerkung - es scheint sich für die Autoren dabei um eine Selbstverständlichkeit zu handeln. Unter dem Stichwort "Sache/Sachverhalt" in "Neues Handbuch Philosophischer Grundbegriffe" geschrieben von Erwin Tegtmeier findet man, dass diese Position - es gibt Dinge, aber keine Sachverhalte - auf Aristoteles zurück geht. Das scheint der Mainstream in der Philosophie zu sein. Donald Davidson ist der Ansicht, dass niemand habe zeigen können, was denn ein Sachverhalt sei. Auch er vertritt keine Sachverhalt-Ontologie (sondern eine Ereignis-Ontologie, wie man so hört ...) Wenn ich recht sehe, gibt es aber "berühmte" Ausnahmen - Russell und der frühe Wittgenstein gehören wohl dazu. (Die Welt ist alles, was der Fall ist. 1.1: Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.)

    Die Frage ist alles andere als nebensächlich, scheint mir. Aristoteles gilt bekanntlich als "Erfinder" der Korrespondenztheorie der Wahrheit. Schon er sah ein Problem: Wie können Sätze Dingen entsprechen? Wie soll man sich also eine Korrespondenz zwischen zwei so unterschiedlichen Relata vorstellen? Das, was ein Aussagesatz ausdrückt ist ein Sachverhalt. Ein triviales Beispiel dafür (eine sog. propositionale Einstellung): Peter glaubt, dass der Schlüssel auf dem Tisch liegt. Setzt man ein Ding-Ontologie an - wobei der Satz einen Sachverhalt ausdrückt - wird man zu der Vermutung getrieben, dass den Begriffen Tisch und Schlüssel Dinge in der Welt entsprechen, während der Sachverhalt (Schlüssel auf Tisch) von uns spendiert wird und nur in unserem Geiste existiert. Mit Sachverhalts-Ontologien könnten Korrespondenztheoretiker vielleicht Hoffnung schöpfen. Der Satz ist wahr, wenn der Sachverhalt, den er ausdrückt besteht - wirklich tatsächlich besteht.

    Das Beispiel mag aber zu simpel sein. Ich nehme mal dieses aus einem anderen Thread: "Picassos Spätwerk übersteigt alles, was er als junger Mann zustande brachte, selbst wenn zu vermuten steht, dass er nicht den selben Ruhm erlangt hätte, wenn er mit dem Spätwerk gestartet wäre." Hier kommen noch Wertungen hinzu und verschiedene Sachverhalte werden zusammengeschoben ... Wenn die Welt aus solchen Sachverhalten bestünde, dann wäre sie schnell übervoll. Aber vielleicht kann man elementare Sachverhalte annehmen, die sich dann wiederum zu Sachverhalten aus Sachverhalten zusammensetzen ...

    Bis dato neige ich eher dem Mainstream zu, also dem was Tugenthat/Wolf sagen. Die Korrespondenztheorie der Wahrheit (sowie alle anderen Wahrheitstheorien ebenso) lehne ich ab.

    Aber was nicht ist, kann ja noch werden :) Hier ist nun ein Platz, Argumente, Zitate oder sonstiges zu dem Themenkomplex auszutauschen.

    Edited once, last by _its_not_me_ (April 1, 2012 at 4:21 PM).

  • Im Beispielsatz "Dies ist ein Wasservogel" sind zwei verschieden fungierende Wortsorten verbunden: ein "Nominator" (hier ist es das Zeigewort "dies", es könnte aber auch ein Eigenname oder eine Kennzeichnung sein) und ein Prädikator. Die Funktion der Nominatoren besteht darin, einen Gegenstand (oder auch mehrere) zu benennen, ihn aus allen "herauszugreifen". Ihre Bedeutung ist also durch den "Bezug" (die "Referenz") auf diesen Gegenstand bestimmt (sofern sie Verwechslungen ausschließen). Die Prädikatoren - also solche Wörter, die Gegenständen zu- oder abgesprochen werden - haben - für sich genommen - keinen solchen "Bezug" auf Gegenstände. Oder anders gesagt: Ihre Bedeutung ist durch Referenz nicht klar zu bestimmen. Sie bekommen einen bestimmten Gegenstandsbezug erst durch die Verbindung mit Nominatoren. (Prädikatoren lassen sich zwar durch ihre Verhältnisse zueinander bestimmen, z.B. "Alle Enten sind Wasservögel, doch nicht alle Wasservögel sind Enten." Oder: "'Schimmel' und 'weißes Pferd' sind äquivalent". Das ist aber ersichtlich eine andere Art der "Bestimmung" als bei Eigennamen.)

    Jedoch wird formale Logik alleine nicht ausreichen, wenn Du feststellen willst, ob die Ausage "Dies ist ein Wasservogel" wahr ist, da wird ein bisschen Empirie hinzukommen müssen.

    Bspw. bei der Betrachtung eines Stuhls haben wir den Eindruck, der Stuhl befinde sich außerhalb von uns. Dieser Eindruck täuscht. Der Stuhl ist eine innere Vorstellung von uns und befindet sich daher keineswegs außerhalb.

    Moin Her K. :)

    Der Begriff "Tatsache" wird natürlich sehr vielfältig gebraucht, das macht die Diskussion nicht gerade einfacher. Ein Beispiel: Julia: "Hast du wirklich den Müll gestern runter gebracht?" Romeo: "Natürlich - Tatsache!!" Hier wird er in irgendeiner Weise zur Bekräftigung der eigenen Aussage verwendet und heißt im Grund so viel wie "wahr". Noch ein Beispiel aus dem Thread: Ist der Stuhl etwas im Kopf oder eine Tatsache? Nun ist ein Stuhl im eigentlichen Sinne keine Tatsache, sondern ein Ding - und der Begriff Tatsache wird hier ungefähr so verwendet: Gibt es Dinge wie Stühle tatsächlich oder sind sie in irgendeiner Weise von unseren Konstruktionsleitungen abhängig.

    Von diesem Punkt hebt sich Hermeneuticus Beitrag ab. Es geht nicht bei allen Diskussionen rund um den Begriff "Tatsache" um eine allgemeine Auseinandersetzung zwischen Realisten und Antirealisten. Dennoch entwickelt sich dieser Thread (aus dem ich das hier ausgelagert habe) praktisch ausschließlich in diese Richtung. Damit wird aber ein wichtiger Punkt verdeckt. Bei Hermeneuticus gibt es ja eine Referenz des Urteils: Es wird über einen “tatsächlichen” singulären Gegenstand etwas allgemeines ausgesagt. (“Das da”) Es gibt in dem Beitrag Hermeneuticus - soweit ich sehe - kein Pendant zu der Behauptung, dass es “das da” (z. B. den Stuhl) nicht gibt.

    Wenn man so will, kann der Tatsachen-Streit (auch) als ein Streit unter Realisten verstanden werden - etwas pointiert gesagt. Die Frage, um die es sich dann dreht, ist allererst eine ontologische und weniger eine “formallogische” wie du unterstellst hast. Es geht im Kern um die Frage, was es gibt. Tugenthat sagt es klipp und klar: "Die Welt (unsere raumzeitliche Welt) besteht [...] nicht aus Tatsachen, sondern aus konkreten Gegenständen." Das war über lange Zeit (ausgehend von Aristoteles) die Standardposition (und nebenbei gesagt meine Position). Philosophen, die diese Ansicht vertreten, müssen aber nicht per se Antirealisten sein. Es gibt nach ihrer Einschätzung die Welt durchaus unabhängig von unseren Ansicht über sie. Nur taucht in ihrer Liste des allgemeinen Inventars der Welt die Kategorie “Tatsache” nicht auf, jedoch zum Beispiel die Kategorie “konkretes Ding”. Das heißt, dass es ihrer Ansicht nach Dinge ohnehin gibt, auch dann, wenn sie niemand je registriert hätte. Sie sind in dieser Hinsicht beinharte Realisten. Es ist, wenn man es so sagen will, ihrer Ansicht nach eine Tatsache, dass es konkrete Einzeldinge gibt und eine Tatsache, dass es keine Tatsachen gibt. Und die Sachverhaltsontologen stimmen dem ersten Punkt natürlich zu, jedoch gehören zu ihrem Welt-Katalog darüberhinaus auch Sachverhalte/Tatsachen.

    Mit anderen Worten: wenn man diesen Streit nachvollziehen will, dann gehören ganz allgemeine idealistische Positionen (die auch Dinge für Konstruktionen erachten) nicht wirklich dazu. Jedoch dreht sich der Thread praktisch nur darum.

    Was hat das mit der Korrespondenz-Theorie zu tun? (Siehe Startbeitrag :)

    Ein Beispiel: Davidson gehört zu den Philosophen, die nicht der Ansicht sind, es gäbe Tatsachen. (Er hält diese ontologische Vermutung für widerlegt, aufgrund des Slingshot-Argumentes, aber das nur am Rande.) In seine Liste gehören etwa Dinge, Personen und Ereignisse. Nach seinem Dafürhalten wurden Tatsachen (als Weltbestandteile) von Korrespondenztheoretikern erfunden, damit sie das korrespondierende Gegenstück für Ansichten (o.ä.) in der Welt vorliegen haben. Denn wenn Ansichten Sachverhalte ausdrücken und Sachverhalte etwas sind, was es in der Welt tatsächlich gibt, ist die Korrespondenztheorie überaus plausibel.

    Meines Erachtens ist die Postion Hermeneuticus (auch wenn er mir darin nicht zustimmen wird) nur vor diesem Hintergrund verständlich.

    Die Nominatoren greifen einen oder auch mehrere Gegenstände heraus. Gegenstände gibt es! Die Bedeutung des Nominators ist durch den "Bezug" (die "Referenz") auf diesen Gegenstand bestimmt. Sachverhalte gehören jedoch (in der Formulierung von Tegtmeier) nicht zum eigentlich Seienden; die “Verbindung und Trennung” (bei Hermeneutcus ist das die “Zuschreibung”), um die es in der Wahrheit und der Falschheit von Urteilen geht, findet nur im Denken statt.

    (Ich habe diesen uralten Thread ausgewählt, weil ich heute eher dazu neige, zu glauben, dass meine Postion von 2012 falsch ist.)

  • Im Beispielsatz "Dies ist ein Wasservogel" sind zwei verschieden fungierende Wortsorten verbunden: ein "Nominator" (hier ist es das Zeigewort "dies", es könnte aber auch ein Eigenname oder eine Kennzeichnung sein) und ein Prädikator. Die Funktion der Nominatoren besteht darin, einen Gegenstand (oder auch mehrere) zu benennen, ihn aus allen "herauszugreifen". Ihre Bedeutung ist also durch den "Bezug" (die "Referenz") auf diesen Gegenstand bestimmt (sofern sie Verwechslungen ausschließen). Die Prädikatoren - also solche Wörter, die Gegenständen zu- oder abgesprochen werden - haben - für sich genommen - keinen solchen "Bezug" auf Gegenstände. Oder anders gesagt: Ihre Bedeutung ist durch Referenz nicht klar zu bestimmen. Sie bekommen einen bestimmten Gegenstandsbezug erst durch die Verbindung mit Nominatoren. (Prädikatoren lassen sich zwar durch ihre Verhältnisse zueinander bestimmen, z.B. "Alle Enten sind Wasservögel, doch nicht alle Wasservögel sind Enten." Oder: "'Schimmel' und 'weißes Pferd' sind äquivalent". Das ist aber ersichtlich eine andere Art der "Bestimmung" als bei Eigennamen.)

    Jedoch wird formale Logik alleine nicht ausreichen, wenn Du feststellen willst, ob die Ausage "Dies ist ein Wasservogel" wahr ist, da wird ein bisschen Empirie hinzukommen müssen.

    Bspw. bei der Betrachtung eines Stuhls haben wir den Eindruck, der Stuhl befinde sich außerhalb von uns. Dieser Eindruck täuscht. Der Stuhl ist eine innere Vorstellung von uns und befindet sich daher keineswegs außerhalb.

    Moin Her K. :)

    Der Begriff "Tatsache" wird natürlich sehr vielfältig gebraucht, das macht die Diskussion nicht gerade einfacher. Ein Beispiel: Julia: "Hast du wirklich den Müll gestern runter gebracht?" Romeo: "Natürlich - Tatsache!!" Hier wird er in irgendeiner Weise zur Bekräftigung der eigenen Aussage verwendet und heißt im Grund so viel wie "wahr". Noch ein Beispiel aus dem Thread: Ist der Stuhl etwas im Kopf oder eine Tatsache? Nun ist ein Stuhl im eigentlichen Sinne keine Tatsache, sondern ein Ding - und der Begriff Tatsache wird hier ungefähr so verwendet: Gibt es Dinge wie Stühle tatsächlich oder sind sie in irgendeiner Weise von unseren Konstruktionsleitungen abhängig.

    Von diesem Punkt hebt sich Hermeneuticus Beitrag ab. Es geht nicht bei allen Diskussionen rund um den Begriff "Tatsache" um eine allgemeine Auseinandersetzung zwischen Realisten und Antirealisten. Dennoch entwickelt sich dieser Thread (aus dem ich das hier ausgelagert habe) praktisch ausschließlich in diese Richtung. Damit wird aber ein wichtiger Punkt verdeckt. Bei Hermeneuticus gibt es ja eine Referenz des Urteils: Es wird über einen “tatsächlichen” singulären Gegenstand etwas allgemeines ausgesagt. (“Das da”) Es gibt in dem Beitrag Hermeneuticus - soweit ich sehe - kein Pendant zu der Behauptung, dass es “das da” (z. B. den Stuhl) nicht gibt.

    Wenn man so will, kann der Tatsachen-Streit (auch) als ein Streit unter Realisten verstanden werden - etwas pointiert gesagt. Die Frage, um die es sich dann dreht, ist allererst eine ontologische und weniger eine “formallogische” wie du unterstellst hast. Es geht im Kern um die Frage, was es gibt. Tugenthat sagt es klipp und klar: "Die Welt (unsere raumzeitliche Welt) besteht [...] nicht aus Tatsachen, sondern aus konkreten Gegenständen." Das war über lange Zeit (ausgehend von Aristoteles) die Standardposition (und nebenbei gesagt meine Position). Philosophen, die diese Ansicht vertreten, müssen aber nicht per se Antirealisten sein. Es gibt nach ihrer Einschätzung die Welt durchaus unabhängig von unseren Ansicht über sie. Nur taucht in ihrer Liste des allgemeinen Inventars der Welt die Kategorie “Tatsache” nicht auf, jedoch zum Beispiel die Kategorie “konkretes Ding”. Das heißt, dass es ihrer Ansicht nach Dinge ohnehin gibt, auch dann, wenn sie niemand je registriert hätte. Sie sind in dieser Hinsicht beinharte Realisten. Es ist, wenn man es so sagen will, ihrer Ansicht nach eine Tatsache, dass es konkrete Einzeldinge gibt und eine Tatsache, dass es keine Tatsachen gibt. Und die Sachverhaltsontologen stimmen dem ersten Punkt natürlich zu, jedoch gehören zu ihrem Welt-Katalog darüberhinaus auch Sachverhalte/Tatsachen.

    Mit anderen Worten: wenn man diesen Streit nachvollziehen will, dann gehören ganz allgemeine idealistische Positionen (die auch Dinge für Konstruktionen erachten) nicht wirklich dazu. Jedoch dreht sich der Thread praktisch nur darum.

    Was hat das mit der Korrespondenz-Theorie zu tun? (Siehe Startbeitrag :)

    Ein Beispiel: Davidson gehört zu den Philosophen, die nicht der Ansicht sind, es gäbe Tatsachen. (Er hält diese ontologische Vermutung für widerlegt, aufgrund des Slingshot-Argumentes, aber das nur am Rande.) In seine Liste gehören etwa Dinge, Personen und Ereignisse. Nach seinem Dafürhalten wurden Tatsachen (als Weltbestandteile) von Korrespondenztheoretikern erfunden, damit sie das korrespondierende Gegenstück für Ansichten (o.ä.) in der Welt vorliegen haben. Denn wenn Ansichten Sachverhalte ausdrücken und Sachverhalte etwas sind, was es in der Welt tatsächlich gibt, ist die Korrespondenztheorie überaus plausibel.

    Meines Erachtens ist die Postion Hermeneuticus (auch wenn er mir darin nicht zustimmen wird) nur vor diesem Hintergrund verständlich.

    Die Nominatoren greifen einen oder auch mehrere Gegenstände heraus. Gegenstände gibt es! Die Bedeutung des Nominators ist durch den "Bezug" (die "Referenz") auf diesen Gegenstand bestimmt. Sachverhalte gehören jedoch (in der Formulierung von Tegtmeier) nicht zum eigentlich Seienden; die “Verbindung und Trennung” (bei Hermeneutcus ist das die “Zuschreibung”), um die es in der Wahrheit und der Falschheit von Urteilen geht, findet nur im Denken statt.

    (Ich habe diesen uralten Thread ausgewählt, weil ich heute eher dazu neige, zu glauben, dass meine Postion von 2012 falsch ist.)

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