Hat die Systemtheorie eine Art von besonderem Zugriff auf das Phänomen der Halluzination? -
Fuchs antwortet: "Ich denke schon, jedenfalls dann, wenn sie die These vertritt, daß Kommunikation nicht von Menschen betrieben wird, sondern sich selbst reproduziert ohne Kontakt mit dem Innenleben der Leute." (Peter Fuchs; Die Lehre vom Saint Délire; S. 70)
Auch hier greift das Verschränkungsmodell. Man könnte meinen, daß die (Ent-)Äußerung eines Gedankens, einer Vorstellung, also die Inanspruchnahme von Sprache, bereits ein Kommunizieren sei, spätestens dann, wenn diese Inanspruchnahme sich an jemanden "richtet", klassisch formuliert: wenn sie Intentionalität an Bord hat. Doch ist die "(Ent-)Äußerung" nicht identisch mit dem ursprünglichen Gedanken; dieser ist das Resultat einer anders formierten Autopoiesis, der eines psychischen Systems. Kommunikation jedoch bricht das Innenleben der Psyche nicht auf; sie käme dafür auch immer schon zu spät. Kommunkationen ereignen sich in einer anderen, einer sozialen Form der Autopoiesis und beginnen nicht mit "Äußerungen" eines irgendwie garteten Inneren, sondern mit dem Verstehen durch ein anderes Inneres. Auf beide Inneren haben Kommunikationen keinen Durchgriff.