Hallo Leute,
Körperhaare sind ein eben ein Teil unseres Körpers. Trotzdem scheint in den letzten Jahren hier ein Trend sichtbar zu werden, sie rigeneros zu entfernen.
Beinhaarentfernung:
Beispiel: Meine Tochter ist wenig behaart, noch dazu ein aschblonder Typ, ihre Körperhaare sind also von Natur aus schon schwer sichtbar. Trotzdem rasiert sie sich jeden dritten Tag 1 1/2 Stunden lang mit einem Nassrasierer die Beine - um dann beim Tragen einer Kurzhose (Panty) erst eine Nylosstumpfhose unter der Kurzhose anzuziehen, damit man eventuelle "Stoppeln" optisch verdeckt.
Dieses Verhalten ist kein Sonderfall, wie mir meine Mutter berichtet, die in Sichtkontakt mit einer Straßenbahnhaltestelle woohnt, wo man natürlich ganz gut die Leute beobachten kann, ist es unter Jugendlichen total unüblich noch Kurzhosen ohne Nylonsstrumpfhosen darunter anzuziehen. - Eine generelle Körperhaarfeindlichkeit hat eingesetzt. Körperhaarentfernung gehört offenbar bei den jungen ganz vorne dazu bei dem was man unter "gepflegtem Äußeren" versteht. Sie werden nicht mehr als Teil des Körpers empfunden sondern als Auswuchs eines ungepflegten unzivilisierten Außeren.
Von der Genitalrasur ganz zu schweigen. Hier ist es sozusagen die Rücksicht auf den Partner die hier auch oft genannt wird, man wolle ihm Haare nicht zumuten. Seltener aber doch spielt auch die Hygiene mit eine Rolle dass man sagt beharte Intimstellen seien von Natur aus nicht so sauber zu halten. Auch bei der Rasur von Achselhaaren wird auf die Hygiene und die leichtere Pflege der Schweißzonen verwiesen.
Mich würde interessieren wie das leibesphänomenologisch aussieht, wenn man Teile seines Körpers einfach "zeittypisch verändert" wenn man zu gewissen Gegebenheiten des Körpers den Bezug verliert sie nicht wahrhaben will, menschliches Ausseres so nachhaltig und mit Akribi verändert.
Vielleicht bietet ja die Leibesphänomenologie auch einen Ansatzpunkt das mal anders zu sehen? Sich mit dem natürlichen "Willen" des Körpers und seiner Haare etwas anzufreunden, ja vielleicht auch mal zu überlegen, was denn nun so "unästhetisch" an den Haaren ist und warum die nicht sein dürfen.
Denn eigentlich läuft es doch auf eine Ästhetik hinaus. Achselhaare, Schamhaare, Beinhaare werden in der heutigen Zeit als "nicht schön" empfunden.
Ich denke da an das Bild "das Pelzchen" von Dürer glaub ich wars, auf dem man seine Geliebte - mit Schambehaarung und teilweise mit einem Fell umhüllt sehen kann. Es soll das einzige Bild gewesen sein, das der Künstler zu lebzeiten als unverkäuflich selbst behalten hat. Und man darf durchaus folgern, dass sich der Name "Das Pelzchen" eben NICHT nur auf das Tierfell bezog.
In anderen Zeiten dachte man also über Körperhaare offenbar anders, betrachtete sie anders und stand ihnen anders gegenüber.
Was hat die Leibesphänomenologie heute dazu beizutragen?
LG
Samantha