Ich schlage mich gerade ein wenig mit der (Husserlschen) Phänomenologie herum, irgendeine Textstelle im thread "Strukturen und Systeme" hatte mich darauf gebracht, aber ich komme nicht damit zurecht. Hat hier irgend jemand ansatzweise Ahnung davon? Ich hatte in einem Buch eine interessante Textstelle gefunden, wonach mir die Phänomenologie als so etwas wie die Durchschlagung des "kantischen/konstruktivistischen Knotens" erschienen war:
"[...] das Bewußtsein ist auf die Sache gerichtet, es besteht ganz in dieser Ausrichtung, es ist "Bewußtsein von". Diese anscheinend so schlichte Bestimmung hat gleichwohl die ganze Phänomenologie in sich getragen. Sie beseitigt das idealistische Vorurteil, wonach das Bewußtsein in seine eigene Repräsentationen einbeschlossen ist, wie das physiologische Vorurteil, wonach Bewußtsein nur als Reflex der Oberfläche der realen Welt erscheint. In diesem Sinne wird die Phänomenologie charakterisiert als Wiedereinsetzung des Bewußtseins in das Recht, sich selbst und die Welt zu erkennen."
(René Schérer: Husserl, die Phänomenologie und ihre Entfaltung, in: Geschichte der Philosophie, hrsg. von François Châtelet, Bd. VI: Die Philosophie im Zeitalter von Industrie und Wissenschaft (1860-1940), 1975)
Das klingt gut in meinen Ohren. Aber wenn ich mich näher mit der Phänomenologie beschäftige, verflüchtigt sich dieses Wohlgefallen ganz schnell wieder. Husserls Schlachtruf "Zu den Sachen selbst" läuft nämlich überraschenderweise (für mich überraschend) auf etwas hinaus, was "reine Wesenheiten" genannt wird. Alles "Unwesentliche" wird "eingeklammert", bis man zum "Wesen" der "Dinge selbst" vordringt. Und damit kann ich nun so gar nichts anfangen. Mir scheint das widersprüchlich zu sein (was aber vermutlich an meiner Unkenntnis des phänomenologischen Vokabulars liegt). Phänomene, im Sinne von Erscheinungen, sind für mich das gerade Gegenteil von "Wesen".
Kann mir jemand auf die Sprünge helfen? Diverse Lexika haben nichts geholfen, ich verhedder mich da nur in mir unverständlichen Begriffen. Von Husserl selbst habe ich mal einen Band in die Hand genommen, aber ziemlich schockiert wieder weggelegt. Philosophie darf ja gern etwas trocken sein - aber so staubtrocken ... :sick:
Was mich an der ganzen Sache so wundert, das ist, dass die Phänomenologie doch angeblich recht einflussreich für die Denker des 20. Jahrhunderts gewesen sein soll. Man denke nur an Heidegger oder, wie ich der Wikipedia entnehme, den Existenzialismus. Wie passt das zusammen?