Fragen zur Phänomenologie

  • Ich schlage mich gerade ein wenig mit der (Husserlschen) Phänomenologie herum, irgendeine Textstelle im thread "Strukturen und Systeme" hatte mich darauf gebracht, aber ich komme nicht damit zurecht. Hat hier irgend jemand ansatzweise Ahnung davon? Ich hatte in einem Buch eine interessante Textstelle gefunden, wonach mir die Phänomenologie als so etwas wie die Durchschlagung des "kantischen/konstruktivistischen Knotens" erschienen war:

    "[...] das Bewußtsein ist auf die Sache gerichtet, es besteht ganz in dieser Ausrichtung, es ist "Bewußtsein von". Diese anscheinend so schlichte Bestimmung hat gleichwohl die ganze Phänomenologie in sich getragen. Sie beseitigt das idealistische Vorurteil, wonach das Bewußtsein in seine eigene Repräsentationen einbeschlossen ist, wie das physiologische Vorurteil, wonach Bewußtsein nur als Reflex der Oberfläche der realen Welt erscheint. In diesem Sinne wird die Phänomenologie charakterisiert als Wiedereinsetzung des Bewußtseins in das Recht, sich selbst und die Welt zu erkennen."

    (René Schérer: Husserl, die Phänomenologie und ihre Entfaltung, in: Geschichte der Philosophie, hrsg. von François Châtelet, Bd. VI: Die Philosophie im Zeitalter von Industrie und Wissenschaft (1860-1940), 1975)

    Das klingt gut in meinen Ohren. Aber wenn ich mich näher mit der Phänomenologie beschäftige, verflüchtigt sich dieses Wohlgefallen ganz schnell wieder. Husserls Schlachtruf "Zu den Sachen selbst" läuft nämlich überraschenderweise (für mich überraschend) auf etwas hinaus, was "reine Wesenheiten" genannt wird. Alles "Unwesentliche" wird "eingeklammert", bis man zum "Wesen" der "Dinge selbst" vordringt. Und damit kann ich nun so gar nichts anfangen. Mir scheint das widersprüchlich zu sein (was aber vermutlich an meiner Unkenntnis des phänomenologischen Vokabulars liegt). Phänomene, im Sinne von Erscheinungen, sind für mich das gerade Gegenteil von "Wesen".

    Kann mir jemand auf die Sprünge helfen? Diverse Lexika haben nichts geholfen, ich verhedder mich da nur in mir unverständlichen Begriffen. Von Husserl selbst habe ich mal einen Band in die Hand genommen, aber ziemlich schockiert wieder weggelegt. Philosophie darf ja gern etwas trocken sein - aber so staubtrocken ... :sick:

    Was mich an der ganzen Sache so wundert, das ist, dass die Phänomenologie doch angeblich recht einflussreich für die Denker des 20. Jahrhunderts gewesen sein soll. Man denke nur an Heidegger oder, wie ich der Wikipedia entnehme, den Existenzialismus. Wie passt das zusammen?

    Edited once, last by Jovis (November 15, 2005 at 8:28 PM).

  • Ich schlage mich gerade ein wenig mit der (Husserlschen) Phänomenologie herum, irgendeine Textstelle im thread "Strukturen und Systeme" hatte mich darauf gebracht, aber ich komme nicht damit zurecht. Hat hier irgend jemand ansatzweise Ahnung davon? Ich hatte in einem Buch eine interessante Textstelle gefunden, wonach mir die Phänomenologie als so etwas wie die Durchschlagung des "kantischen/konstruktivistischen Knotens" erschienen war:

    "[...] das Bewußtsein ist auf die Sache gerichtet, es besteht ganz in dieser Ausrichtung, es ist "Bewußtsein von". Diese anscheinend so schlichte Bestimmung hat gleichwohl die ganze Phänomenologie in sich getragen. Sie beseitigt das idealistische Vorurteil, wonach das Bewußtsein in seine eigene Repräsentationen einbeschlossen ist, wie das physiologische Vorurteil, wonach Bewußtsein nur als Reflex der Oberfläche der realen Welt erscheint. In diesem Sinne wird die Phänomenologie charakterisiert als Wiedereinsetzung des Bewußtseins in das Recht, sich selbst und die Welt zu erkennen."

    (René Schérer: Husserl, die Phänomenologie und ihre Entfaltung, in: Geschichte der Philosophie, hrsg. von François Châtelet, Bd. VI: Die Philosophie im Zeitalter von Industrie und Wissenschaft (1860-1940), 1975)

    Das klingt gut in meinen Ohren. Aber wenn ich mich näher mit der Phänomenologie beschäftige, verflüchtigt sich dieses Wohlgefallen ganz schnell wieder. Husserls Schlachtruf "Zu den Sachen selbst" läuft nämlich überraschenderweise (für mich überraschend) auf etwas hinaus, was "reine Wesenheiten" genannt wird. Alles "Unwesentliche" wird "eingeklammert", bis man zum "Wesen" der "Dinge selbst" vordringt. Und damit kann ich nun so gar nichts anfangen. Mir scheint das widersprüchlich zu sein (was aber vermutlich an meiner Unkenntnis des phänomenologischen Vokabulars liegt). Phänomene, im Sinne von Erscheinungen, sind für mich das gerade Gegenteil von "Wesen".

    Kann mir jemand auf die Sprünge helfen? Diverse Lexika haben nichts geholfen, ich verhedder mich da nur in mir unverständlichen Begriffen. Von Husserl selbst habe ich mal einen Band in die Hand genommen, aber ziemlich schockiert wieder weggelegt. Philosophie darf ja gern etwas trocken sein - aber so staubtrocken ... :sick:

    Was mich an der ganzen Sache so wundert, das ist, dass die Phänomenologie doch angeblich recht einflussreich für die Denker des 20. Jahrhunderts gewesen sein soll. Man denke nur an Heidegger oder, wie ich der Wikipedia entnehme, den Existenzialismus. Wie passt das zusammen?

    Edited once, last by Jovis (November 15, 2005 at 8:28 PM).

  • Aus der Art, phänomenologische Reduktionen (- in der Form, die sie die Eideitik Husserls veranschlagt) voranzutreiben, um zum Wesen der Dinge zu gelangen, ist ja dann auch eine Art 'Guckkastenmetaphysik' geworden. Unmittelbar Gegebenes wird hypostasiert, wovon dann in der Reduktion das Wesentliche resultieren solle...

    Anfangs hatte ich aber noch Probleme, zwischen 'noesis' und 'noema' zu unterscheiden, und bin, liebe Jovis, - so denke ich - immer noch nicht recht gewappnet, in den Wettstreit um phänomenologische Problemlagen wirklich eingreifen zu können. Aber danke zumindest für die Erinnerung an jene Konflikte... (- ich kenn Husserl namentlich wieder einmal von Adorno her: 'Zur Metakritik der Erkenntnistheorie').

    "Wann willst du mich, Ausschweifung, in deinen schmutzigen Armen begraben? O Tod, an Reizen ihr ebenbürtig, wann kommst du und pfropfst auf ihre giftigen Myrten deine schwarzen Zypressen?"
    (Charles Baudelaire)

    "La philosophie triomphe aisément des maux passés et des maux à venir. Mais les
    maux présents triomphent d'elle." (La Rochefoucauld)

  • Aus der Art, phänomenologische Reduktionen (- in der Form, die sie die Eideitik Husserls veranschlagt) voranzutreiben, um zum Wesen der Dinge zu gelangen, ist ja dann auch eine Art 'Guckkastenmetaphysik' geworden. Unmittelbar Gegebenes wird hypostasiert, wovon dann in der Reduktion das Wesentliche resultieren solle...

    Anfangs hatte ich aber noch Probleme, zwischen 'noesis' und 'noema' zu unterscheiden, und bin, liebe Jovis, - so denke ich - immer noch nicht recht gewappnet, in den Wettstreit um phänomenologische Problemlagen wirklich eingreifen zu können. Aber danke zumindest für die Erinnerung an jene Konflikte... (- ich kenn Husserl namentlich wieder einmal von Adorno her: 'Zur Metakritik der Erkenntnistheorie').

    "Wann willst du mich, Ausschweifung, in deinen schmutzigen Armen begraben? O Tod, an Reizen ihr ebenbürtig, wann kommst du und pfropfst auf ihre giftigen Myrten deine schwarzen Zypressen?"
    (Charles Baudelaire)

    "La philosophie triomphe aisément des maux passés et des maux à venir. Mais les
    maux présents triomphent d'elle." (La Rochefoucauld)

  • schau mal unter eidetische Reduktion nach
    (eidos: Wesen)

    "...nicht die einzelfälle intentionalen erlebens bei bestimmten menschen sind ihr gegenstand, sondern die wesensmäßigen grundgesetze der erlebnisse. phänomenologie in diesem sinne ist wesensschau.
    mit hilfe der reduktion ist es nun möglich zu klären auf grund welcher leistungen sich das bewußtsein selbst und wie sich gegenständlichkeit, und damit welt, im bewußtsein konstituiert. als hintergrund der konstitution zeigt sich
    die Identität des reinen ich, in dessen selbstbewußtsein der Zusammenhang der Erlebnisse gründet..."

    grüße f.
    ?( R-)

  • schau mal unter eidetische Reduktion nach
    (eidos: Wesen)

    "...nicht die einzelfälle intentionalen erlebens bei bestimmten menschen sind ihr gegenstand, sondern die wesensmäßigen grundgesetze der erlebnisse. phänomenologie in diesem sinne ist wesensschau.
    mit hilfe der reduktion ist es nun möglich zu klären auf grund welcher leistungen sich das bewußtsein selbst und wie sich gegenständlichkeit, und damit welt, im bewußtsein konstituiert. als hintergrund der konstitution zeigt sich
    die Identität des reinen ich, in dessen selbstbewußtsein der Zusammenhang der Erlebnisse gründet..."

    grüße f.
    ?( R-)

  • E. Husserl im "Überblick"

    Anfang

    ... Phänomenologie ...

    ... Grundlage ist dabei der Begriff der Intentionalität ...
    in Anlehnung Husserls an Bretano
    Bretano bezeichnete damit
    "die Eigenart psych. Phänomene, im Unterschied zu physischen, auf etwas gerichtet zu sein, d.h. immer Bewußtsein von etwas zu sein.
    Husserl baute diesen Begriff aus. Die Intentionalität des Bewußtseins verweißt auf
    die durchgängige Korrelation zwischen den Vollzügen des Bewußtseins (z.B. wahrnehmen, erinnern, lieben), die sich auf einen Gegenstand beziehen (Akte des Vermeinens: Noesis, Pl. Noesen) und dem Gegenstand, wie er in diesen Vollzügen erscheint (das Vermeinte: Noema, Pl. Noemata).
    Der vermeinte Gegenstand ist dabei Resultat einer Synthese, in der mannigfaltige Noesen zur Einheit eines Gegenstandsbewußtseins gebracht werden. Noema ist nicht der Gegenstand in seinem Wirklichsein an sich, sondern der in der sinngebenden Funktion der Bewußtseinsvollzüge intentional enthaltene. Als Unterlage für die Noesen dienen die Empfindungsdaten (sensuelle Hyle).
    Daher spielt für Husserl die Analyse der Wahrnehmung eine wichtige Rolle.
    Sensuelle Hyle und die Noesen bilden die reellen Gehalte im Erleben, das Vermeinte (Noemata) ist der irreelle Gehalt (intentionaler Gegenstand).
    Ein Grundzug der Intentionalität ist das Streben nach Evidenz. Evidenz meint die zweifellose Selbstgegebenheit eines intentional Vermeinten für ein originär erfassendes Bewußtsein.
    Um die Phänomenologie solcherart in den Blick zu bekommen, bedarf es einer grundsätzlichen Änderung unserer nat. Einstellung zur Welt, die Husserl phänomenologische Reduktion nennt.

    phänomenologische Reduktion ...
    ... Husserl bezeichnet dieses Verfahren mit einem Begriff aus der antiken Skepsis auch Epoche (Enthaltung).

    eidetische Reduktion s.o.

    ... inneres Zeitbewußtsein ...

    ... Intersubjektivität ...

    ... Lebenswelt ...

    Ende

    gruß f. ?( R-)

    alles aus dtv-Atlas Philosophie

    Edited 3 times, last by farbensammler (November 15, 2005 at 9:47 PM).

  • E. Husserl im "Überblick"

    Anfang

    ... Phänomenologie ...

    ... Grundlage ist dabei der Begriff der Intentionalität ...
    in Anlehnung Husserls an Bretano
    Bretano bezeichnete damit
    "die Eigenart psych. Phänomene, im Unterschied zu physischen, auf etwas gerichtet zu sein, d.h. immer Bewußtsein von etwas zu sein.
    Husserl baute diesen Begriff aus. Die Intentionalität des Bewußtseins verweißt auf
    die durchgängige Korrelation zwischen den Vollzügen des Bewußtseins (z.B. wahrnehmen, erinnern, lieben), die sich auf einen Gegenstand beziehen (Akte des Vermeinens: Noesis, Pl. Noesen) und dem Gegenstand, wie er in diesen Vollzügen erscheint (das Vermeinte: Noema, Pl. Noemata).
    Der vermeinte Gegenstand ist dabei Resultat einer Synthese, in der mannigfaltige Noesen zur Einheit eines Gegenstandsbewußtseins gebracht werden. Noema ist nicht der Gegenstand in seinem Wirklichsein an sich, sondern der in der sinngebenden Funktion der Bewußtseinsvollzüge intentional enthaltene. Als Unterlage für die Noesen dienen die Empfindungsdaten (sensuelle Hyle).
    Daher spielt für Husserl die Analyse der Wahrnehmung eine wichtige Rolle.
    Sensuelle Hyle und die Noesen bilden die reellen Gehalte im Erleben, das Vermeinte (Noemata) ist der irreelle Gehalt (intentionaler Gegenstand).
    Ein Grundzug der Intentionalität ist das Streben nach Evidenz. Evidenz meint die zweifellose Selbstgegebenheit eines intentional Vermeinten für ein originär erfassendes Bewußtsein.
    Um die Phänomenologie solcherart in den Blick zu bekommen, bedarf es einer grundsätzlichen Änderung unserer nat. Einstellung zur Welt, die Husserl phänomenologische Reduktion nennt.

    phänomenologische Reduktion ...
    ... Husserl bezeichnet dieses Verfahren mit einem Begriff aus der antiken Skepsis auch Epoche (Enthaltung).

    eidetische Reduktion s.o.

    ... inneres Zeitbewußtsein ...

    ... Intersubjektivität ...

    ... Lebenswelt ...

    Ende

    gruß f. ?( R-)

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    Edited 3 times, last by farbensammler (November 15, 2005 at 9:47 PM).

  • Herr K. hat eine Freundin, die Ihn in der Summe nur Geld und Geduld kostet. Sie betrügt Ihn, schmeisst sein Geld raus....etc. Er hat nur ein Problem: Herr K. liebt diese Frau ..... sein Blick ist getrübt. Er redet sich ein......(man kann sich ja denken was ) und zieht keine Konsequenzen. Sein bester freund ist nicht in diese Frau verliebt, er will nichts von ihr.........er hat sie kennengelernt, ohne Vorurteile. Er erkennt (nach gewisser Zeit), dass diese Frau seinem Freund schadet. Er erkennt Ihr wahres Wesen. Sein Bewusstsein ist in diesem Fall eben nicht durch starke Liebe beeinflusst. Sein Standpunkt hat mehr Objektivität. (wir gehen natürlich davon aus, dass dieser "beste Freund" auch nicht besitzergreifend ist, oder andere eigene Motive hat, um diese Frau eventuell schlecht zu reden. In diesem Fall, wäre natürlich sein Standpunkt neotisch beeinflusst )

    "noetisch" ist, was sich auf den Bewusstseinsakt (glauben, wollen, hassen, lieben ...) bezieht

    Bei unserem Beispiel: Liebe


    "noematisch" ist, wie der Gegenstand durch diese noetischen Akte erscheint (das jeweils Geglaubte, Gewollte, Gehasste, Geliebte ...).


    In diesem Fall kann Liebe sprichwörtlich blind machen. Das Bild der Freundin wird verklärt. Sie zeigt sich dem Liebenden, wie er es sich wünscht.

    Beispiele für Handlungen oder Erscheinungen, hinter denen hassen, glauben, wollen, nicht wollen .....etc kann man sich zu genüge ausdenken. Beobachte einfach deine Handlungen. Deine Wortwahl. Viele Dinge passieren angeblich unbewusst..............nur wir selbst wissen, wie oft es bewusst passiert. Oder bist du schon so blind?

    Gruss
    OrloZ

  • Herr K. hat eine Freundin, die Ihn in der Summe nur Geld und Geduld kostet. Sie betrügt Ihn, schmeisst sein Geld raus....etc. Er hat nur ein Problem: Herr K. liebt diese Frau ..... sein Blick ist getrübt. Er redet sich ein......(man kann sich ja denken was ) und zieht keine Konsequenzen. Sein bester freund ist nicht in diese Frau verliebt, er will nichts von ihr.........er hat sie kennengelernt, ohne Vorurteile. Er erkennt (nach gewisser Zeit), dass diese Frau seinem Freund schadet. Er erkennt Ihr wahres Wesen. Sein Bewusstsein ist in diesem Fall eben nicht durch starke Liebe beeinflusst. Sein Standpunkt hat mehr Objektivität. (wir gehen natürlich davon aus, dass dieser "beste Freund" auch nicht besitzergreifend ist, oder andere eigene Motive hat, um diese Frau eventuell schlecht zu reden. In diesem Fall, wäre natürlich sein Standpunkt neotisch beeinflusst )

    "noetisch" ist, was sich auf den Bewusstseinsakt (glauben, wollen, hassen, lieben ...) bezieht

    Bei unserem Beispiel: Liebe


    "noematisch" ist, wie der Gegenstand durch diese noetischen Akte erscheint (das jeweils Geglaubte, Gewollte, Gehasste, Geliebte ...).


    In diesem Fall kann Liebe sprichwörtlich blind machen. Das Bild der Freundin wird verklärt. Sie zeigt sich dem Liebenden, wie er es sich wünscht.

    Beispiele für Handlungen oder Erscheinungen, hinter denen hassen, glauben, wollen, nicht wollen .....etc kann man sich zu genüge ausdenken. Beobachte einfach deine Handlungen. Deine Wortwahl. Viele Dinge passieren angeblich unbewusst..............nur wir selbst wissen, wie oft es bewusst passiert. Oder bist du schon so blind?

    Gruss
    OrloZ

  • Erst noch mal ins Blaue hinein, ohne auf eure Antworten einzugehen:

    Ich hatte bisher wohl eine völlig falsche Vorstellung von der Phänomenologie. Ich hatte gedacht, hier würden die Tücken der Erkenntnistheorie sozusagen umschifft, indem man sich nur auf die "Phänomene" bezieht. Erkenntnis von Dingen ist immer mit Zweifeln behaftet, aber meiner Vorstellungen oder Erlebnisse kann ich mir (normalerweise) sicher sein. "Dieser Baum sieht für mich blau aus" - dagegen kommt kein Skeptiker an.

    Was sich daraus für eine Philosophie ableiten lässt, darüber hatte ich bisher allerdings noch nie nachgedacht. Eine Philosophie, die jede "objektive" Erkenntnis leugnet? Die sich nur auf die subjektiven Erlebnisse stützt?

    Aber wenn ich dann lese, dass Husserl mit seiner Phänomenologie der Philosophie ein "streng wissenschaftliches" Fundament geben wollte; dass sie u.a. auch aus einer Bekämpfung des "Psychologismus" entstand; dass es bei ihm nicht um empirische Subjekte geht, sondern um ein "absolutes Bewusstsein" oder "transzendentales Ego"; dass bei ihm im Verlauf der weiteren Entwicklung die Erscheinungen mit den Gegenständen gleichgesetzt werden; dass er nicht zuletzt "zu den Sachen selbst" zurück wollte (aber offenbar bei ihrem "Wesen" landet) - dann kann das mit der Subjektivität irgendwie nicht stimmen.

    Und was haben die Philosophen, die im Zusammenhang mit der Phänomenologie immer wieder auftauchen (z.B. Heidegger, Merleau-Ponty, Arendt, Derrida, Lyotard, Sartre), nur an dieser Philosophie der "Wesensschau" eines "transzendentalen Egos" gefunden?

  • Erst noch mal ins Blaue hinein, ohne auf eure Antworten einzugehen:

    Ich hatte bisher wohl eine völlig falsche Vorstellung von der Phänomenologie. Ich hatte gedacht, hier würden die Tücken der Erkenntnistheorie sozusagen umschifft, indem man sich nur auf die "Phänomene" bezieht. Erkenntnis von Dingen ist immer mit Zweifeln behaftet, aber meiner Vorstellungen oder Erlebnisse kann ich mir (normalerweise) sicher sein. "Dieser Baum sieht für mich blau aus" - dagegen kommt kein Skeptiker an.

    Was sich daraus für eine Philosophie ableiten lässt, darüber hatte ich bisher allerdings noch nie nachgedacht. Eine Philosophie, die jede "objektive" Erkenntnis leugnet? Die sich nur auf die subjektiven Erlebnisse stützt?

    Aber wenn ich dann lese, dass Husserl mit seiner Phänomenologie der Philosophie ein "streng wissenschaftliches" Fundament geben wollte; dass sie u.a. auch aus einer Bekämpfung des "Psychologismus" entstand; dass es bei ihm nicht um empirische Subjekte geht, sondern um ein "absolutes Bewusstsein" oder "transzendentales Ego"; dass bei ihm im Verlauf der weiteren Entwicklung die Erscheinungen mit den Gegenständen gleichgesetzt werden; dass er nicht zuletzt "zu den Sachen selbst" zurück wollte (aber offenbar bei ihrem "Wesen" landet) - dann kann das mit der Subjektivität irgendwie nicht stimmen.

    Und was haben die Philosophen, die im Zusammenhang mit der Phänomenologie immer wieder auftauchen (z.B. Heidegger, Merleau-Ponty, Arendt, Derrida, Lyotard, Sartre), nur an dieser Philosophie der "Wesensschau" eines "transzendentalen Egos" gefunden?

  • So, nun im Einzelnen.

    farbensammler hat zitiert:
    "...nicht die einzelfälle intentionalen erlebens bei bestimmten menschen sind ihr gegenstand, sondern die wesensmäßigen grundgesetze der erlebnisse. phänomenologie in diesem sinne ist wesensschau.
    mit hilfe der reduktion ist es nun möglich zu klären auf grund welcher leistungen sich das bewußtsein selbst und wie sich gegenständlichkeit, und damit welt, im bewußtsein konstituiert. als hintergrund der konstitution zeigt sich die Identität des reinen ich, in dessen selbstbewußtsein der Zusammenhang der Erlebnisse gründet...
    "

    "... die wesensmäßigen grundgesetze der erlebnisse ..." Ja, so könnte ich das noch verstehen: wenn es nicht um das Wesen der "Dinge" geht es, sondern um das Wesen der Erkenntnis oder des Bewusstseins (was auch immer das dann sein könnte). Aber genau so ist es von Husserl offenbar nicht gemeint gewesen, wenn ich das richtig verstehe. Nicht das Bewusstsein steht bei ihm im Vordergrund, sondern tatsächlich die Sachen selbst.

    Insofern geht es auch nicht um das "pure Ego", wie davide geschrieben hat, jedenfalls nicht im Sinne einer totalen Subjektivität. Deshalb hat Husserl wohl den Begriff des transzendentalen Egos benutzt, um das deutlich zu unterscheiden.

    Weiter hatte farbensammler einiges zur Intentionalität zitiert, was ein wichtiger Begriff bei Husserl zu sein scheint. Soweit ich den Zusammenhang verstanden habe, leuchtet mir dieser Begriff ein, vor allem als Unterscheidung zu physischen Phänomenen. Allerdings ist "Intention" für mich stark subjektiv gefärbt, was mit der Husserlschen Intention ;) ja offenbar nicht zusammenpasst.

    ---
    Wie wichtig ist für das Verständnis der Phänomenologie eigentlich die Unterscheidung von Noesis und Noema? Ich habe sie jedenfalls auch noch nicht wirklich begriffen, trotz aller Beispiele. Auch die Unterscheidung von reell, real und ideell in Verenas Zitat erschließt sich mir noch nicht so ganz. Wenn ich allerdings die Unterscheidung von reell und real weglasse und nur reell/ideell nehme, dann blitzt wenigstens schon mal ein kleines Lichtchen auf.

    Ein Versuch meinerseits: Die Noesis wäre das, was im Erlebnisakt wirklich vor sich geht (wirklich? das wüssten alle Hirnforscher wohl gern!), deshalb reell (warum nicht real?), also das, was das Bewusstsein "macht", während es was macht ... Das, womit es da was macht, wären die Noema. Aber damit sind nicht die Sinnesdaten gemeint, sondern die Vorstellungen (und weiter die Begriffe?), die das Bewusstsein daraus gemacht hat und mit denen es nun weiter "hantiert". Darum ideell, weil es sich weder um den realen Gegenstand selbst handelt noch um die realen/reellen Sinnesdaten, sondern um etwas "Bewusstseinsinternes".

    ----
    OrloZs Beispiel finde ich sehr erhellend, weil es meiner Meinung nach zeigt, dass diese sogenannte "eidetische Reduktion" gar nicht richtig möglich ist. Es mag ja sein, dass der Freund die Freundin des Herrn K. mit anderen Augen sieht als K. selbst, und vielleicht erkennt er manches, was K. entgeht. Aber er sieht sie mit Sicherheit nicht "objektiv". "Blind" sind wir in gewisser Weise immer. (Hallo itsnotme :) )

  • So, nun im Einzelnen.

    farbensammler hat zitiert:
    "...nicht die einzelfälle intentionalen erlebens bei bestimmten menschen sind ihr gegenstand, sondern die wesensmäßigen grundgesetze der erlebnisse. phänomenologie in diesem sinne ist wesensschau.
    mit hilfe der reduktion ist es nun möglich zu klären auf grund welcher leistungen sich das bewußtsein selbst und wie sich gegenständlichkeit, und damit welt, im bewußtsein konstituiert. als hintergrund der konstitution zeigt sich die Identität des reinen ich, in dessen selbstbewußtsein der Zusammenhang der Erlebnisse gründet...
    "

    "... die wesensmäßigen grundgesetze der erlebnisse ..." Ja, so könnte ich das noch verstehen: wenn es nicht um das Wesen der "Dinge" geht es, sondern um das Wesen der Erkenntnis oder des Bewusstseins (was auch immer das dann sein könnte). Aber genau so ist es von Husserl offenbar nicht gemeint gewesen, wenn ich das richtig verstehe. Nicht das Bewusstsein steht bei ihm im Vordergrund, sondern tatsächlich die Sachen selbst.

    Insofern geht es auch nicht um das "pure Ego", wie davide geschrieben hat, jedenfalls nicht im Sinne einer totalen Subjektivität. Deshalb hat Husserl wohl den Begriff des transzendentalen Egos benutzt, um das deutlich zu unterscheiden.

    Weiter hatte farbensammler einiges zur Intentionalität zitiert, was ein wichtiger Begriff bei Husserl zu sein scheint. Soweit ich den Zusammenhang verstanden habe, leuchtet mir dieser Begriff ein, vor allem als Unterscheidung zu physischen Phänomenen. Allerdings ist "Intention" für mich stark subjektiv gefärbt, was mit der Husserlschen Intention ;) ja offenbar nicht zusammenpasst.

    ---
    Wie wichtig ist für das Verständnis der Phänomenologie eigentlich die Unterscheidung von Noesis und Noema? Ich habe sie jedenfalls auch noch nicht wirklich begriffen, trotz aller Beispiele. Auch die Unterscheidung von reell, real und ideell in Verenas Zitat erschließt sich mir noch nicht so ganz. Wenn ich allerdings die Unterscheidung von reell und real weglasse und nur reell/ideell nehme, dann blitzt wenigstens schon mal ein kleines Lichtchen auf.

    Ein Versuch meinerseits: Die Noesis wäre das, was im Erlebnisakt wirklich vor sich geht (wirklich? das wüssten alle Hirnforscher wohl gern!), deshalb reell (warum nicht real?), also das, was das Bewusstsein "macht", während es was macht ... Das, womit es da was macht, wären die Noema. Aber damit sind nicht die Sinnesdaten gemeint, sondern die Vorstellungen (und weiter die Begriffe?), die das Bewusstsein daraus gemacht hat und mit denen es nun weiter "hantiert". Darum ideell, weil es sich weder um den realen Gegenstand selbst handelt noch um die realen/reellen Sinnesdaten, sondern um etwas "Bewusstseinsinternes".

    ----
    OrloZs Beispiel finde ich sehr erhellend, weil es meiner Meinung nach zeigt, dass diese sogenannte "eidetische Reduktion" gar nicht richtig möglich ist. Es mag ja sein, dass der Freund die Freundin des Herrn K. mit anderen Augen sieht als K. selbst, und vielleicht erkennt er manches, was K. entgeht. Aber er sieht sie mit Sicherheit nicht "objektiv". "Blind" sind wir in gewisser Weise immer. (Hallo itsnotme :) )

  • Hier noch eine Fundsache - Husserl scheint immer noch aktuell zu sein ... (Ich habe den Text selbst noch nicht gelesen, nur diese Einleitung.)

    Meixner, Uwe (2003) Die Aktualität Husserls für die moderne Philosophie des Geistes, in Meixner, Uwe and Newen, Albert, Eds. Seele, Denken, Bewusstsein. Zur Geschichte der Philosophie des Geistes, pages pp. 308-388. de Gruyter: Berlin, New York

    "Ausgangspunkt der vorliegenden Würdigung Husserls als phänomenologischer Transzendentalphilosoph ist die wachsende Tendenz innerhalb der analytischen Philosophie des Geistes, klassisch-dualistische Positionen in der Nachfolge Descartes durch einen objektivistischen Physikalismus zu ersetzen. Die wenigen Gegenstimmen – etwa Nagel – ignorierten das kritische Potential des husserlschen Ansatzes, das der Autor gestützt auf Husserls Cartesianische Mediationen und dessen sogenannte Krisisschrift erläutert. Im Zentrum steht dabei die Entfaltung der von Husserl postulierten essentiell dreieinigen Struktur, die menschlicher Wahrnehmung als intentionalem Akt zukomme. Das Problem, soziale Verbundenheit mit dem "Anderen" in einem ursprünglichen Sinn zu denken, ohne dabei auf metaphysische Postulate zu rekurrieren, wird schließlich als Grenze von Husserls Versuch angeführt, "aus der Innenperspektive den Phänomenen der Welterfahrung begrifflich nachzugehen"."

    Den Volltext findet man hier.

  • Hier noch eine Fundsache - Husserl scheint immer noch aktuell zu sein ... (Ich habe den Text selbst noch nicht gelesen, nur diese Einleitung.)

    Meixner, Uwe (2003) Die Aktualität Husserls für die moderne Philosophie des Geistes, in Meixner, Uwe and Newen, Albert, Eds. Seele, Denken, Bewusstsein. Zur Geschichte der Philosophie des Geistes, pages pp. 308-388. de Gruyter: Berlin, New York

    "Ausgangspunkt der vorliegenden Würdigung Husserls als phänomenologischer Transzendentalphilosoph ist die wachsende Tendenz innerhalb der analytischen Philosophie des Geistes, klassisch-dualistische Positionen in der Nachfolge Descartes durch einen objektivistischen Physikalismus zu ersetzen. Die wenigen Gegenstimmen – etwa Nagel – ignorierten das kritische Potential des husserlschen Ansatzes, das der Autor gestützt auf Husserls Cartesianische Mediationen und dessen sogenannte Krisisschrift erläutert. Im Zentrum steht dabei die Entfaltung der von Husserl postulierten essentiell dreieinigen Struktur, die menschlicher Wahrnehmung als intentionalem Akt zukomme. Das Problem, soziale Verbundenheit mit dem "Anderen" in einem ursprünglichen Sinn zu denken, ohne dabei auf metaphysische Postulate zu rekurrieren, wird schließlich als Grenze von Husserls Versuch angeführt, "aus der Innenperspektive den Phänomenen der Welterfahrung begrifflich nachzugehen"."

    Den Volltext findet man hier.

  • # jovis

    Wurde zum Ausspruch 'pures Ego' tatsächlich bloß verführt von der Phrase von der 'Identität des reinen Ichs'. Man verzeihe die Paraphrasierung, aber sie liegt hier irgendwie nahe... - wobei ich nicht auf dem negativen Beigeschmack beharren wollte, den diese angebliche 'Reinheit' des Ichs in seiner Identität an sich haben mag. Trotzdem bleibt dieses Etwas, das ich hier herausgepickt habe, doch äußerst fragwürdig.

    "Wann willst du mich, Ausschweifung, in deinen schmutzigen Armen begraben? O Tod, an Reizen ihr ebenbürtig, wann kommst du und pfropfst auf ihre giftigen Myrten deine schwarzen Zypressen?"
    (Charles Baudelaire)

    "La philosophie triomphe aisément des maux passés et des maux à venir. Mais les
    maux présents triomphent d'elle." (La Rochefoucauld)

    Edited 2 times, last by davide (November 16, 2005 at 8:52 PM).

  • # jovis

    Wurde zum Ausspruch 'pures Ego' tatsächlich bloß verführt von der Phrase von der 'Identität des reinen Ichs'. Man verzeihe die Paraphrasierung, aber sie liegt hier irgendwie nahe... - wobei ich nicht auf dem negativen Beigeschmack beharren wollte, den diese angebliche 'Reinheit' des Ichs in seiner Identität an sich haben mag. Trotzdem bleibt dieses Etwas, das ich hier herausgepickt habe, doch äußerst fragwürdig.

    "Wann willst du mich, Ausschweifung, in deinen schmutzigen Armen begraben? O Tod, an Reizen ihr ebenbürtig, wann kommst du und pfropfst auf ihre giftigen Myrten deine schwarzen Zypressen?"
    (Charles Baudelaire)

    "La philosophie triomphe aisément des maux passés et des maux à venir. Mais les
    maux présents triomphent d'elle." (La Rochefoucauld)

    Edited 2 times, last by davide (November 16, 2005 at 8:52 PM).

  • Allmählich verstehe ich etwas mehr, dank des verlinkten Texts von Uwe Meixner. Ich denke hier einfach mal "laut" weiter, vielleicht interessiert's ja den einen oder die andere ein wenig. Wenn nicht - macht nix, so hilft es doch meinem eigenen Denken. 8)

    Meixner stellt den sogenannten "Objektivismus" (heutiger naturwissenschaftlicher Prägung, der seiner Meinung nach nicht erst mit Descartes begonnen hat, sondern weit darüber hinaus zurückgeht auf den offenbar "natürlichen" Drang des Menschen, die Welt, so wie er sie wahrnimmt, zu objektivieren) der Transzendentalphilosophie Husserlscher Prägung gegenüber. Vergleichend behandelt er die Frage: "(I) Was stellt sich für den Objektivismus als besondere Schwierigkeit, ja als Rätsel dar, was für den Transzendentalismus?"

    Während demnach für den Objektivismus das Bewusstsein oder das Phänomen Geist das größte Rätsel ist, das er bisher noch nicht zu lösen oder zu integrieren vermocht hat (also im Grunde das "Subjektive", wenn man es mal verkürzt ausdrücken will), ist für den Transzendentalismus gerade die Objektivität das Rätsel. Für die Phänomenologie ist nicht "die Welt", sondern "die Subjektivität, also das Bewusstseinsleben das ontologisch Erste. Alles Objektive, auch das paradigmatisch Objektive, das Physische der Physik, geht daraus erst durch eine rationale Konstitutionsleistung hervor, bleibt also in einem gewissen Sinn subjektives Gebilde." (Meixner S. 316) Wie kommt es dann, dass wir zur Objektivation überhaupt fähig sind?

    Zitat Husserl:

    „Für den Transzendentalphilosophen ist aber die gesamte reale Objektivität, die wissenschaftliche Objektivität aller wirklichen und möglichen Wissenschaften, aber auch die vorwissenschaftliche der Lebenswelt mit ihren ‚Situationswahrheiten‘ und der Relativität ihrer seienden Objekte, nun zum Problem, zum Rätsel aller Rätsel geworden. Das Rätsel ist gerade die Selbstverständlichkeit, in der für uns beständig und vorwissenschaftlich ‚Welt‘ ist, als Titel für eine Unendlichkeit von allen objektiven Wissenschaften unentbehrlichen Selbstverständlichkeiten."
    (Krisis, S. 208.)

  • Allmählich verstehe ich etwas mehr, dank des verlinkten Texts von Uwe Meixner. Ich denke hier einfach mal "laut" weiter, vielleicht interessiert's ja den einen oder die andere ein wenig. Wenn nicht - macht nix, so hilft es doch meinem eigenen Denken. 8)

    Meixner stellt den sogenannten "Objektivismus" (heutiger naturwissenschaftlicher Prägung, der seiner Meinung nach nicht erst mit Descartes begonnen hat, sondern weit darüber hinaus zurückgeht auf den offenbar "natürlichen" Drang des Menschen, die Welt, so wie er sie wahrnimmt, zu objektivieren) der Transzendentalphilosophie Husserlscher Prägung gegenüber. Vergleichend behandelt er die Frage: "(I) Was stellt sich für den Objektivismus als besondere Schwierigkeit, ja als Rätsel dar, was für den Transzendentalismus?"

    Während demnach für den Objektivismus das Bewusstsein oder das Phänomen Geist das größte Rätsel ist, das er bisher noch nicht zu lösen oder zu integrieren vermocht hat (also im Grunde das "Subjektive", wenn man es mal verkürzt ausdrücken will), ist für den Transzendentalismus gerade die Objektivität das Rätsel. Für die Phänomenologie ist nicht "die Welt", sondern "die Subjektivität, also das Bewusstseinsleben das ontologisch Erste. Alles Objektive, auch das paradigmatisch Objektive, das Physische der Physik, geht daraus erst durch eine rationale Konstitutionsleistung hervor, bleibt also in einem gewissen Sinn subjektives Gebilde." (Meixner S. 316) Wie kommt es dann, dass wir zur Objektivation überhaupt fähig sind?

    Zitat Husserl:

    „Für den Transzendentalphilosophen ist aber die gesamte reale Objektivität, die wissenschaftliche Objektivität aller wirklichen und möglichen Wissenschaften, aber auch die vorwissenschaftliche der Lebenswelt mit ihren ‚Situationswahrheiten‘ und der Relativität ihrer seienden Objekte, nun zum Problem, zum Rätsel aller Rätsel geworden. Das Rätsel ist gerade die Selbstverständlichkeit, in der für uns beständig und vorwissenschaftlich ‚Welt‘ ist, als Titel für eine Unendlichkeit von allen objektiven Wissenschaften unentbehrlichen Selbstverständlichkeiten."
    (Krisis, S. 208.)

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